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Palettenprüfung auf Biegen und Brechen

20.02.2009
Eine Prüfanlage von AMI prüft — im Gegensatz zu marktüblichen Systemen — auch Europaletten im laufenden Betrieb. Dank modernster Sensorik kann sie eine Vielzahl zusätzlicher Pflichtenprüfungen durchführen.

Für die Brauerei Krombacher, deren Pils eine der meistver-kauften Biermarken in Deutschland ist, ist eine Europalette aus dem täglichen Warenwirtschaftsverkehr nicht mehr wegzudenken. Da jede mangelhafte Palette ein Sicherheits- und auch ein wirtschaftliches Risiko darstellt, ist die Prüfung der Palette ein zentrales und kostenkritisches Thema. Um einen für Werk und Menschen sicheren Transport zu gewährleisten, hat die Brauerei eine Palettenprüfanlage entwickeln lassen. Die AMI-Entwicklung prüft – im Gegensatz zu marktüblichen Systemen – auch Europaletten im laufenden Betrieb und kann dank modernster Sensorik eine Vielzahl zusätzlicher Pflichtenprüfungen durchführen, die man bei den Mitbewerbern vermisst.

Automatisches Prüfsystem wirkt hohen Kosten entgegen

Bei der Krombacher Brauerei weiß man, wie wichtig stabile und transporttüchtige Paletten für das tägliche Geschäft und die Produkte sind. Für Krombacher sind die 1200 mm × 800 mm × 114 mm messenden genormten, mehrwegfähigen Euro-Transportpaletten mit 0,96 m² Grundfläche die Transportgrundlage. „Die hohen Kosten, die durch instabile und zusammenbrechende Paletten entstehen, haben uns letztendlich dazu bewogen, ein automatisches Palettenprüfsystem direkt in unseren Produktionsablauf zu integrieren. Eine stabile Palette ist schließlich ein Sicherheitsfaktor beim Transport und im Lager“, urteilt Günter Hombach, Leiter Fertigwaren Lager und Verladung der Privatbrauerei.

Krombacher hat kein Lager im eigentlichen Sinn, sondern arbeitet just in time. Dabei kommt natürlich der Transportsicherheit eine entscheidende Bedeutung zu. Im einwandfreien Zustand kann die Palette zu ihrem Eigengewicht von 25 bis 30 kg bis zu 1200 kg Ladung tragen. Seit 1803 braut die heute zu den modernsten Bierbrauereien Europas zählende Brauerei am Rande des Rothaargebirges. Mehr als 5,7 Mio. Hektoliter Gerstensaft werden jährlich umgesetzt.

Europaletten auch im Produktionsfluss hohen Lasten ausgesetzt

Natürlich ist AMI nicht das erste Unternehmen, das eine Palettenprüfanlage konzipiert hat. Aber AMI hat speziell eine Anlage entwickelt, die im laufenden Betrieb eine Fülle sicherheitsrelevanter Prüfungspflichten erledigt. Am Ende der Überprüfung entscheidet die Anlage anhand der im Prüfprozess erhobenen Messdaten, ob die Palette „ok“ ist oder als „nicht transportfähig“ eingestuft werden muss.

Europaletten sind nicht nur im Lager Lasten ausgesetzt. Im Produktionsfluss werden sie auf verschiedenen Fördersystemen transportiert und dabei unterschiedlich stark beansprucht. Die Paletten werden über Rollenförderer, Kettenförderer und Schleppkettenförderlinien transportiert, die ebenfalls AMI geliefert hat. Bei Krombacher kommen Schleppkettenförderer zum Einsatz. Eine beschädigte und instabile Palette wäre ein Risikofaktor für die gesamte Produktion.

Es verwundert nicht, dass sich bereits das Pflichtenheft marktüblicher Palettenprüfanlagen entsprechend umfangreich liest. So muss die Anlage hervorstehende Nägel erkennen und eindrücken, die Palette von anhaftenden Schmutzpartikeln reinigen und die Festigkeitseigenschaften der Boden- und Deckbretter prüfen. Gleichzeitig muss die Ebenheit der Deckbretter festgestellt und eine Freiraumkontrolle in Längsrichtung der Bretter durchgeführt werden. Es muss überprüft werden, ob alle neun Holzklötze vorhanden sind, und schließlich müssen die Randzonen des Bodenmittelbretts und der Mittelbretter kontrolliert werden. So weit die Prüfkriterien, die den allgemeinen Stand der Technik berücksichtigen.

