Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Auf die Kante kommt es bei Blechen besonders an

30.11.2009
3450 t Stahl, 1950 t Edelstahl und 700 t Aluminium verarbeitet der Big Player in der Blechverarbeitung, die KWM Weisshaar GmbH im badischen Mosbach, jährlich. Fast alle Blechzuschnitte, vorwiegend mit dem Laser erzeugt, müssen für die Nachbearbeitung an Oberflächen und Kanten entsprechend vorbereitet werden. Insbesondere spielt die Kantenbearbeitung eine wesentliche Rolle.

Mit fast 500 Mitarbeitern zählt die KWM Weisshaar GmbH zu den großen Blechverarbeitern. Es gibt kaum einen Lebensbereich, wo nicht irgendwo ein Weisshaar-Blechteil zu finden wäre. Vor nunmehr 30 Jahren gegründet, hat man sich insbesondere als Zulieferer für die Automobil- und Druckindustrie sowie als Lohnfertiger aufgestellt.

Gesamte Prozesskette der Blechverarbeitung im Unternehmen

Schon wenige Jahre nach der Firmengründung 1979 durch den Seniorchef Karl Weiss-haar konnte das Unternehmen die gesamte Prozesskette Blech abdecken und sammelte Erfahrungen in den Bereichen Rohrschneiden, Laserschweißen und Laserschneiden. Der Blick in die Fertigungshallen in Mosbach, denen die verschiedenen Zeitabschnitte der Weisshaar-Entwicklung anzusehen sind, zeigt einen hervorragend ausgestatteten Maschinenpark.

Groß geworden ist Weisshaar vor allem Mitte der 80er Jahre, quasi mit dem Siegeszug der Computerindustrie. Damals gab es für das badische Unternehmen riesige Gehäuse-Aufträge. „Da mussten wir einfach mitwachsen“, sagt Holger Guddat, Assistent der Geschäftsleitung.

„Doch dafür machen wir heute nichts mehr“, sagt der junge und offensichtlich hochmotivierte Ingenieur. „Unser Firmengründer hat sich rechtzeitig nach anderen Standbeinen umgesehen. In den 90er Jahren kamen dann die ersten dicken Aufträge von der Bahnindustrie und dem Schienenfahrzeugbau, die heute unseren Schwerpunkt bilden“, ergänzt Guddat. Aber auch andere Industriezweige wie die Druckindustrie, der Apparatebau und die Elektroindustrie gehören zum umfangreichen Kundenkreis.

Laserschneiden dominiert im Blechzuschnitt

Viele der Blechteile, die bei Weisshaar gefertigt werden, durchlaufen zuerst den Zuschnittsbereich, wobei neben dem Stanzen vor allem das Laserschneiden dominiert. Und wo geschnitten wird, da entstehen auch meist irgendwelche Kanten- oder Oberflächenprobleme.

Diese versucht man bei Weisshaar innerhalb der Entgraterei zu lösen. Dafür werden vor allem Schleifmaschinen verschiedener Fabrikate eingesetzt.

„Die neueste Schleiftechnik, die wir im Hause haben, haben wir bei der Paul Ernst Maschinenfabrik in Eschelbronn eingekauft“, sagt Guddat. „Als für uns diese Investition relevant war, haben wir uns umgeschaut, mit welcher Technik wir unsere Teile am besten entgraten können. Da sind wir einfach zu Ernst gegangen und haben unsere Wünsche offengelegt“, verrät Guddat.

Schleifmaschinen von Paul Ernst für das Entgraten

Für die Weisshaar-Entgratspezialisten gab es aber noch einen Grund: die räumliche Nähe – denn Eschelbronn liegt gerade mal so ungefähr 40 km von Mosbach entfernt. Die Tests, die dann im Ernst-Technikum durchgeführt wurden, waren so ordentlich, dass man sich bei Weisshaar für eine Ernst-Schleifmaschine des Typs EM 5N II + 2 entschieden hat, die mittlerweile die dritte Generation der Nassschlifftechnik darstellt.

„Wir wollten halt eine Maschine, mit der wir die Nassbearbeitung voll in den Griff bekommen, weil wir ja auch viel Aluminium bearbeiten müssen. Dafür eignet sich die Nassschlifftechnik halt am besten“, erklärt Guddat. Die Ernst-Lösung hat denn auch überzeugt.

Ergänzend wirft Markus Lindörfer, geschäftsführender Gesellschafter der Paul Ernst Maschinenfabrik GmbH in Eschelbronn und langjähriger Schleif- und Entgratexperte, ein: „Es gibt ja verschiedene Verfahren zum Entgraten. Andere Nassanbieter arbeiten alle mit Schleifaggregaten und nicht mit Entgrataggregaten. Ein Schleifaggregat kann sicherlich auch einen Grat zerspanen, das aber erfordert ein absolut maßhaltiges Werkstück und es darf auch nicht verzogen sein. Wir bei Ernst beherrschen sowohl die Schleif- wie auch die Entgrattechnik.“

Schleifen und Entgraten erfordern unterschiedlische Maßtoleranzen

Darauf legt Lindörfer offensichtlich besonderen Wert. Schleifen und Entgraten sind demnach völlig unterschiedliche Bearbeitungsverfahren. „Das erklärt, warum wir technologieführend sind“, sagt Lindörfer. „Mit dem klassischen Schleifaggregat, das es auch bei uns gibt und mit dem die Blechoberflächen geschliffen werden, kann man natürlich auch den Grat entfernen. Hat aber das Werkstück 0,2 mm Übermaß, dann fangen dort die Einstellungsarbeiten an“, meint der Entgratfachmann. Die Anlage EM 5N II + 2 aber kompensiert solche Toleranzen ohne Einstellungsarbeiten.

Für den Kunden ist das ganz wichtig, weil er einerseits immer Toleranzen hat und andererseits aber auch Verzug. Denn beim Laserschneiden wird Thermik in das Bauteil eingebracht und damit Spannungen gelöst, die letztendlich das Blechteil verziehen können. „Entscheidend“, so sagt Lindörfer, „ist die weiche Gummierung der Entgratwalze.“

Durch die Verwendung eines extrem weichen Entgrataggregates und nicht eines Schleifaggregates dehnt sich das Ernst-Aggregat über die Werkzeugkante aus und arbeitet an dieser Stelle mit einem höheren Zerspanungsdruck. Das heißt beispielsweise bei einem warmgewalzten Blech, wo die Porenstruktur sichtbar ist, bleibt sie beim Entgraten erhalten, weil bei der Ernst-Weisshaar-Anlage ausschließlich im Kantenbereich geschliffen wird. Dabei werden keine Spannungen freigesetzt.

Schleifmaschine kann auch entgraten und verrunden

Die bei Weisshaar arbeitende Schleifmaschine EM 5N II + 2 zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass sie alle gewünschten Aufgaben abdecken kann und damit so flexibel ist, dass auch einzelne Bearbeitungsschritte wie entgraten, verrunden, Oxid entfernen, waschen und trocknen realisiert werden können. Das heißt jedes Aggregat kann einzeln zu- oder weggeschaltet werden.

Auch Kleinstteile bis zur Kreditkartengröße können bearbeitet werden. Allerdings wird dazu ein Magnet- oder Vakuumband benötigt.

Damit ein reibungsloser Betrieb möglich ist, gibt es auch diverse Reinigungszyklen, die dafür sorgen, dass der beim Nassschliff zwangsweise entstehende Staub abgeführt wird. Durch die automatische Reinigung der Düsenrohre hat der Anwender ganz wenig Pflegebedarf. Wechseln die zu entgratenden Blechteile beispielsweise von Stahl auf Edelstahl, dann können auch die Schleifmittel entsprechend getauscht werden.

Schleifmaschine deckt alle Anforderungen der Nachbearbeitung ab

Für Holger Guddat ist die Ernst-Schleifmaschine genau richtig für die Anforderungen, die bei Weisshaar tagtäglich anfallen. Weil Anlagentechnik, Service und vor allem die Nähe zum Schleifmaschinenlieferanten optimal sind, wird in Mosbach schon über eine Investition in eine weitere Ernst-Maschine nachgedacht – welche es dann sein wird, ist noch nicht entschieden. Denn Ernst geht jetzt mit neuen Anlagen die Namen wie Pluto und Titan tragen auf den Markt.

Dietmar Kuhn | MM MaschinenMarkt
Weitere Informationen:
http://www.maschinenmarkt.vogel.de/themenkanaele/produktion/oberflaechentechnik/articles/240878/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Maschinenbau:

nachricht Ein MRT für Forscher im Maschinenbau
23.11.2017 | Universität Rostock

nachricht Mehr Sicherheit beim Fliegen dank neuer Ultraschall-Prüfsysteme
20.11.2017 | Fraunhofer-Institut für Keramische Technologien und Systeme IKTS

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Maschinenbau >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Proton-Rekord: Magnetisches Moment mit höchster Genauigkeit gemessen

Hochpräzise Messung des g-Faktors elf Mal genauer als bisher – Ergebnisse zeigen große Übereinstimmung zwischen Protonen und Antiprotonen

Das magnetische Moment eines einzelnen Protons ist unvorstellbar klein, aber es kann dennoch gemessen werden. Vor über zehn Jahren wurde für diese Messung der...

Im Focus: New proton record: Researchers measure magnetic moment with greatest possible precision

High-precision measurement of the g-factor eleven times more precise than before / Results indicate a strong similarity between protons and antiprotons

The magnetic moment of an individual proton is inconceivably small, but can still be quantified. The basis for undertaking this measurement was laid over ten...

Im Focus: Reibungswärme treibt hydrothermale Aktivität auf Enceladus an

Computersimulation zeigt, wie der Eismond Wasser in einem porösen Gesteinskern aufheizt

Wärme aus der Reibung von Gestein, ausgelöst durch starke Gezeitenkräfte, könnte der „Motor“ für die hydrothermale Aktivität auf dem Saturnmond Enceladus sein....

Im Focus: Frictional Heat Powers Hydrothermal Activity on Enceladus

Computer simulation shows how the icy moon heats water in a porous rock core

Heat from the friction of rocks caused by tidal forces could be the “engine” for the hydrothermal activity on Saturn's moon Enceladus. This presupposes that...

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kinderanästhesie aktuell: Symposium für Ärzte und Pflegekräfte

23.11.2017 | Veranstaltungen

IfBB bei 12th European Bioplastics Conference mit dabei: neue Marktzahlen, neue Forschungsthemen

22.11.2017 | Veranstaltungen

Zahnimplantate: Forschungsergebnisse und ihre Konsequenzen – 31. Kongress der DGI

22.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher verwandeln Diamant in Graphit

24.11.2017 | Physik Astronomie

Dinner in the Dark – ein delikates Wechselspiel der Mikroorganismen

24.11.2017 | Biowissenschaften Chemie

Proton-Rekord: Magnetisches Moment mit höchster Genauigkeit gemessen

24.11.2017 | Physik Astronomie