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Karton mit Köpfchen

19.08.2008
Eine Pharmaverpackung ist heute weit mehr als nur ein einfacher Blister oder ein langweiliger Karton. Entsprechend ausgestattet schützt sie das Medikament, dient als Dosierhilfe oder erleichtert die Anwendung. Welche Aufgabe die Verpackung auch übernimmt, neue Entwicklungen tragen dazu bei, dass die Medikamenteneinnahme noch sicherer wird.

Wer hat nicht schon einmal vergessen, eine Tablette pünktlich zu nehmen? Wenn nicht Familienmitglieder oder Pflegepersonal die Patienten daran erinnern würden, wäre die Fehlmedikation wohl weitaus höher. Daher arbeitet die Pharmaindustrie mit Hochdruck an neuen Systemen, die die Medikamenteneinnahme noch sicherer machen.

Stora Enso stellte beispielsweise jüngst eine intelligente Verpackung für Medikamente vor, die aus einem neuen Karton mit integriertem Mikrochip besteht. Dieser enthält relevante Informationen, wie etwa Datum, Uhrzeit und welche Medikamente der Packung entnommen wurden.

Mithilfe eines eingebetteten Antwortschalters kann der Patient zudem aufzeichnen, wie er auf die Medikamente reagiert. Optional kann ein akustisches Signal hinzugefügt werden, das den Patienten an die Einnahme der Medikamente erinnert.

System auf RFID-Basis mit neuen Handys kompatibel

„Stora Enso ist weltweit das erste Unternehmen, das die neue Einzelchip-Lösung von Cypak in pharmazeutischen Verpackungen verwendet“, erläutert Ismo Saarinen, Direktor Stora Enso Pharmaceutical Solutions in Finnland. Das System entstand in Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Chiphersteller Cypak. Es basiert auf der RFID-Technologie und ist mit neuen Handytechnologien kompatibel.

Ganz entscheidend für den Anwendungserfolg ist die frühe Zusammenarbeit zwischen Arzneimittelhersteller und Verpackungsspezialist. Faller entwickelte zum Beispiel mit dem Arzneimittelhersteller Nycomed eine Konstruktion, die die Anforderungen des Marketing in der technischen Weiterverarbeitung auch in hohen Auflagen umsetzt.

Das Ergebnis mit dem Namen Pocket-Pack besteht aus einer Umverpackung und bis zu zwölf Wallets (Taschen). Jedes Wallet enthält einen Blister mit fünf oder sieben Tabletten des Medikaments. Transport- und anwendungssicher werden die Wallets zum täglichen Begleiter; wichtig, weil die Arzneimittel vor dem Frühstück eingenommen werden müssen.

Enge Zusammenarbeit für intelligente Verpackung

„Mit Pocket-Pack haben wir bewiesen, dass in der engen Zusammenarbeit zwischen Pharmaunternehmen, Designagentur, Verpackungs- und Verpackungsmaschinenhersteller eine therapiesichere Verpackungsidee ohne große Abstriche in einen reibungslosen Produktionsprozess überführt werden kann“, erklärt Jürgen Nowak, Produktmanager bei Faller. „Nur im Zusammenwirken dieser Disziplinen konnte die genau auf den Patientennutzen abgestimmte Lösung entstehen.“

So liefert Faller die Wallets bei der Pharmaproduktion an, wo sie mit den Blistern bestückt, verklebt und in entsprechender Anzahl in die mitgelieferte Umverpackung (ebenfalls von Faller) konfektioniert werden.

Ein anderes Beispiel einer erfolgreichen Zusammenarbeit ist die Entwicklung einer Verpackung für Patienten mit motorischen Einschränkungen. 10 Mrd. Euro Folgekosten entstehen nach Expertenschätzungen allein in Deutschland aufgrund von Fehlern bei der Medikamenteneinnahme. Grund sind oft schlecht zu handhabende Pharmaverpackungen.

Sicherheit bei Handhabung und Wirksamkeit des Inhalts

Daher entwickelte Faller mit Schwarz Pharma (Monheim) für das Parkinson-Medikament Neupro eine Verpackung, die Convenience und Anwendungssicherheit für Patienten mit motorischen Einschränkungen bietet. Die Pharmaverpackung zeichnet sich neben ihrer funktionalen Haptik vor allem durch ihre sehr einfache Handhabung aus: Nach der Erstöffnung der Perforation ist die Deckelklappe über eine speziell gerillte Lasche sicher und einfach wieder zu verschließen. Die breite Packungsöffnung erleichtert dem Patienten zudem den Zugriff auf den Inhalt.