Auch Breite, Länge und Winkel der Klötze werden ernannt

Das Einzigartige der neu entwickelten AMI-Prüfanlage ist, dass sie das marktübliche Pflichtenheft erheblich erweitert. Die Anlage kann zusätzlich auch Breite, Länge und Winkel der Klötze prüfen und erkennen. Dank moderner Sensorik und Lasertechnik kann sie so sehen, ob ein Bruch oder ein Fehlen einzelner Klötze vorliegt. Zusätzlich kann, wenn gewünscht, eine Verdrehung der Klötze erkannt und ausgewertet werden. Sollten beispielsweise Kunststoffpaletten in den Automaten einlaufen, kann eine zusätzliche Erkennung mit Aussortierung eingebracht werden.

Im laufenden Tagesgeschäft mit Dreischichtbetrieb können im Durchlaufverfahren 360 Palettenprüfungen pro Stunde durchgeführt werden. Dabei sind die Prüfkriterien individuell auf jeden Kunden einstellbar. Die neue Anlage führt also Prüfarbeiten aus, die vorher weder maschinell noch manuell realisiert werden konnten. Dabei ersetzt die neue Anlage keine bestehenden Arbeitsplätze. Vor der Integration der erweiterten AMI-Palettenprüfanlage waren bei Krombacher einfachere Systeme im Einsatz, welche die Paletten lediglich auf eine oberflächliche Stabilität hin überprüften.

AMI-Fördertechniken und Palettenprüfanlage garantieren penibel abgestimmten Betriebsablauf.

In der Krombacher-Abfüllanlage im Littfetal, die Ende 2002 mit einem Kostenaufwand von rund 30 Mio. Euro in Angriff genommen wurde, waren vor der Installation der neuen Palettenprüfanlage bereits mehrere AMI-Fördertechniken im Einsatz. Zusammen mit der neuen Palettenprüfanlage garantieren sie einen penibel aufeinander abgestimmten Betriebsablauf.

An fünf Tagen in der Woche laufen in der Stunde bis zu 360 Paletten über die Rollenförderer an die Prüfstation. Mit dem Passieren einer Lichtschranke startet der Prüfprozess auf dem definierten Weg. Als Erstes wird die Palette gesäubert, Fremdstoffe wie Glasscherben oder grober Schmutz abgebürstet. Anschließend schaltet sich die Nagelwalze ein und drückt hervorstehende Nägel in die Bretter zurück, so dass die Palettenoberfläche eben wird und sich später nichts verfangen oder verkanten kann. Der Druck der Nagelwalze ist individuell regulierbar.

Es folgt die Kontrolle der Freiräume für die Gabelzinken. Das ist wichtig, damit später Flurförderzeuge oder Hubwagen die Palette aufnehmen können und die Palette nicht auf der Palettenbahn durch herausstehende Klötze hängen bleibt. Stellt das System hier einen Fehler beziehungsweise eine Abweichung fest, wird der Vorgang abgebrochen und die Palette wird ausgesondert.

Sind die Freiräume in Ordnung, wird die Palette weitertransportiert und erreicht als Nächstes die Lasertaster zur Überprüfung der Brettkanten. Erkennt die Anlage eine Abweichung, misst sie die Länge des Kantenfehlers und vergleicht diese mit dem eingestellten Wert. Ist der Fehlerwert, also die Abweichung, größer als der eingestellte Wert, setzt die Anlage im System ein so genanntes „Fehlerbyte“ für die Palette.

Es folgt die Kontrolle der Palettenklötze. Bei Abweichungen der Abstände der einzelnen Klötze zueinander außerhalb der Toleranz setzt das System erneut ein Fehlerbyte. Bei der anschließenden Druckkontrolle ermittelt die Anlage mithilfe von Zylindern die Werte und vergleicht sie mit den vorgegebenen Soll-Werten. Bei Abweichungen endet die Palettenfahrt an dieser Stelle und die Europalette wird sofort ausgesondert.

Günter Hombach bringt die Vorteile der neuen Anlage auf den Punkt: „Wie zuverlässig die Palettenprüfanlage von AMI arbeitet, lässt sich am Ausschuss unbrauchbarer Paletten ablesen, der um 10% angestiegen ist. 10%, die bei herkömmlichen Prüfverfahren noch in den Handel gelangt wären und ein Sicherheitsrisiko dargestellt hätten.“

Stefan Brenner ist Geschäftsführer der AMI Förder- und Lagertechnik GmbH in Alpenrod.

Stefan Brenner | MM MaschinenMarkt
Weitere Informationen:
http://www.maschinenmarkt.vogel.de/themenkanaele/materialflusslogistik/foerdertechnik/articles/171807/

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