Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Klick für Klick zur Problemlösung: Software soll Störungen bei der Blechumformung rasch beseitigen

13.06.2012
Forschungsprojekt ESTER endet im Juli / Entwickelte Software noch im Praxistest
Seit gut zweieinhalb Jahren untersuchen drei Forschungsinstitute aus Hannover und Berlin, wie sich teure Maschinenausfälle bei der Blechumformung schnell beheben lassen. Entwickelt wurde eine Software, die die Mitarbeiter bei der Fehlerbehebung unterstützt und Stillstandzeiten minimiert. Zehn Industrieunternehmen testen das Programm bis Juli 2012 auf seine Praxistauglichkeit.

Ein Horrorszenario für jeden Produktionsleiter: Es knallt und plötzlich steht die Maschine still. Oder: Das Blech, das eigentlich gestanzt werden soll, kommt ohne Löcher aus der Anlage. Aufgrund der vielen Verarbeitungsschritte treten vor allem bei der Blechumformung oft Störungen wie diese auf. Dadurch sinkt die Effektivität der Produktionsanlagen. Bislang ist viel Erfahrung erforderlich, um den Grund für die Störung schnell zu finden und zu beseitigen. Mit einer neuen Software möchten das Institut für Integrierte Produktion Hannover (IPH), das Institut für Umformtechnik und Umformmaschinen (IFUM) der Leibniz Universität Hannover und die Gesellschaft zur Förderung angewandter Informatik e. V. (GFaI) die Fehlerbehebung beschleunigen.

Seit Februar 2010 untersuchen die Ingenieure und Informatiker der drei Forschungsinstitute, wie Unternehmen bei Problemen in der Produktion schnell gegensteuern können. Gemeinsam mit zehn Industriepartnern – blechverarbeitenden Unternehmen und Systemherstellern von Betriebsdatenerfassungssystemen – haben die Wissenschaftler eine Software entwickelt, dank der Anlagen zukünftig effektiver arbeiten sollen. Ob sich dadurch tatsächlich die Effektivität der Maschinen steigern lässt, testen die beteiligten Unternehmen derzeit an ihren eigenen Blechumformungsanlagen. Laut den Forschern sind die Ergebnisse vielversprechend. Torsten Jahn beispielsweise, Produktionsleiter bei dem Automobilzulieferer Westfalia Presstechnik, zeigt sich zufrieden: „Trotz anspruchsvoller Geometrie und vielen Fertigungsstufen konnten die Stillstandzeiten durch Hinweise aus der Software reduziert werden“.

Die Idee hinter der Software ist einfach: Das Programm basiert auf Erfahrungswissen, das in einer Datenbank hinterlegt wird. Dazu dekliniert ein Experte einmalig jeden denkbaren Fehler durch, der an der Anlage auftreten könnte. Für jeden Fall hinterlegt er Fragen, beispielsweise danach, ob die Störung an der Anlage, dem Werkzeug, dem Bauteil oder dem Vormaterial auftritt. Durch die Beantwortung der Fragen gelangt der Mitarbeiter Schritt für Schritt zur richtigen Lösung. Antwortet er zum Beispiel mit einem Klick auf das Bauteil, so kämen als Fehler unter anderem Reißer, Abdrücke oder Grat in Frage. Nach der Problemhebung gibt der Mitarbeiter der Software Rückmeldung, ob die vorgeschlagenen Maßnahmen hilfreich waren. Die am häufigsten genutzte Lösung wird in Zukunft vorrangig für diese Störung vorgeschlagen.

Das Forschungsprojekt „Steigerung der Anlageneffektivität in der Blechumformung durch rechnergestützte Erfahrungsrückgewinnung“ (ESTER) endet zum 31. Juli 2012. Doch die Forscher denken bereits weiter: Zukünftig könnten auch Betriebsdatenerfassungssysteme mit der Software gekoppelt werden. Betriebsdaten wie Stück- oder Ausschusszahlen könnten dann eine noch genauere Überwachung von Anlagen ermöglichen und bei Störungen individuellere Abhilfemaßnahmen vorschlagen.

Finanziert wird das Forschungsprojekt über das Programm zur Förderung der „Industriellen Gemeinschaftsforschung (IGF)“ sowie im Initiativprogramm „Zukunftstechnologien für kleine und mittlere Unternehmen (ZUTECH)“ vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie über die Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungseinrichtungen (AiF). Das Projekt wird zudem von der Europäischen Forschungsgesellschaft für Blechbearbeitung e. V. (EFB) unterstützt. Die entwickelte Software kann nach Projektende über die GFaI bezogen werden. Informationen zum Programm soll in Kürze ein Online-Tutorial liefern.

Meike Wiegand | idw
Weitere Informationen:
http://bit.ly/JcpgMg
http://www.iph-hannover.de/
http://www.gfai.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Maschinenbau:

nachricht Stresstest über den Wolken
21.06.2017 | Hochschule Osnabrück

nachricht 3D-Druck im Mittelstand etablieren
20.06.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Maschinenbau >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften