Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ohne verbrannte Finger

14.12.2010
Beengte Bauräume, hohe Temperaturen: Beim Beladehandling im Kunststoff-Spritzguss sind besondere Bedingungen zu berücksichtigen. Der Anlagenbauer EGS hat diese Anforderungen sicher im Griff – und setzt dabei auf Greiflösungen von Sommer-Automatic.

Heiß geht es her: Beim Kunststoff-Spritzgießen herrschen in der Regel Temperaturen zwischen 120°C und 150°C, und für die dabei eingesetzte Automatisierungstechnik bedeutet das hohe Anforderungen. Ein Blick in eine der vier Anlagen der Weißhaar GmbH zeigt, welchen Belastungen die Greifersysteme täglich standhalten. Hier werden die stählernen Ölpumpenachsen vor dem Umspritzen zunächst in den Kavitäten einer Heizplatte auf rund 120 °C aufgeheizt, um so einen sicheren Verbund zwischen Achse und dem graphithaltigen Spezialkunststoff sicherzustellen. Die Temperatur muss mit einer Toleranz von maximal +/- 2°C eingehalten werden, weil größere Temperaturdifferenzen bei den Präzisions-Fertigteilen zu spürbaren Abweichungen in der Größenordnung von einigen Hundertstel Millimetern führen würden.

In Deißlingen hat der Kunststoffverarbeiter allein vier robotergestützte Spritzgießstationen in Betrieb, auf denen Ölpumpenteile für verschiedene deutsche Automobilzulieferer produziert werden. Damit die Produktion trotz der hohen Anforderungen reibungslos läuft, wurden die damit verbundenen Handhabungsaufgaben in die Hände von EGS gelegt, der wiederum in seinen Automatisierungslösungen ausschließlich Greifer von Sommer-Automatic verwendet. Sie sind zuverlässig und haben ein gutes Preis/Leistungsverhältnis.

Die Handhabungsaufgaben in der Produktionsstation übernimmt ein Sechsachsroboter des Typs Motoman HP20. Er ist mit zwei Vierfach-Greifeinheiten ausgestattet, die EGS aus acht Greifern des Typs GP406N-C aufgebaut und auf einer gemeinsamen Trägerplatte montiert hat. Diese pneumatisch angetriebenen Parallelgreifer aus dem Standardlieferprogramm von Sommer-Automatic sind für Betriebstemperaturen bis 80° C zugelassen. Sie bauen sehr kompakt, bieten im Verhältnis zu ihrer Baugröße eine hohe Greifkraft und sind mit 270 Gramm so leicht, dass sie den Einsatz einer kleinen und damit kostengünstigen Robotergröße erlauben. Zudem sind so robust, dass sie mindestens zehn Millionen Zyklen ohne jede Wartung überstehen – beste Voraussetzungen also für die wirtschaftliche Fertigungsautomation.

Gleichmäßiger Ablauf

„Mit diesen kompakten Greifern war es unseren Konstrukteuren möglich, eine sehr schmale Doppel-Greifeinheit zu bauen, die in einem Arbeitsgang vier Fertigteile entnehmen und vier Rohteile in die Form einlegen kann“, sagt Leo Weber, der bei EGS das Weißhaar-Projekt geleitet hat. Dazu nimmt der Roboter jeweils vier Inserts aus einer Heizplatte auf. Bevor sie aber in die Spritzgießform eingelegt werden, müssen die Teile zwei Prüfschritte durchlaufen, die eine hohe Produkt- und Prozessqualität sicherstellen und die teure Spritzgießform vor möglichen Beschädigungen schützen. Der Roboter fährt mit den Teilen zunächst vor eine Vierfach-Gabellichtschranke. Hier wird überprüft, ob die Teile gleichmäßig gegriffen wurden und keine der Achsen stirnseitig über die anderen herausragt. In einem zweiten Schritt kontrolliert ein Bildverarbeitungssystem, ob die Teile auch axial richtig positioniert sind. Denn falsch eingelegte Teile würden zu einer Zerstörung der Form führen.

Sobald diese Prüfschritte absolviert sind, können die Teile auf Anschlag in die Form eingelegt werden. Wenn sie sich nach dem Ende eines Spritzzyklus öffnet, fährt der Roboterarm in das Innere hinein, greift mit der ersten Vierfach-Greifeinheit die vier fertig umspritzten Ölpumpenkolben und zieht sie aus der Form heraus. Der Roboter fährt nun noch etwas tiefer in die Form hinein, legt die vier Rohteile aus der zweiten Greifeinheit in die Form ein und fährt schließlich mit den vier Fertigteilen komplett aus der Spritzgießmaschine heraus. Zur Prüfung der Vollzähligkeit fährt der Roboter mit den fertig umspritzten Teilen an die Vierfach-Gabellichtschranke heran. Erst wenn von hier das O.K. kommt, kann sich die Form wieder schließen und der Zyklus fortgesetzt werden.
Abschließend legt der Roboter die Fertigteile auf einem hitzebeständigen Förderband ab, das sie zur weiteren Verarbeitung transportiert.

„Mit unserer Automatisierungsanlage haben wir für unseren Kunden Weißhaar einen sehr gleichmäßigen Produktionsablauf erreicht. Gegenüber der manuellen Beladung sparen wir volle 30 Sekunden pro Schuss ein und sind jetzt bei einer Zykluszeit von 60 Sekunden angelangt“, freut sich Leo Weber.

| SCOPE
Weitere Informationen:
http://www.scope-online.de/Techno-SCOPE/Techno-SCOPE---Greifer---Ohne--verbrannte-Finger.htm

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Maschinenbau:

nachricht Ifremer entwickelt autonomes Unterwasserfahrzeug zur Untersuchung der Tiefsee
24.02.2017 | Wissenschaftliche Abteilung, Französische Botschaft in der Bundesrepublik Deutschland

nachricht Baukasten-System für die Linienfertigung: Die VL-Baureihe von EMAG
21.02.2017 | EMAG GmbH & Co. KG

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Maschinenbau >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie