Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kettenfördersystem als Hängebahn

01.09.2008
Findige Anlagenbauer haben dem Kettenfördersystem Varioflow von Rexroth eine neue Dimension der Flexibilität verliehen. Auf Stahlstützen gestellt, besteht die neue Zuführung für Hinterachs-Abtriebswellen im BMW-Werk Dingolfing, mit Ausnahme der an den Werkstückträgern hängenden Bügel, komplett aus Standardkomponenten. Die individuelle Lösung erleichtert das Handling der Bauteile.

Das Kettenfördersystem Varioflow von Rexroth ist modular aufgebaut und bietet aus dem Baukasten applikationsspezifisch angepasste Transportlösungen. Mit einer großen Auswahl an Kurven und Bögen sind individuelle Streckenführungen, den örtlichen Gegebenheiten entsprechend, kein Problem.

Hohe Kettenzugkräfte erlauben lange Streckenführungen mit relativ wenigen Antrieben. Vorkonfektionierte Baugruppen erleichtern die Montage, nachträgliche Veränderungen sind gut realisierbar.

Mit Fördergeschwindigkeiten von 5 bis 66 m/min, in unterschiedlichen Systembreiten und vielen verschiedenen Kettenvarianten, lässt sich das System mühelos an das jeweilige Fördergut anpassen. Es ist in rauen Produktionsbedingungen mit Öl, Schmutz und Spänen einsetzbar und sichert dem Anwender eine hohe Verfügbarkeit durch Funktionssicherheit mit geringem Wartungsaufwand.

Überzeugt von diesen Eigenschaften haben auch die Anlagenbauer der Platzgummer Maschinenbau GmbH, mit Unterstützung des Rexroth-Systemintegrators ABE GmbH & Co. KG in Kirchheim/Teck, das Kettenfördersystem in die Optimierung der Montagebänder für die Radträgermontage im BMW-Werk Dingolfing eingebunden. Dort wurden bislang die Abtriebswellen per Gabelstapler in so genannten Sequenz-Behältern an zwei inhaltlich identischen Montagebändern bereitgestellt, um Radträger inklusive Bremsscheiben zu montieren. Dazu mussten die Bauteile jeweils manuell in die Montagevorrichtung gehoben werden.

Roboter übernehmen Montage von Bremsscheiben

Das Gewicht einer Antriebswelle beträgt durchschnittlich 6 kg. Mit Fokus auf einer ergonomischeren und gleichzeitig wirtschaftlicheren Arbeitsplatzgestaltung wurde eine Bandverkürzung durch Montage der Bremsscheiben mittels Roboter erreicht und eine montagegerechte Zuführung der Abtriebswellen realisiert. Montagegerecht bedeutet an dieser Stelle, dass die Wellen nicht mehr in die Hand genommen werden müssen.

Gleichzeitig konnte aufgrund einer räumlichen Änderung das Zwischenlager in das Umfeld der Montageanlagen verlegt werden. Das spart den Staplertransport der Sequenz-Behälter und ermöglicht eine direkte Zuführung mit einem Fördersystem.

Insgesamt sind bis zu 28 Varianten, in rechter und linker Ausführung, in dieser Produktionslinie für Fahrwerkskomponenten nötig. Deren Montage erfolgt sequenziell im Takt und Variantenmix der Fahrzeugherstellung, mit nur wenigen Stunden Vorlauf.

Fördersystem muss hohe Gewichte tragen und sperrige Teile sicher aufnehmen

Das setzt ein zuverlässig arbeitendes Fördersystem voraus. Es muss die Belastung aufgrund der hohen Werkstückgewichte tragen sowie gleichzeitig mit geringem Aufwand die relativ sperrigen Teile sicher aufnehmen, so dass sie montagegerecht ankommen.

Die Lösung dafür fanden die Anlagenbauer im hängenden Transport. Sie haben einen Bügel entwickelt, der mit seinem oberen Ende auf dem Werkstückträger aufliegt, bogenförmig um das Transportband herum führt und im Schwerpunkt unter dem Werkstückträger die Möglichkeit bietet, eine Abtriebswelle einzustellen.

Dazu hoben sie die Förderstrecken auf eine Höhe von bis zu 2 m an. So entstanden zwei Förderstrecken mit unterschiedlichen Streckenverläufen und Längen. Während zur einen Montagestation eine Entfernung von rund 13 m überbrückt wird, ist die zweite Strecke etwa 30 m lang.

Fördersystem erreicht Kettenzugkräfte bis 1250 N

Band eins ist mit 20 und Band zwei mit 48 Werkstückträgern ausgestattet. Jeweils 15 kg maximales Gesamtgewicht sorgen für eine insgesamt hohe Belastung des Kettenfördersystems. Aufgrund der außergewöhnlich stabilen Kette, mit der das Fördersystem Kettenzugkräfte von bis zu 1250 N erreicht, genügen dennoch vergleichsweise wenige Antriebseinheiten.

Zusammen mit einer intelligenten Stopper-Steuerung mit 10 beziehungsweise 20 Stoppern genügen im Band eins lediglich vier und im Band zwei sechs Antriebe. Von wesentlicher Bedeutung ist in diesem Zusammenhang ein von Rexroth entwickelter Hightech-Gleitwerkstoff als Gleitsohle der auf Reibung stehenden Werkstückträger.

Die Werkstückaufhängung ist eine neue Dimension für den Werkstücktransport mit Kettenfördersystemen. Sie erweitert die Einsatzmöglichkeiten vor allem mit schweren oder sperrigen Teilen. Der wesentliche Vorteil im Vergleich zu Sonderlösungen oder den relativ aufwändigen Hängebahnen ist die Standardisierung der Komponenten. Sie erlauben individuelle Lösungen aus dem Baukasten. Anlagenbetreiber haben die Sicherheit, Verkettungen flexibel anpassen zu können.

Günther Zettl gehört zum Global Account Management Automotive Team der Bosch Rexroth AG, 80637 München

Günther Zettl | MM MaschinenMarkt
Weitere Informationen:
http://www.maschinenmarkt.vogel.de/index.cfm?pid=1574&pk=142565

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Maschinenbau:

nachricht Stresstest über den Wolken
21.06.2017 | Hochschule Osnabrück

nachricht 3D-Druck im Mittelstand etablieren
20.06.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Maschinenbau >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften