Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Klima-Macher

27.12.2010
Auf den Gebieten Umweltsimulations- und Klimatechnik hat der Name Weiss weltweit einen exzellenten Klang. Mit innovativen Systemlösungen und strategischen Firmenübernahmen hat sich die Unternehmensgruppe im Laufe ihrer Firmengeschichte den Rang eines Technologieführers erobert. SCOPE-Redakteur Michael Stöcker rollt die Erfolgsstory der Weiss Group chronologisch auf.
Die Erstausgabe der Bild am Sonntag erscheint, Borussia Dortmund jubelt zum ersten Mal als Deutscher Meister und der Bayerische Rundfunk strahlt erstmals einen TV-Werbespot aus: Die junge BRD fiebert durchs Wirtschaftswunder. Mittendrin, im Jahr 1956, gründet ein findiger Ingenieur namens Karl Weiss in Gießen sein gleichnamiges Unternehmen. Es beschäftigt sich mit der Entwicklung und Herstellung elektrophysikalischer Messgeräte für den Forschungseinsatz und die aufblühende Industrie. Bereits wenige Jahre später (1964) verlegt das dynamisch wachsende Unternehmen seinen Standort in das benachbarte Örtchen Lindenstruth.

Die Mitarbeiterzahl steigt auf 120; die Gerätepalette wird kontinuierlich erweitert. Bald erstreckt sie sich von Prüfgeräten bis zur Umweltsimulationstechnik. 1978 wird die mittlerweile in Weiss Technik GmbH umbenannte Firma eine Tochter der Schunk-Gruppe – einem mittelständischen, aber weltweit tätigen Technologiekonzern. 1986 erfolgt die Neugliederung des Unternehmens in zwei Schwestergesellschaften: Die Weiss Klimatechnik GmbH, die Klimasysteme für Anlagen und Arbeitsplätze herstellt, und die Weiss Umwelttechnik GmbH, die Prüfschränke und -anlagen für Umweltsimulationen entwickelt. Diese Aufteilung hat bis heute Bestand.

Die 1990er-Jahre der dynamischen Firmengeschichte sind geprägt von strategischen Akquisitionen. So übernimmt man 1995 das Balinger Unternehmen Vötsch Industrietechnik und im Jahr darauf die französischen Firmen Secasi Technologies und Servathin. Zwei Jahre später kommt die britische Design Environmental Ltd zur Weiss Group. 2004 erfolgen die Gründung der Weiss-Vötsch Environmental Testing Instruments in Taicang (China) sowie die Übernahme der Umweltsimulationssparte der britischen Sanyo Gallenkamp P.L.C.. Im Jahr darauf entschließt sich die Firmenleitung zum Kauf der französischen Firmen Climats S.A. und Sapratin Technologies. Nach einer kurzen Atempause übernimmt man 2008 das US-Unternehmen Envirotronics. Heute besteht die Weiss Group als Business Unit Environmental Simulation der Schunk-Gruppe aus 16 Firmen.

Die Weiss Umwelttechnik GmbH gilt derzeit weltweit als einer der bedeutendsten Hersteller von Prüfgeräten und -anlagen für die Simulation von Umwelteinflüssen. Anlagen des Unternehmens werden in Forschung, Produktion und Qualitätssicherung rund um den Globus für die Verbesserung vieler Produkte eingesetzt. Mit ihrer Hilfe lassen sich Tests nach internationalen Industrienormen oder Kundenwünschen zielgerichtet und wiederholbar durchführen. Sie erzeugen nahezu jeden gewünschten Umwelteinfluss, um Werkstoffe, Oberflächen oder Produkte unter Stress zu setzen: Regen, Nebel, Eis, Schnee, Hoch- und Tieftemperaturen, Nässe, Luftdruck, Vibration, Licht, Staub, Salznebel und Schadgas – einzeln oder in Kombination. Je nach Branche und Anwendung stehen dabei verschiedene Aspekte auf dem Prüfstand: Funktion, Zuverlässigkeit, Umweltschutz, Materialbeständigkeit, Leistungsbestimmung, Verbrauch, Lebensdauer und Produktentwicklung.

