Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Prototypenbau mit Industrierobotern

03.11.2008
Wenn ein Reeder eine neue Schiffsschraube braucht, muss er sich in Geduld üben: Die Produktion ist zeitaufwändig, denn der Gießereiarbeiter muss zunächst ein Modell herstellen und anhand dessen eine Gussform. Künftig können ihn Industrieroboter dabei unterstützen.

Schiffsschrauben, Teile für Windenergieanlagen, Turbinengehäuse – solche großvolumigen Gussteile lassen sich nur mit Hilfe spezieller Gussformen herstellen. Eine aufwändige und kostenintensive Prozedur, denn die Gießereiarbeiter müssen die meisten Arbeitsschritte immer noch per Hand ausführen.

Künftig sollen Industrieroboter die Facharbeiter bei der Herstellung der Gussformen unterstützen: Forscher des Fraunhofer-Instituts für Fabrikbetrieb und -automatisierung IFF in Magdeburg haben dafür zusammen mit der Partnerfirma Modell- und Formenbau GmbH Sachsen-Anhalt MFSA ein Verfahren entwickelt.

»Die Roboter stellen großvolumige Modelle und Gießereiformen schneller und kostengünstiger her. Je nach Prozess lassen sich so bis zu einem Drittel der Kosten sparen. Verschiedene Werkzeuge können flexibel miteinander kombiniert werden«, erklärt Torsten Felsch, Wissenschaftler am IFF. Die Formen werden dazu direkt aus einem Block herausgefräst – ohne Umwege über ein Produktmodell.

Dieses Projekt wird von der KUKA Roboter GmbH in Augsburg unterstützt: So kommt unter anderem ein Standard-KUKA-Roboter zum Einsatz. Die Fraunhofer-Forscher untersuchen die Grundlagen des Robotereinsatzes: Welche Fräsbahn ist optimal? Wie lassen sie sich mit Algorithmen berechnen? Welche Werkzeuge verwendet man für den Robotereinsatz am besten? Ihre Kollegen bei MFSA setzen die Ergebnisse direkt in der Produktion um.

Bei großen Stückzahlen ist ein anderer Weg oft kostengünstiger als das direkte Fräsen: Da die Form beim Herauslösen des fertigen Gussteils zerstört wird, fertigen die Arbeiter zunächst ein Modell des herzustellenden Gussstücks an, das als Muster für die Gussformen dient. »Die Modelle werden schichtweise aufgebaut. Üblicherweise sägt der Werker die einzelnen Platten aus, klebt sie aufeinander und bearbeitet die Form anschließend mit der Fräsmaschine. Dies können künftig Indus-trieroboter übernehmen«, sagt Felsch. Doch wie funktioniert das genau? Zuerst mischt der KUKA-Roboter einen flüssigen Zweikomponentenschaum und trägt eine Schaumschicht nach der anderen auf die Arbeitsfläche auf.

Da die Schichtdicke im Durchschnitt zwei Zentimeter beträgt, entsteht ein relativ grobes Modell des Gussteils. Wie beim direkten Fräsen liefert die Software anschließend dem Roboter die Fräsparameter: Wo muss er wie viel Material abtragen? Welche Werkzeuge benutzt er am besten? Die Bearbeitungsverfahren durch Roboter befinden sich derzeit noch in der Entwicklung – in ein bis zwei Jahren könnten sie die Gießereien bei ihrer Arbeit unterstützen.

Torsten Felsch | Fraunhofer Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.iff.fraunhofer.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Maschinenbau:

nachricht Flexible Fertigung von Elektromotoren für Fahrzeuge
06.09.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Gewicht von Robomotion-Greifer um 60 Prozent reduziert
31.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Maschinenbau >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Im Focus: Ultrakurze Momentaufnahmen der Dynamik von Elektronen in Festkörpern

Mit Hilfe ultrakurzer Laser- und Röntgenblitze haben Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik (Garching bei München) Schnappschüsse der bislang kürzesten Bewegung von Elektronen in Festkörpern gemacht. Die Bewegung hielt 750 Attosekunden lang an, bevor sie abklang. Damit stellten die Wissenschaftler einen neuen Rekord auf, ultrakurze Prozesse innerhalb von Festkörpern aufzuzeichnen.

Wenn Röntgenstrahlen auf Festkörpermaterialien oder große Moleküle treffen, wird ein Elektron von seinem angestammten Platz in der Nähe des Atomkerns...

Im Focus: Ultrafast snapshots of relaxing electrons in solids

Using ultrafast flashes of laser and x-ray radiation, scientists at the Max Planck Institute of Quantum Optics (Garching, Germany) took snapshots of the briefest electron motion inside a solid material to date. The electron motion lasted only 750 billionths of the billionth of a second before it fainted, setting a new record of human capability to capture ultrafast processes inside solids!

When x-rays shine onto solid materials or large molecules, an electron is pushed away from its original place near the nucleus of the atom, leaving a hole...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Höher - schneller - weiter: Der Faktor Mensch in der Luftfahrt

20.09.2017 | Veranstaltungen

Wälder unter Druck: Internationale Tagung zur Rolle von Wäldern in der Landschaft an der Uni Halle

20.09.2017 | Veranstaltungen

7000 Teilnehmer erwartet: 69. Urologen-Kongress startet heute in Dresden

20.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Drohnen sehen auch im Dunkeln

20.09.2017 | Informationstechnologie

Pfeilgiftfrösche machen auf „Kommando“ Brutpflege für fremde Kaulquappen

20.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Frühwarnsystem für gefährliche Gase: TUHH-Forscher erreichen Meilenstein

20.09.2017 | Energie und Elektrotechnik