Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fraunhofer-Innovationscluster »Adaptronische Systeme« startet in Darmstadt

27.10.2008
Adaptronik gilt als Schlüsseltechnologie für das 21. Jahrhundert. Adaptronische Bauteile kontrollieren die Eigenschaften von Strukturen.

Sie sorgen unter anderem für weniger Lärm und reduzieren Vibrationen in technischen Systemen. Im Fraunhofer-Innovationscluster »Adaptronische Systeme« setzen Fraunhofer-Forscher mit Partnern aus der Wirtschaft, Verbänden und Hochschulen sowie Politik wissenschaftliche Erkenntnisse in marktgerechte mechatronische und adaptronische Produkte um.

Schwere Schiffsmotoren sind kraftvoll, aber auch sehr laut. Wer mit einem Motorboot unterwegs war, weiß, dass das Dröhnen der Schiffsmotoren noch lange ein dumpfes Gefühl im Kopf hinterlässt. Forscher vom Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF haben zusammen mit einer Schiffswerft eine Methode entwickelt, die dem Dröhnen direkt am Fuße des Motors entgegenwirkt. Eine neue Motorlagerung soll Schiffsmotoren künftig die lärmenden Schwingungen austreiben. In diesen aktiven Lagern befinden sich Piezokeramiken, die, unter dem Motor montiert, die störenden Motorschwingungen durch Gegenschwingungen kompensieren – die störenden Motorvibrationen können sich nicht weiter ausbreiten.

Die Schlüsseltechnologie Adaptronik kann in vielen Bereichen eingesetzt werden. Das Beispiel Schiffsmotor zeigt stellvertretend für den Maschinen- und Anlagenbau, welches hohe Potenzial aktive Strukturen in der industriellen Anwendung haben können. Im Innovations-cluster konzentrieren sich die Forscher auf die Entwicklung, Umsetzung und Erprobung neuer aktiver Strukturkonzepte, die eine Verbesserung von Produkteigenschaften und deren Leistungsfähigkeit erlauben. »Die Adaptronik bietet ein hohes technologisches Potenzial, Strukturen zu optimieren. Dieses gilt es nachhaltig zu erschließen. Entscheidend ist dabei für uns, dem Markt gute, kommerziell erfolgreiche Lösungen bereitzustellen und auch den qualifizierten Nachwuchs zu entwickeln – Kooperation ist hier essentiell«, sagt Dr. Tobias Melz, Leiter des Kompetenzcenters Mechatronik/Adaptronik am LBF.

Das Innovationscluster Adaptronische Systeme versteht sich als kompetente Integrations- und Aktionsplattform, die den notwendigen und heute noch unzureichend wirksamen Transfer zwischen anwendungs- und grundlagenorientierten Forschungsaktivitäten unterstützt und gleichzeitig einen gezielten Informationstransfer in der Region Rhein-Main, den Aufbau neuer Geschäftskontakte und die Einleitung von Produktinnovation sowie den Zugang zu den Märkten im globalen Wettbewerb bietet. »Die Themenschwerpunkte sind neben der aktiven Schwingungs- und Lärmkontrolle form- und steifigkeitskontrollierende sowie lastumleitende aktive Systeme, zum Beispiel für die Crashsicherheit. Weiter arbeiten wir an intelligenten Überwachungssystemen mit vernetzten und bauteilintegrierten Sensoren auf Basis von Funktionsmaterialien«, sagt Dr. Roland Platz, der das Cluster wissenschaftlich leitet.

»Im Innovationscluster ´Adaptronische Systeme´ mit Heimat in Darmstadt werden neue adaptronische Strukturkonzepte für die Produktoptimierung in den Bereichen Schwingungsisolation, Lärmreduktion, Formkontrolle bis hin zur Leichtbau- und Zuverlässigkeitsoptimierung in technischen Systemen entwickelt. Partner aus der regionalen Industrie, aus Verbänden und der Forschung arbeiten mit Ausrichtung auf die Branchen Automotive, Maschinen- und Anlagenbau sowie Automation zusammen. Das Cluster beschleunigt somit den Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in marktgerechte mechatronische und adaptronische Produkte«, erklärt Prof. Holger Hanselka, der Leiter des LBF. »Damit sich Zukunftstechnologien aus Deutschland weltweit stärker als Problemlöser etablieren können, müssen Wissenschaft, Wirtschaft und Politik an einem Strang ziehen«, sagt Prof. Hans-Jörg Bullinger, Präsident der Fraunhofer Gesellschaft. »Es geht darum, nicht nur Märkten zu folgen, sondern auch selbst Zukunftsmärkte wie die Adaptronik zu gestalten.« Das Cluster wird über drei Jahre zu je einem Drittel von der Fraunhofer-Gesellschaft, dem Land Hessen sowie von der Industrie finanziert.