Die Dimensionen der Weiss´schen Prüfeinrichtungen werden letztlich durch die Größe des Prüflings bestimmt. Während etwa ein käseglockengroßer Raum ausreicht für die Prüfung kleiner Satellitenkomponenten unter Weltraumbedingungen, kann die Größe einer Testkammer für Fahrzeuge oder Flugzeugkomponenten ein Volumen von mehreren hundert Kubikmetern erreichen.Fest etabliert ist das Unternehmen unter anderem im Automobilsektor. Denn für den Erfolg einer Fahrzeug-Entwicklung spielt heute die Erprobung des Einflusses der in verschiedenen Erdregionen herrschenden Klimaeinflüsse eine entscheidende Rolle. Weiss Umwelttechnik konzipiert zu diesem Zweck Höhenprüfkammern für die Luftdruck-Simulation bis zu einer Höhe von 4000 m. Durch die zusätzliche Kombination von Kälte und Klima sind fast alle denkbaren Prüfungen von Ort und Jahreszeit unabhängig und reproduzierbar durchführbar.

In Wolfsburg bei VW errichtete Weiss Umwelttechnik im Kälte- und Klimazentrum Halle 68 jüngst eine komplexe Höhensimulationskammer, mit der sich nahezu alle auf der Erde vorkommenden Klimaeinflüsse simulieren lassen. Hier kann die komplette VW-Modellpalette getestet werden. Teure Versuchsreihen in verschiedenen Erdteilen werden durch die Verlagerung ins „Labor“ weitgehend vermieden. Alle Wettereinflüsse, denen ein Fahrzeug ausgesetzt sein kann, werden in der Höhenkammer über die physikalischen Größen Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Druck (geodätische Höhe), Sonnenlicht und Fahrtwind gleichzeitig simuliert.

Berg- und Talfahrt

Zudem ist diese Höhenkammer mit einem Allrad-Rollenprüfstand und einer Sonnenlicht-Simulation ausgerüstet. Das ermöglicht die Darstellung von Berg- und Talfahrten bei Sonnenschein mit Bestrahlungsstärken bis 1.100 W/m2 zwischen Meereshöhe und 3000 m bei Geschwindigkeiten von bis zu 180 km/h.

Neben Prüfkammern für komplette Fahrzeuge realisiert das Unternehmen auch Motoren-Prüfkammern. So etwa die kürzlich im Forschungs- und Innovationszentrum von BMW in München errichteten Höhen-Klima-Prüfstände. Deren Ausrüstung umfasst zusätzlich sämtliche für die Wärmeabfuhr der Prüflinge nötigen Kühlkreisläufe, um die komplette Temperaturregelung der Motor-, Ladeluft- und Ölkühlung zu simulieren.Aber auch außerhalb der Automobilindustrie ist Weiss Umwelttechnik aktiv. Für die Qualitätssicherung medizinischer und pharmazeutischer Produkte bietet man unter anderem ein umfassendes Programm von Stabilitätstest-Schränken, Klimakammern und Sonderanlagen in jeder Größe, das auf den GMP-, FDA- und ICH-Richtlinien basiert.

Als neuste Innovation präsentierte das Unternehmen kürzlich den ersten Klimaprüfschrank mit integrierter Messrobotik. Damit lassen sich kleine und mittelgroße Produkte in einem Temperaturbereich von -40°C bis +85°C messen, prüfen und positionieren. Vor allem für Anwender in Automobil- und Zulieferindustrie, Medizintechnik, Informationstechnik und Haushaltsgeräteindustrie ist das ein echter Forschritt.

Weiss Umwelttechnik beschäftigt heute 1800 Mitarbeiter. Die Schunk-Gruppe, zu der die Weiss Group gehört, deckt ein Produkt- und Leistungsspektrum von der Kohlenstofftechnik und Keramik über Umweltsimulations- und Klimatechnik bis hin zur Sintermetalltechnik und Ultraschallschweißtechnik ab. Sie beschäftigt in mehr als 60 operativen Gesellschaften in 26 Ländern rund 8.000 Mitarbeiter. Für 2010 erwartet die Schunk-Gruppe einen konsolidierten Umsatz von rund 800 Millionen Euro.

Michael Stöcker | SCOPE
Weitere Informationen:
http://www.scope-online.de/Das-Portraet/Das-Portraet---Umweltsimulationstechnik.htm

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Maschinenbau:

nachricht rollFEED® Turning auf EMAG Maschinen: Tempomacher für die Drehbearbeitung
17.10.2017 | EMAG GmbH & Co. KG

nachricht Schuler-MSC2000-Dual-Servopresse am Fraunhofer IPT für Werkzeugtests und Entwicklungsprojekte
17.10.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Maschinenbau >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise