Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ordnung in das Chaos

01.03.2009
Zugeführte Teile erkennen, greifen und absetzen

Bei Hirschvogel in Denklingen handhabt das System FHS 500 von Faude dynamisch und präzise schwere Schmiedeteile. Dabei greift es chaotisch zugeführte Bauteile und setzt sie schwingungsfrei nach Setzmuster zur Weiterverarbeitung ab. Vier Kameras identifizieren die Bauteile und sorgen für die präzise Bestimmung der Greifposition.

Hirschvogel Automotive stellt in sechs Werken weltweit Umformteile und Komponenten für die Automobilindustrie und ihre Systemlieferanten her. Im Stammwerk Denklingen fertigen mehr als 1.600 Mitarbeiter massivumgeformte Bauteile in Großserie. Um eine hohe Fertigungsqualität zu gewährleisten, treibt das Unternehmen die Automatisierung stark voran. Im Zuge dieser Entwicklung wurde gezielt eine Prozessoptimierung gefordert, die eine automatische Verkettung zur Reinigungsstation ermöglicht. Der Pick & Place-Prozess der Bauteile sollte im vorgegebenen Zeitraster erfolgen und ein schwingungsfreies Absetzen ermöglichen.

Langjährige Versuchsreihen mit konventionellen Robotersystemen brachten keine Lösung, die wirtschaftlich tragbar waren und die räumliche Gegebenheiten berücksichtigten. Faude Produktionsanlagen stellte sich der Herausforderung und lieferte mit dem Handhabungssystem FHS 500 eine Lösung, die alle Anforderungen erfüllte. Heute verringert sich die Distanz; in drei Sekunden erfolgt der Zugriff und lässt Chaoten keine Chance - denn das System erkennt alle Bauteile und greift sie sich, auch wenn sie liegend oder unsortiert zugeführt werden. FHS 500 kann Schmiedeteile bis sechs Kilogramm schwingungsfrei, senkrecht und nach vorgegebenem Muster absetzen.

Aus Platzgründen und unter wirtschaftlichen Aspekten galt dies lange als nicht umsetzbar, ist inzwischen aber Routine bei Hirschvogel. Die Gefahr, dass die Teile beim senkrechten Aufstellen wegen ihres hohen Schwerpunkts kippen könnten, ist dank der Flexmotion-Kinematik ausgeschlossen. Gleichzeitig arbeitet sie flexibel und schnell. In Verbindung mit einer 180-Grad-Schwenkachse bietet die um 270 Grad drehende C-Achse viele Möglichkeiten, um die Teile zu handeln. Dabei wirken die Antriebe direkt ohne zusätzliche Armglieder auf die Last ein. Im Vergleich zu Maschinen mit serieller Kinematik (zum Beispiel Schwerlast-Scaras oder Knickarmroboter) ergibt sich daraus ein optimiertes Last-Masse-Verhältnis mit besserer Dynamik, Präzision und Steifigkeit.

"Augen" und "Hand" der FHS 500 arbeiten lückenlos zusammen. Was auf dem 1.000 Millimeter breiten Band für die Zuführung passiert, erkennt sie mit einem Blick aus vier Kameras, der alle Bauteile identifiziert, ihre Lage bildübergreifend bestimmt, die Kollisionen der chaotisch an- oder aufeinanderliegenden Teile im Greifbereich überwacht und die Typenreinheit überprüft. Erreicht wird diese Leistung durch das Zusammenspiel des (speziell für die erschütterungsintensive Umgebung konstruierten) Kameraarms und der für diese Applikationen entwickelten Bildverarbeitungssoftware Flexvision RV. Auch die Erfassung der Bauteile außerhalb des Arbeitsraumes ist durch die Kopplung der Bildverarbeitung mit dem Rotationsgeber am Zuführband gewährleistet. Dem schnellen exakten und bandsynchronen Abgreifen der Teile steht damit nichts mehr im Wege.

"Mit der FHS 500 konnten wir den Automatisierungsgrad erhöhen. Die Maschine ist kompakt, lässt sich voll in die Verkettung integrieren. Flexibler und schneller geht es kaum. Die FHS 500 arbeitet nicht so genau wie möglich, sondern so genau wie nötig. Nach dem bisherigen Einsatz kann ich sagen, dass wir richtig zufrieden damit sind. Faude überzeugte neben fachlicher Kompetenz immer wieder durch die große Einsatzbereitschaft des Fachpersonals, und das bei gleichbleibend hoher Qualität." So lautet das Fazit von Stefan Maiwald, Technischer Leiter bei Hirschvogel in Denklingen. Weitere Pluspunkte erhält das Handhabungssystem auf Grund seiner kompakten Maße und seines hohen Bedienkomforts. Mit 2.300 mal 2.300 Millimeter und einer Höhe von 3.000 Millimetern ist der Platzbedarf gering.

Das Steuerungssystem ist so angelegt, wie es eine Industrieumgebung erfordert: intuitiv, kompakt und mit einem 19-Zoll-Touch-Bildschirm ausgestattet. Ein PC übernimmt die Maschinensteuerung und Bildverarbeitung. Genauso praktisch ist die Windows-konforme Bedienung. Je nach Anforderung des Kunden kann das System modular erweitert werden. Die Programmierung entspricht internationalen Standards, genauso wie die unterschiedlichen Feldbus-Anbindungen, der Fernzugriff über TCP/IP, die synchrone Datenausgabe an Digital-I/Os sowie Antriebe über Sercos.

| handling
Weitere Informationen:
http://www.handling.de/xist4c/web/Ordnung-in-das-Chaos_id_882__dId_412580_.htm

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Maschinenbau:

nachricht Aufwind für die Luftfahrt: University of Twente entwickelt leistungsstarke Verbindungsmethode
23.01.2017 | University of Twente

nachricht Satellitengestützte Lasermesstechnik gegen den Klimawandel
17.01.2017 | Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Maschinenbau >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wie der Nordatlantik zum Wärmepirat wurde

23.01.2017 | Geowissenschaften

Immunabwehr ohne Kollateralschaden

23.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

23.01.2017 | Physik Astronomie