Das LBF unterhält bundesweit die größte Forschungs- und Entwicklungseinheit auf dem Gebiet der Schlüsseltechnologie Adaptronik. Im Rhein-Main Gebiet entstand in den vergangenen Jahren die Grundlage für das neue Cluster. Erst im Juni wurde mit dem LOEWE-Zentrum AdRIA (Adaptronik – Research, Innovation, Application) ein in Europa einmaliges Forschungszentrum für Adaptronik ins Leben gerufen, das am LBF die Kompetenz von der Forschung und Entwicklung bis hin zur Kleinserie bündelt.

Die Fraunhofer-Gesellschaft als größter europäischer Anbieter von Dienstleistungen in Forschung und Entwicklung unterstützt diese Vernetzung und hat bereits vierzehn Innovationscluster in Deutschland gegründet. Ausgangspunkt für die Förderung der regionalen Zusammenarbeit ist der »Pakt für Forschung und Innovation«, den Bund und Länder gemeinsam mit den großen Forschungsorganisationen 2005 geschlossen haben.

Die Partner:
Fraunhofer LBF, TU Darmstadt, Deutsches Kunststoff-Institut, Adam Opel GmbH, Hyundai GmbH, Freudenberg New Technologies KG, Vibracoustic GmbH & Co KG, Schenk RoTec GmbH, Faurecia Innenraumsysteme GmbH, BASF AG, Stress & Strength, ISYS Adaptive Solutions GmbH, Heidelberger Druckmaschinen AG, ABB Corporate Research, Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst, Hessen Agentur GmbH, Materialforschungsverbund Rhein Main der TU Darmstadt, Materials Valley Rhein Main e.V., IHK Darmstadt, Stadt Darmstadt – Wirtschaft und Stadtentwicklung.

Dr.-Ing. Roland Platz | Fraunhofer Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.lbf.fraunhofer.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Maschinenbau:

nachricht Das Auto lernt vorauszudenken
28.06.2017 | Technische Universität Wien

nachricht Stresstest über den Wolken
21.06.2017 | Hochschule Osnabrück

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Maschinenbau >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Navigationssystem der Hirnzellen entschlüsselt

Das menschliche Gehirn besteht aus etwa hundert Milliarden Nervenzellen. Informationen zwischen ihnen werden über ein komplexes Netzwerk aus Nervenfasern übermittelt. Verdrahtet werden die meisten dieser Verbindungen vor der Geburt nach einem genetischen Bauplan, also ohne dass äußere Einflüsse eine Rolle spielen. Mehr darüber, wie das Navigationssystem funktioniert, das die Axone beim Wachstum leitet, haben jetzt Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) herausgefunden. Das berichten sie im Fachmagazin eLife.

Die Gesamtlänge des Nervenfasernetzes im Gehirn beträgt etwa 500.000 Kilometer, mehr als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Damit es beim Verdrahten der...

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Im Focus: Breitbandlichtquellen mit flüssigem Kern

Jenaer Forschern ist es gelungen breitbandiges Laserlicht im mittleren Infrarotbereich mit Hilfe von flüssigkeitsgefüllten optischen Fasern zu erzeugen. Mit den Fasern lieferten sie zudem experimentelle Beweise für eine neue Dynamik von Solitonen – zeitlich und spektral stabile Lichtwellen – die aufgrund der besonderen Eigenschaften des Flüssigkerns entsteht. Die Ergebnisse der Arbeiten publizierte das Jenaer Wissenschaftler-Team vom Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT), dem Fraunhofer-Insitut für Angewandte Optik und Feinmechanik, der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Helmholtz-Insituts im renommierten Fachblatt Nature Communications.

Aus einem ultraschnellen intensiven Laserpuls, den sie in die Faser einkoppeln, erzeugen die Wissenschaftler ein, für das menschliche Auge nicht sichtbares,...

Im Focus: Flexible proximity sensor creates smart surfaces

Fraunhofer IPA has developed a proximity sensor made from silicone and carbon nanotubes (CNT) which detects objects and determines their position. The materials and printing process used mean that the sensor is extremely flexible, economical and can be used for large surfaces. Industry and research partners can use and further develop this innovation straight away.

At first glance, the proximity sensor appears to be nothing special: a thin, elastic layer of silicone onto which black square surfaces are printed, but these...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. Uelzener Forum: Demografischer Wandel und Digitalisierung

26.07.2017 | Veranstaltungen

Clash of Realities 2017: Anmeldung jetzt möglich. Internationale Konferenz an der TH Köln

26.07.2017 | Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Robuste Computer für's Auto

26.07.2017 | Seminare Workshops

Läuft wie am Schnürchen!

26.07.2017 | Seminare Workshops

Leicht ist manchmal ganz schön schwer!

26.07.2017 | Seminare Workshops