Sicherheit für den Patienten bedeutet aber auch, dass er sich auf den Inhalt und die Wirksamkeit des Wirkstoffes verlassen kann. Nach Angaben des internationalen Verbandes der Arzneimittelhersteller (IFPMA) sind weltweit rund 7% der Arzneimittel gefälscht. Das entspricht einem Volumen von mehr als 20 Mrd. Dollar. Dies sind nicht nur gewaltige Umsatzeinbußen, sondern ist für viele Menschen, besonders in den Entwicklungsländern, lebensgefährlich.

Generell muss das Arzneimittel selbst abgesichert werden und dabei spielt Verpackung eine zentrale Rolle. So sind heute die technischen Möglichkeiten auf Verpackungen vielfältig und stammen unter anderem aus der Erfahrung, die beim Banknotendruck gesammelt wurden. Hierzu zählen Hologramme, Spezialdruck, Spezialtinte, Spezialfolien und DNA-Merkmale. Weiter gehören dazu der Originalitätsverschluss und abgestufte Sicherheitsmerkmale, die zum einen der Öffentlichkeit bekannt sind, und die zum anderen nur der Hersteller wissen kann.

Dokumentierte Originalität nimmt an Bedeutung zu

„Gerade bei pharmazeutischen Verpackungen gewinnen Originalitätsverschlüsse immer mehr an Bedeutung. Da die Verpackung beim Öffnen sichtbar zerstört wird, kann diese nach Gebrauch nicht nochmals verwendet werden“, nennt Jürgen Munzel, Spartenleiter Pharma bei der Edelmann-Gruppe, einen Weg. „Das erschwert Umpackaktionen und Manipulationen.“

Daher hat die Edelmann-Gruppe einen neuen Originalitätsverschluss entwickelt, der ohne Verklebung auskommt. „Da das gleichzeitige Verschließen der Verpackung und das Aufbringen eines Hotmeld oft schwierig ist, verfügt diese Lösung über erhebliche Vorteile beim Konfektionieren“, so Munzel.

Die Technik ist von Edelmann zum Patent angemeldet und hat erste Tests mit 300 Takten an einem Standard-Kartonierer bestanden. Auch bei diesem Aspekt der Pharmaverpackung ist die enge Zusammenarbeit zwischen Produzent und Packmittelhersteller unerlässlich. Nur so kann man den Fälschern dauerhaft das Leben schwer machen.

Dezente Veredelungseffekte sind Highlights im Design

Abschließend ist zu beobachten, dass trotz aller Funktionalität auch bei Medikamenten zunehmend das Äußere zählt. Was bei OTC-Produkten (Over-the-counter — Medikamente, die direkt an den Endverbraucher abgegeben werden) schon längst der Fall ist, gilt immer häufiger auch für andere Pharmazeutika: Markenbildung ist ein wichtiges Moment zur Kundenbindung und Packaging ein zentraler Bestandteil im Marketing-Mix.

Daher müssen die Patienten auch über die äußere Verpackung angesprochen werden. Dezente Veredelungseffekte setzen Highlights im nach wie vor seriös wirkenden Verpackungsdesign von Pharmaverpackungen. Dabei gehören Metallic- und vor allem Silbereffekte zu den wichtigsten Trends.

Mit einem optimierten Inline-Prozess hat die RLC Packaging Group zum Beispiel ein neues Veredelungsdesign bei einem Betablockerpräparat eingeführt. Beim Betablocker Metohexal betonen Silberfolie und Schneidreliefprägung die Produktmarke. Bei der RLC Packaging Group kam dazu ein spezielles Stanzwerkzeug zum Einsatz.

Verdelte Faltschachteln für Betablocker

Ergebnis: Die Prägung hat scharf umrissene, prägnante Kanten statt der üblichen Rundungen. Durch einen gesonderten Kontrollgang wird beim Kleben inline sichergestellt, dass die Silberfolie korrekt aufgetragen wurde. Von den veredelten Faltschachteln sollen jährlich 10 Mio. hergestellt werden.

Damit ist der Beweis erbracht, dass sich selbst eine simple Standardfaltschachtel vom Durchschnitt abheben kann. Für die Tüftler von Pharmaverpackungen sind dies glänzende Aussichten. So gibt es wieder einmal einen Aspekt mehr, der die Phantasie der Verpackungsspezialisten anregt.

Sabine Mühlenkamp | MM MaschinenMarkt
Weitere Informationen:
http://www.maschinenmarkt.vogel.de/themenkanaele/mmlogistik/verpackungstechnik/verpackungsmaterialien/articles/140769/

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