Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuartige Flüssigkeiten beschleunigen das Spannen von Werkstücken

14.04.2010
Manche Werkstücke sind sehr empfindlich und können schon beschädigt werden, wenn man sie in einen Schraubstock spannt.

Forscher der Universität des Saarlandes haben daher ein Verfahren entwickelt, bei dem man solche Werkstücke teilweise in eine eisenhaltige Flüssigkeit legt. Wird diese einem Magnetfeld ausgesetzt, erstarrt sie in Bruchteilen einer Sekunde und umschließt das Werkstück ganz fest. So lässt sich das Werkstück präzise bearbeiten und ist auch vor Erschütterungen geschützt. Die neue Spanntechnik, die von der Flugzeugindustrie bereits erprobt wurde, stellen die Wissenschaftler vom 19. bis 23. April auf der Hannover Messe (Halle 2, Stand C 44) vor.

Ein Knopfdruck genügt, und die ölig erscheinende Flüssigkeit wird plötzlich zäh wie fester Honig. Nur wenige Millisekunden später blickt man auf eine Substanz, die in ihrer Struktur ausgetrocknetem Lehm ähnelt. Dieser Effekt zeichnet die so genannten magnetorheologischen Flüssigkeiten aus. Das sind meist Silikon- oder Mineralöle, in denen winzige Eisenteilchen gleichmäßig verteilt werden. Stellt man diese Flüssigkeiten in ein Magnetfeld, richten sich die darin enthaltenen Eisenteilchen blitzschnell nach den Polen aus.

"Dieser Effekt ist schon seit mehr als 50 Jahren bekannt. Um ihn aber für das Spannen von Werkstoffen auch industriell zu nutzen, mussten noch viele offene Fragen geklärt werden", sagt Hartmut Janocha, Professor für Prozessautomatisierung der Universität des Saarlandes. Sein Team forscht daran, wie diese Substanzen zum Fixieren von Werkstücken, aber auch für andere Anwendungen genutzt werden können. Dabei wird zum Beispiel untersucht, wie man den Magnetkreis für die jeweilige Anwendung optimal gestalten kann.

In dem von der Europäischen Union geförderten Verbundprojekt Maffix konnte das neue Verfahren bereits in der Flugzeugindustrie getestet werden. Dort müssen titanhaltige Metallträger, die den Rumpf eines Flugzeugs stabilisieren, vor der Bearbeitung aufwändig eingespannt werden. Titan hat nämlich die Eigenschaft, dass es leicht in seine Urform zurückspringt (Memory-Effekt) und die kleinste, ungewollte Verformung nicht mehr zu korrigieren ist. "Durch unser neues Spannsystem, in dem die Träger ohne zusätzliche Spannelemente in die Flüssigkeit gelegt werden, konnten die Arbeitsabläufe enorm beschleunigt werden. Für das Spannen benötigt man jetzt nur noch die halbe Zeit", erläutert Professor Janocha. Damit wird der Herstellungsprozess, bei dem die Fixierung der Werkstoffe schon fast die Hälfte der gesamten Arbeitszeit in Anspruch nimmt, enorm verbessert. "Die Werkstoffe können zudem viel schonender bearbeitet werden, da sie beim Fräsen und Schleifen vor Erschütterung geschützt sind", betont Janocha.

Am europäischen Maffix-Projekt, das bis Oktober 2008 mit rund einer Million Euro gefördert wurde, waren neben der Universität des Saarlandes auch das Fraunhofer-Institut für Silicatforschung in Würzburg sowie Firmen aus Spanien, Deutschland, Italien und Rumänien beteiligt. Ziel des Forschungsprojekts war es, neuartige Spannsysteme für Werkstücke mit Hilfe eben dieser Flüssigkeit zu entwickeln.

Pressefotos unter:
www.uni-saarland.de/pressefotos
Fragen beantwortet:
Thomas Würtz
Lehrstuhl für Prozessautomatisierung (LPA)
Universität des Saarlandes
Tel.: 0681 302- 57591
Tel. 0511 / 89 49 71 01 (Telefon am Messestand)
tw@zip.uni-sb.de
Hinweis für Hörfunk-Journalisten: Sie können Telefoninterviews in Studioqualität mit Wissenschaftlern der Universität des Saarlandes führen, über Rundfunk-ISDN-Codec. Interviewwünsche bitte an die Pressestelle (0681/302-3610) richten.

Friederike Meyer zu Tittingdorf | idw
Weitere Informationen:
http://maffix.fatronik.com
http://www.lpa.uni-saarland.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Maschinenbau:

nachricht Mehr Sicherheit beim Fliegen dank neuer Ultraschall-Prüfsysteme
20.11.2017 | Fraunhofer-Institut für Keramische Technologien und Systeme IKTS

nachricht VL- und VSC-Drehmaschinen von EMAG: Die Bremsscheiben-Produktion auf ein neues Level heben
16.11.2017 | EMAG GmbH & Co. KG

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Maschinenbau >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

Neues Elektro-Forschungsfahrzeug am Institut für Mikroelektronische Systeme

21.11.2017 | Veranstaltungen

Raumfahrtkolloquium: Technologien für die Raumfahrt von morgen

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neue Gene für das Risiko von allergischen Erkrankungen entdeckt

21.11.2017 | Studien Analysen

Wafer zu Chip: Röntgenblick für weniger Ausschuss

21.11.2017 | Informationstechnologie

Nanopartikel helfen bei Malariadiagnose – neuer Schnelltest in der Entwicklung

21.11.2017 | Biowissenschaften Chemie