Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Rostocker Studenten erfolgreich mit Raketenprojekt

16.06.2014

Ergebnisse werden 2015 auf internationaler Konferenz vorgestellt

Atmosphärenforscher wollen meist hoch hinaus. Die Wissenschaftler interessieren sich für die oberen Schichten, die fast ins Weltall übergehen. Studenten aus Rostock nehmen sich daran ein Beispiel. Und das im Rahmen des deutsch-schwedischen Forschungsprogramms „Rexus“ (Raketenexperimente für Universitätsstudenten).


Tristan Staszak, Paul Schünemann und Nils Karow (v.l.) beim Packen des Fallschirms. Platz ist Mangelware.

(Foto: privat)

„Es bietet die einmalige Chance, ein Experiment für eine Höhenforschungsrakete zu entwickeln und durchzuführen“, sagt Heiner Asmus. Er hat an der Universität Rostock Physik studiert und ist jetzt Doktorand am Leibniz-Institut für Atmosphärenphysik in Kühlungsborn, ein An-Institut der Uni Rostock. Der 27-Jährige leitet eine Gruppe von zehn jungen Forschern, die ein aufregendes Experiment fast zum Abschluss gebracht haben.

Von Mecklenburg-Vorpommern aus sind sie sie mit ihrer Rakete über Nordschweden in die obere Atmosphäre vorgestoßen. „Medusa“ haben sie ihr Projekt genannt – nach der Buchstabenfolge, die sich aus der englischen Aufgabenstellung für das Forschungsprojekt ergibt. 

Die Studenten wollen herausfinden, wie sich die Teilchen in der dünnbesiedelten Schicht etwa 80 Kilometer über der Erdoberfläche zueinander verhalten und was sie in Unruhe versetzt. „Alles, was eine elektrische Ladung hat, kann gut gemessen werden“, sagt Heiner Asmus. Die Messdaten müssen jetzt ausgelesen, umgerechnet und dann interpretiert werden.

„Es ist Grundlagenforschung. Wir messen Ionen in der Atmosphäre, um die Vorgänge dort besser zu verstehen“, kommentiert er nüchtern. Monate vor dem Raketenstart in Nordschweden konstruierten und bauten die Studenten und Doktoranden an der Versuchsanordnung. Jedes Team hat Platz in einem Zylinder mit einer Höhe von etwa 30 Zentimeter und einen gleichgroßen Durchmesser für ihr Experiment. Aus diesen Zylindern, den sogenannten Modulen, wird am Ende ein Raketen-Rumpf. Beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen wurden die Segmente der Rakete zusammengesetzt und erfolgreich getestet.

Die Maschinenbau-Studenten Nils Karow, Paul Schünemann und André Fencik, die engagiert am Raketenprojekt mitarbeiten, sind sich einig: Neben dem Studium Praxiserfahrungen in der Raumfahrt sammeln, das sei eine tolle Chance. „Man lernt schon im Studium, wie man im Team arbeitet, Fristen einhält“. Von den Lehrstühlen der Fakultät für Maschinenbau und Schiffstechnik der Universität Rostock wird das Projekt toll unterstützt, freuen sich die Studenten. Die Herausforderung war: Die selbst gebaute Hülle durfte nur wenige Kilogramm wiegen und musste extremen Bedingungen standhalten. Und genau da liegt der Hase im Pfeffer. Was im Prinzip einfach klingt, ist Schwerstarbeit für künftige Physiker, Ingenieure und Elektrotechniker.

Das Medusa-Team um Heiner Asmus stand nicht nur vor technischen Herausforderungen, sondern muss auch so manches Rätsel lösen: In großen Höhen werden Luftteilchen durch die Sonnenstrahlung ionisiert. Wie wechselwirkt dieses sogenannte Plasma mit dem nicht geladenen Teil der Atmosphäre? Dazu möchten Heiner Asmus und seine Crew eine Antwort finden. Im besten Fall liefern sie den Wissenschaftlern zum Projektende Erkenntnisse über das Geschehen in der Atmosphäre. Man geht davon aus, dass es zum Verständnis des Klimawandels beitragen wird. „Wir wollen Erklärungen für Phänomene geben, beispielsweise, warum auf der Erde leuchtende Nachtwolken zu sehen sind“, sagt Heiner Asmus. Auf lange Sicht geht es dem Physiker darum, die Atmosphäre besser zu verstehen.

„Nächstes Jahr wollen die Rostocker auf einer großen internationalen Konferenz ihre Ergebnisse vorstellen. „Das deutsch-schwedische Studentenprogramm Rexus bietet beste Möglichkeiten, dass wir unser Experiment in der Höhenforschungsrakete erfolgreich entwickeln und durchführen können“, zeigt sich der Doktorand von der Unterstützung begeistert. (Text: Wolfgang Thiel)

Heiner Asmus
T: 015254879254
Mail: asmus@iap-kborn.de

Ingrid Rieck | Universität Rostock

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Maschinenbau:

nachricht Modulares Fertigungssystem für Kettenräder
15.03.2017 | EMAG GmbH & Co. KG

nachricht Nimm zwei: Metallische Oberflächen effizient mit dem Laser strukturieren
15.03.2017 | Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Maschinenbau >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise