Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Laserschneiden als Teil von Komplettsystemen zur Karosseriebearbeitung

06.10.2008
Um komplette Systeme anbieten zu können, gehören auch Laserschneidanlagen zum Produktportfolio von Schuler. Dabei hat man vor allem das Schneiden formgehärteter Karosserieteile im Auge, wo der Laser die verschleißfreie Bearbeitung ermöglicht.

Der Name Schuler steht für Pressen. „Darin liegt unsere Kernkompetenz“, betont Tobias Apfel, Leiter Unternehmenskommunikation der Schuler AG, „aber um komplette Systeme anbieten zu können, benötigen wir auch Laserschneidzellen.“ Deshalb wurde jetzt im Rahmen einer Hausmesse bei Schuler Automation in Heßdorf die neue Generation der 3D-Laserschneidanlage Mobilas vorgestellt.

Bei ihr wurde im Vergleich zum Vorgängermodell das Steuerungs- und Antriebskonzept verbessert. „Damit erreichen wir eine Verdoppelung der Verfahrgeschwindigkeit und der Beschleunigung“, erklärt Dr.-Ing. Bernd Pögel, Entwicklungsleiter bei der Schuler Automation GmbH & Co. KG.

Bei der Entwicklung der Schneidanlage galt es zwei Anforderungen zu erfüllen: „Die Maschine sollte sich sowohl für das Beschneiden von IHU-Bauteilen als auch die 3D-Bearbeitung von Blechformteilen eignen“, nennt Pögel die Vorgaben. Das Ergebnis ist eine Fünf-Achs-CNC-Laseranlage mit einem Arbeitsbereich von 3500 mm × 800 mm × 1200 mm, die sich auch für das Schweißen, Löten und Härten einsetzen lässt. Die maximale Verfahrgeschwindigkeit der X-Achse beträgt 100 m/min, Y- und Z-Achse verfahren mit 80 m/min. Dank des kartesischen Achssystems kann die modular aufgebaute Maschine mit CO2-, Nd:YAG- oder Faserlaser betrieben werden. Der Arbeitskopf hat eine kapazitiven Abstandssensorik.

Integration der Laserzelle in komplette Formhärtelinien

Im Fokus der Anwendungen steht die Integration der Laserschneidanlagen in komplette Formhärtelinien in der Automobilindustrie und deren Zulieferer. „Somit kann Schuler schlüsselfertige Komplettlösungen anbieten und der Kunde hat nur einen Ansprechpartner“, streicht Pögel den entscheidenden Vorteil heraus. Die Automobilhersteller setzen zunehmend auf formgehärtete Karosseriebauteile, weil sie einerseits ein geringeres Gewicht und andererseits eine höhere Festigkeit als konventionelle Stahlsorten aufweisen. „Doch das Beschneiden solcher Teile, zum Beispiel mit Feinschneidpressen, ist problematisch, weil komplexe Werkzeuge erforderlich sind, deren Standzeit aber nur gering ist“, verdeutlicht der Entwicklungsleiter.

Beim Formhärten werden die Platinen auf eine Temperatur zwischen 900 und 950 °C erwärmt und dann während der Formgebung im Werkzeug kontrolliert auf 150 bis 200 °C abgekühlt. Dadurch kommt es zu einer Steigerung der Zugfestigkeit von rund 500 N/mm² auf 1500 bis 1600 N/mm². Diese formgehärteten Bleche lassen sich mit dem Laser verschleißfrei bearbeiten.

Die Lasertechnik gehört zu Schuler Automation, und etwa 10% der 330 Mitarbeiter am Standort Heßdorf sind in diesem Bereich beschäftigt. „Die Laseranlagen dienen vorrangig zur Ergänzung unserer Pressensysteme“, macht Unternehmenssprecher Tobias Apfel klar, dass es nicht das Ziel ist, die Lasertechnik außerhalb der eigenen Linien anzubieten. Aber nachdem die Aktivitäten in den vergangenen Jahren etwas eingeschlafen waren, ist der Bereich jetzt wieder sehr gut ausgelastet. „Der Umsatz mit Laserzellen in den vergangenen zwölf Monaten betrug rund 10 Mio. Euro und der aktuelle Auftragsbestand liegt bei 12 Mio. Euro“, so Apfel.

