Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Luftfahrt-Fertigung digitalisiert

01.03.2011
Großteilefertigung des EADS Tochterkonzerns Premium AEROTEC wurde in eine „Digitale Fabrik“ überführt

„Üblicherweise wird die Digitale Fabrik in der Serienfertigung angewendet, wir haben die Methoden hier aber auf eine typische Werkstattfertigung übertragen“, erklärt Mark Eikötter, Ingenieur und Projektleiter am Institut für Fertigungstechnik und Werkzeugmaschinen (IFW) der Leibniz Universität Hannover, die Besonderheit seines Forschungsvorhabens.

Anders als etwa in der Automobilindustrie mit ihren standardisierbaren Abläufen muss bei dieser Art der Fertigung für jeden eingehenden Auftrag neu geprüft werden, welcher Fertigungsablauf der sinnvollste ist. Entsprechend schwierig ist es, sämtliche Wechselwirkungen zwischen den Produkten, den Fertigungstechnologien sowie der Fabrik digital zu erfassen und zu berücksichtigen, wie sich eine Veränderung der Produktionssteuerung auf die Auslastung verschiedener Werkzeugmaschinen und die Durchlaufzeiten innerhalb der Fertigung auswirkt.

Bereits vor dem eigentlichen Start des Verbundprojekts „AGILITA - Agile Produktionslogistik und Transportanlagen“ war Eikötter auf großes Interesse gestoßen: Sein Forschungsantrag erreichte 2009 im Technologiewettbewerb „Autonomik“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie den zweiten Platz. Sein Ziel, die Fertigung großer, sperriger Bauteile insbesondere für mittelständische Unternehmen zu optimieren, zu automatisieren und die Informationen über Zustand und Verbleib teurer Einzelstücke zu verbessern, fand große Beachtung.

Ein Jahr nach Projektstart folgen den Vorschusslorbeeren nun die Ergebnisse: Die gesamte Großteilefertigung des Luftfahrtzulieferers Premium AEROTEC im norddeutschen Werk Varel ist nun digital abgebildet. Enthalten ist darin auch ein Kennzahlenmonitor, mit dessen Hilfe die charakteristischen Leistungswerte der Produktion im Modell generiert und analysiert werden können. Außerdem gibt es eine sogenannte Losgrößenoptimierung, die geometrisch ähnliche Bauteile aus verschiedenen Aufträgen identifiziert und gemeinsam zur Fertigung schickt – das spart Rüstzeiten an den Maschinen und optimiert die Durchlaufzeit des gesamten Fertigungsprozesses. Besonders stolz ist Eikötter darauf, dass seine Digitale Fabrik auch die Prinzipien der Lean Production – also der „schlanken Produktion“ nach japanischem Vorbild – berücksichtigt.

Der Ingenieur gehört zum Arbeitsbereich „Fertigungsplanung und -organisation“ des IFW, das innerhalb des Verbundprojekts Agilita dafür zuständig ist, die Prozesskette zu digitalisieren und durchzuspielen, welche Steuerungs-, Simulations-, Identifikations- und Transporttechnologien für diese Art der Fertigung am sinnvollsten sind und dennoch auch für den Mittelstand bezahlbar bleiben. Die Technologieempfehlungen dienen als Vorgaben für die fünf Industriepartner des Verbundprojekts. Deren Entwicklungen werden im IFW-Modell am Ende wieder validiert. Konsortialführer Premium AEROTEC stellt zusätzlich seine Großteilefertigung als Anwendungsmodell zur Verfügung.

„Mit den Ergebnissen aus dem AGILITA-Projekt werden kleine und mittlere Unternehmen den Grad der Autonomie innerhalb ihrer Produktion deutlich verbessern können“, betont Professor Berend Denkena, Leiter des Instituts für Fertigungstechnik und Werkzeugmaschinen. „Denn sämtliche für AGILITA entwickelten Technologien werden vernetzt und für den operativen Einsatz in der Industrie anwendbar gemacht.“ Zu diesen Technologien zählen Entwicklungen in den Bereichen Radio-Frequency Identification (RFID), Fahrerlose Transportsysteme, modulare Ladungsträger und agentenbasierte Manufacturing Execution Systems; die jeweiligen Industriepartner sind Waldemar Winckel, E&K Automation, Premium AEROTEC und MFP. Die im Projekt entwickelten Erkenntnisse werden direkt in die Praxis des Anwendungspartners aus der Luft- und Raumfahrt überführt.

Jessica Lumme | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-hannover.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Maschinenbau:

nachricht Gewicht von Robomotion-Greifer um 60 Prozent reduziert
31.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

nachricht Assistenzsysteme für die Blechumformung
28.07.2017 | Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Maschinenbau >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Im Neptun regnet es Diamanten: Forscherteam enthüllt Innenleben kosmischer Eisgiganten

21.08.2017 | Physik Astronomie

Ein Holodeck für Fliegen, Fische und Mäuse

21.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Institut für Lufttransportsysteme der TUHH nimmt neuen Cockpitsimulator in Betrieb

21.08.2017 | Verkehr Logistik