Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Produktions- und Qualitätsdatenbank ermöglicht Datenrückverfolgung

08.10.2008
Von der Teilemontage bis zur Endkontrolle werden bei Borg Warner Turbo Systems alle wichtigen Parameter in der Fertigung erfasst, geprüft und zur Weiterverarbeitung in der zentralen Produktions- und Qualitätsdatenbank gespeichert. Das proaktive Werkzeug der Datenrückverfolgung bedeutet eine enorme Kostenersparnis.

Sie drehen sich bis zu 200 000 Mal in der Minute, beschleunigen Frischluft, sorgen auch bei niedrigen Drehzahlen für die optimale „Atemluft“. Genau genommen sind es Windräder. Immer auf Hochtouren, von heißen Abgasen beschleunigt, machen sie im Dauereinsatz Verbrennungsmotoren Beine. Turbolader sind die kleinen Kraftwerke, die den Siegeszug des Dieselmotors vor allem im Pkw-Bereich wie kaum eine andere Technologie vorangetrieben haben. Sie sind extremen Beanspruchungen wie Temperaturen von bis zu 1050 °C und Drücken bis 3 bar ausgesetzt.

Bei Borg Warner Turbo Systems in Kirchheimbolanden hat ein Entwicklerteam um Dipl.-Ing. Andreas Adlhoch die Qualitätskontrolle und Produktqualität von Turboladern in neue Bahnen gelenkt. Unterstützt durch die ID-Reader Data-Man 7500 und Data-Man 100 und das Vision-System Insight 5110 von Cognex ist ein lückenloser Prozess der Datenrückverfolgung entstanden, der Vorbildcharakter hat.

Von den ersten Schritten der Teilemontage bis zur Endkontrolle werden alle wichtigen Fertigungsparameter erfasst, geprüft und zur Weiterverarbeitung in der zentralen Produktions- und Qualitätsdatenbank von Borg Warner gespeichert. Auf diese Weise lassen sich nicht nur Fehler in der Herstellung minimieren. Auch bei nachträglich auftauchenden Defekten können mit der Datenbiografie des Turboladers dessen Herstellungsbedingungen rekonstruiert werden.

So lassen sich etwaige Forderungen von Automobilherstellern ausschließen oder im Zweifelsfall auf eine minimale Stückzahl begrenzen. Ebenso trägt die ständige Validierung der Prozessschritte anhand der bereits gesammelten Datensätze aus vorgelagerten Arbeitsgängen zur Fehlervermeidung bei. Das System der Datenrückverfolgung ist damit ein proaktives Werkzeug. Diese Umstände bedeuten für den Automobilzulieferer eine enorme Kostenersparnis.

Schnell und einfach codiert

Bei Borg Warner Turbo Systems verlassen rund 3,5 Mio. Turbolader im Jahr die Fertigungsanlagen. Mehr als 2000 Mitarbeiter kümmern sich um Produkte, Märkte und Entwicklung. Ein kleines Team aus drei Spezialisten hat mit seinen innovativen Ideen maßgeblich zum Erfolg des Unternehmens beigetragen. Andreas Adlhoch, Arno Radmacher und Benny Freund haben gezeigt, dass man mit intelligenten Lösungen und hochwertigsten Technologien Enormes leisten kann.

Ziel des Projekts „Datenrückverfolgung an ATL BV39 im Produktionscenter PSC7“, das Anfang 2006 startete, war die Datenrückverfolgung durch Rumpfgruppencodierung. Die Rumpfgruppe ist der erste komplexe Produktionszustand des Turboladers, auf dem alle weiteren Bauteile montiert werden.

Mit Hilfe von hochwertigen ID-Readern wie dem Data-Man 7500 und dem Data-Man 100 sollte die Identifizierung eines individuellen Codes möglich werden, der das Bauteil als eine Art „Herstellungsbiografie“ begleitet. Entschieden hat man sich nach einigen Testläufen als Code-Träger für ein Klebeetikett mit aufgedrucktem 2D-Matrix-Code. Dies bietet den Vorteil, dass sich die Bauteile schnell und einfach codieren lassen. Ein weiteres wichtiges Argument für die Wahl des zweidimensionalen Codes war dessen hohe Datensicherheit durch fehlerkorrigierende Terminologie. Selbst wenn der Code verschmutzt ist, ist er problemlos auszulesen.