Großauftrag von VW über zehn Laserschneidanlagen

Deutliches Zeichen für diese Entwicklung ist ein Großauftrag für Schuler Automation von Volkswagen. Für den neuen Laserpark II setzt das VW-Werk Kassel auf die Mobilas-Laserschneidanlagen zur Bearbeitung von formgehärteten Karosserieteilen und hat zehn Systeme bestellt. In Kassel verarbeitet VW täglich rund 120 t Formhärtestahl für die Karosserien der Modelle Passat, Tiguan, Eos, C-Coupé, Scirocco sowie Audi A4 und A5. Die 3D-Bearbeitung mit dem Laser ermöglicht dabei auch bei komplizierten Blechformteilen wie Tunnelbrücken eine sehr genaue und effiziente Fertigung.

Ein weiterer Auftrag steht auch bereits fest: Bei BMW soll die Laserzelle zum Auftragschweißen und Härten eingesetzt werden. Dort wird allerdings kein CO2-, sondern ein Faserlaser in die Anlage integriert. Dieser Lasertyp bietet laut Dr. Pögel einige Vorteile: „Die Spiegel in der Strahlführung können entfallen, es sind keine adaptiven Optiken zur Kompensation der Strahlweglänge notwendig und die kürzere Wellenlänge im Vergleich zum Gaslaser sorgt für eine bessere Einkopplung in das Material.“

Für die Integration des Faserlasers in die Bearbeitungsmaschine habe man bei Schuler eine gute konstruktive Lösung parat und setze große Hoffnungen in diese Strahlquelle. „Aber letztendlich entscheidet der Kunde, welchen Laser er einsetzen möchte“, verweist der Entwicklungsleiter darauf, dass man herstellerunabhängig die Laseranlage mit der am besten geeigneten Strahlquelle ausrüsten kann.

Rüdiger Kroh | MM MaschinenMarkt
Weitere Informationen:
http://www.maschinenmarkt.vogel.de/themenkanaele/produktion/trenntechnik/articles/147031/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Maschinenbau:

nachricht Das Auto lernt vorauszudenken
28.06.2017 | Technische Universität Wien

nachricht Stresstest über den Wolken
21.06.2017 | Hochschule Osnabrück

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Maschinenbau >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Navigationssystem der Hirnzellen entschlüsselt

Das menschliche Gehirn besteht aus etwa hundert Milliarden Nervenzellen. Informationen zwischen ihnen werden über ein komplexes Netzwerk aus Nervenfasern übermittelt. Verdrahtet werden die meisten dieser Verbindungen vor der Geburt nach einem genetischen Bauplan, also ohne dass äußere Einflüsse eine Rolle spielen. Mehr darüber, wie das Navigationssystem funktioniert, das die Axone beim Wachstum leitet, haben jetzt Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) herausgefunden. Das berichten sie im Fachmagazin eLife.

Die Gesamtlänge des Nervenfasernetzes im Gehirn beträgt etwa 500.000 Kilometer, mehr als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Damit es beim Verdrahten der...

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Im Focus: Breitbandlichtquellen mit flüssigem Kern

Jenaer Forschern ist es gelungen breitbandiges Laserlicht im mittleren Infrarotbereich mit Hilfe von flüssigkeitsgefüllten optischen Fasern zu erzeugen. Mit den Fasern lieferten sie zudem experimentelle Beweise für eine neue Dynamik von Solitonen – zeitlich und spektral stabile Lichtwellen – die aufgrund der besonderen Eigenschaften des Flüssigkerns entsteht. Die Ergebnisse der Arbeiten publizierte das Jenaer Wissenschaftler-Team vom Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT), dem Fraunhofer-Insitut für Angewandte Optik und Feinmechanik, der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Helmholtz-Insituts im renommierten Fachblatt Nature Communications.

Aus einem ultraschnellen intensiven Laserpuls, den sie in die Faser einkoppeln, erzeugen die Wissenschaftler ein, für das menschliche Auge nicht sichtbares,...

Im Focus: Flexible proximity sensor creates smart surfaces

Fraunhofer IPA has developed a proximity sensor made from silicone and carbon nanotubes (CNT) which detects objects and determines their position. The materials and printing process used mean that the sensor is extremely flexible, economical and can be used for large surfaces. Industry and research partners can use and further develop this innovation straight away.

At first glance, the proximity sensor appears to be nothing special: a thin, elastic layer of silicone onto which black square surfaces are printed, but these...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. Uelzener Forum: Demografischer Wandel und Digitalisierung

26.07.2017 | Veranstaltungen

Clash of Realities 2017: Anmeldung jetzt möglich. Internationale Konferenz an der TH Köln

26.07.2017 | Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Robuste Computer für's Auto

26.07.2017 | Seminare Workshops

Läuft wie am Schnürchen!

26.07.2017 | Seminare Workshops

Leicht ist manchmal ganz schön schwer!

26.07.2017 | Seminare Workshops