An jedem relevanten Arbeitsplatz hat man einen kompakten Industrie-PC installiert, den eine RS232-, USB- oder Ethernet/WLAN-Schnittstelle mit der angeschlossenen Geräteperipherie verbindet. Ganz wichtig ist dabei die exakte Identifikation der Codes mittels Kamerasystemen. An jeder Arbeitsstation scannen die Monteure mit dem Data-Man 7500 den Code und zeigen dem System damit den nächsten Arbeitsvorgang an. Die in dem nun folgenden Prozessschritt anfallenden relevanten Daten können so genau der aktuell vorliegenden Rumpfgruppe zugeordnet werden.

Das Datensystem gibt Arbeitsschritte und Kontrollkriterien vor und entscheidet nach Abschluss der Arbeiten über die Freigabe des Bauteils. Beispielsweise legt man den Toleranzbereich von geregelten Turboladern händisch mittels gekonterter Einstellmuttern fest. Das System kontrolliert dabei, ob der eingestellte Bereich den Vorgaben entspricht, und gibt das Bauteil so lange nicht zur Weiterverarbeitung frei, bis dies absolut korrekt justiert ist. An anderer Stelle kontrolliert Borg Warner mit dem Data-Man 100 auch den Datenfluss beim Betriebsauswuchten und stellt so sicher, dass der Turbolader garantiert rund dreht.

Genadelt und geprüft

Basis der Datenrückverfolgung sind die Codes selbst. Generiert von der Borg-Warner-Datenbank, stehen sie auf Abruf dem Codedrucker zur Verfügung. Ein Klebeetikett, das ein Mitarbeiter von Hand am Arbeitsplatz der Rumpfgruppenmontage aufbringt, erhält einen Aufdruck mit Data-Matrix-Codebild und zusätzlicher Klarschrift. Erste Schritte für direkt markierte Rumpfgruppen wurden in der Praxis positiv getestet. Die Anforderungen sind hoch, denn es handelt sich um schwer zu lesende, direkt aufgedruckte Codes auf rauhen und unebenen Gussoberflächen.

Die mit den Cognex-Systemen gescannten Codes werden mit den Daten der verschiedenen Mess- und Montagestationen verknüpft und in die Datenbank von Borg Warner geschrieben. Zur erhöhten Sicherheit sind alle Daten für einen festgelegten Zeitraum auf dem Rechnersystem zwischengespeichert. Über WLAN mit dem Firmennetzwerk verbunden, tauscht der Rechner die Datensätze mit dem Datenbankserver aus. Dies ermöglicht auch die Fernwartung der Computer und der verbundenen Lese- und Druckeinrichtungen.

Abschließend erhalten die BV39-Typenschilder einen aufgenadelten Data-Matrix-Code nach Kundendefinition. Dabei wird ein 6 mm × 6 mm großer Data-Matrix-Code innerhalb eines Sekundenbruchteils mittels eines Cognex-Vision-Systems In-Sight 5110 auf seine Codegüte hin geprüft. So ist auch nach der späteren Zerstörung der Klebeetiketten durch thermische Einwirkung eine Verknüpfung der erfassten Einstell- und Montagewerte mit der Typenschildnummer über die Datenbank sichergestellt.

Frank Weigel ist European Technical Manager bei der Cognex Germany Inc. in 76131 Karlsruhe.

Frank Weigel | MM MaschinenMarkt
Weitere Informationen:
http://www.maschinenmarkt.vogel.de/themenkanaele/mmlogistik/managementundit/autoid/articles/147933/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Maschinenbau:

nachricht Flexiblere Turbomaschinen entwickeln
23.05.2017 | FIZ Karlsruhe – Leibniz-Institut für Informationsinfrastruktur GmbH

nachricht WHZ erhält hochmodernen Prüfkomplex für Schraubenverbindungen
23.05.2017 | Westsächsische Hochschule Zwickau

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Maschinenbau >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften