Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

FH und Sinn Spezialuhren präsentieren ersten Fliegeruhren-Standard

02.08.2012
FH Aachen entwickelt gemeinsam mit der Sinn Spezialuhren GmbH einen technischen Standard für Fliegeruhren. Damit werden Uhren zertifiziert, die den enormen Belastungen im Flug standhalten und die die funktionalen Anforderungen von Piloten erfüllen.

Wie lange brauche ich noch bis zum Ziel? Wann muss ich in Kontakt mit dem Fluglotsen treten? Wie lange kann ich mit 200 Liter Kerosin im Tank noch fliegen? Noch heute sind Fliegeruhren für Piloten unersetzliche Zeitmesser, vor allem in manchen Prototypen, Kunst- und historischen Flugzeugen.

In einer gemeinsamen Projektgruppe unter Leitung von Prof. Dr. Frank Janser haben der Fachbereich Luft- und Raumfahrttechnik der FH Aachen und die Sinn Spezialuhren GmbH, von der die Initiative zu diesem Forschungsprojekt ausging, einen technischen Standard für Fliegeruhren (TeStaF) entwickelt, mit dem Uhren zertifiziert werden, die den enormen Belastungen während des Fliegens standhalten und die die funktionalen Anforderungen von Piloten erfüllen.

Im deutschen Hauptsitz des führenden Hubschrauber- und Flugzeugkomponenten-herstellers Eurocopter in Donauwörth wurde der technische Standard offiziell der Öffentlichkeit präsentiert. Unter den geladenen Gästen waren namhafte Uhrenhersteller wie Eterna, Glashütte Original, Junkers, Oris und Porsche Design sowie zahlreiche Vertreter der Luftfahrtindustrie und der Presse. Moderiert wurde die Veranstaltung von Dr. Roger Uhle, Leiter der Stabsstelle für Presse-, Öffentlichkeitsarbeit und Marketing der FH Aachen.

„Fliegeruhren sind mehr als ein schönes Accessoire“, sagte Friedrich Hormel, Direktor und Mitglied der Geschäftsleitung von Eurocopter, bei seiner Begrüßungsrede. „Sie haben einen essentiellen und funktionalen Nutzen in der Fliegerei.“ Einen Nutzen, der bei schlechter Sicht oder dem Ausfall der Bordinstrumente sogar Leben retten kann. Die funktionalen Anforderungen des TeStaF sind hoch: Sie müssen nicht nur eindeutig und sekundengenau, sondern auch bei Nacht ablesbar sein. Zudem müssen sie einem raschen Temperaturwechsel sowie Veränderungen des Umgebungsdrucks bis 0,044 bar standhalten können – das entspricht einer Flughöhe von etwa 21 300 Metern.

Auch gegen Stöße und Vibrationen müssen Fliegeruhren gewappnet sein und das Eindringen von Wasser oder beispielsweise Kerosin verhindern. Dazu dürfen sie die Avionik und die Sicherheit des Fluggerätes nicht beeinträchtigen. „Es gibt viele Fliegeruhren auf dem Markt“, erklärt Dr. Martin Hoch, der als selbstständiger Berater für die wissenschaftliche Koordination des Projektes verantwortlich zeichnet. „Doch nur wenn eine Fliegeruhr diese und noch weitere Kriterien erfüllt, wird sie mit dem TeStaF-Zertifikat ausgezeichnet und damit für den professionellen Einsatz als tauglich ausgewiesen. Insofern ist der TeStaF eine besondere Auszeichnung und Gewährleistung.“ Die Eignung wird mit einem Zertifikat für einen festgelegten Seriennummernkreis und dem Qualitätssiegel „TeStaF“ auf dem Ziffernblatt und dem Gehäuse der Uhr besiegelt. „Auch für Uhrentests ist der TeStaF wichtig“, ergänzt Diplom-Journalistin Martina Richter, die leitende Redakteurin des auf Tests und Technik spezialisierten Uhren-Magazins, „denn zum ersten Mal gibt es jetzt einen objektiven Kriterienkatalog, der eine Vergleichbarkeit von Fliegeruhren in Tests möglich macht."

Vier Jahre lang haben die FH Aachen und Sinn Spezialuhren intensiv am TeStaF gearbeitet. Den Anstoß dazu gab der Inhaber und Geschäftsführer von Sinn Spezialuhren, Diplom-Ingenieur Lothar Schmidt: „Wir wollten eine Lücke schließen und die Expertisen in diesem Bereich bündeln, denn eine Norm für Fliegeruhren, wie es sie bereits für Taucheruhren gibt, existierte bislang nicht.“ In der FH Aachen wurde ein idealer Partner für das Projekt gefunden. „Als spezialisierte Hochschule besitzt sie zwei Forschungsflugzeuge sowie ein Fluglabor und verfügt über umfassende Kenntnisse und Erfahrungen im Bereich der Messtechnik und Avionik im Flugbetrieb“, erklärt Diplom-Ingenieur Arno Gabel, Prokurist von Sinn Spezialuhren. Im Rahmen des gemeinsamen Forschungsprojektes wurden am Fachbereich Luft- und Raumfahrttechnik umfangreiche Experimente und Messungen in Labors, Flugzeugen und Hubschraubern durchgeführt, bestehende uhren- und luftfahrtspezifische Vorschriften auf ihre Anwendbarkeit auf den TeStaF geprüft sowie Piloten verschiedener Fluggeräteklassen zu den funktionalen und praktischen Anforderungen befragt. „Da, wo es in der Luftfahrt bereits eine Norm gibt, wurde geprüft, ob und wie sie in den TeStaF aufgenommen werden kann“, erläutert Prof. Janser. „In den Bereichen, in denen es noch keine Norm gibt, haben wir dann eigene Anforderungen entwickelt.“ Praktisch erprobt wurden die theoretischen Erkenntnisse im Rahmen eines Prototypen-Tests in Hitze, Kälte und großer Höhe durch den Cheftestpiloten Volker Bau unter Leitung von Antoine Van Gent, dem Manager der Testflüge bei Eurocopter.

Bei den Anwesenden stieß die lebhafte Präsentation des TeStaF und die intensive Diskussion auf großes Interesse; auch die ersten Reaktionen aus der Uhrenindustrie und von Seiten der Fachpresse belegen, dass mit dem TeStaF ein lang erwarteter Schritt in die richtige Richtung getan wurde. Der TeStaF ist nun als wissenschaftliche Publikation der FH Aachen in Deutsch und Englisch erhältlich. Als kostenloser Download steht er, zusammen mit weiteren Informationen, auf der Webseite www.testaf.org zur Verfügung. Über das Aachen Institute of Applied Sciences e.V. (AcIAS) bietet die FH Aachen allen Uhrenherstellern die Prüfung und Zertifizierung von Fliegeruhren gemäß den Anforderungen des TeStaF an. „Auch wenn die Anforderungen hoch sind, können Uhren die Tests durchaus bestehen“, betont Prof. Janser. „Die TeStaF-Zertifizierung ist ein ambitioniertes, aber erreichbares Ziel.“ Die Nettozeit für alle Tests beträgt etwa 38 Stunden, die Gesamtdauer beläuft sich auf mehrere Wochen.

Wie lange das Zertifikat gilt und ob das Testverfahren, das bisher nur für mechanische Uhren erprobt ist, sich auch auf Quartz-Uhren übertragen lässt – diesen Fragen wird sich ein wissenschaftlicher Beirat widmen, der eigens für die Weiterentwicklung des TeStaF gegründet wurde. Er besteht aus dem Vorsitzenden Prof. Dr. Frank Janser, Dipl.-Ing. Volker Bau, Dr. Wolfgang Schonefeld, Leiter Technische Entwicklung bei Sinn Spezialuhren, Martina Richter, Jürgen Hensiek als außerordentliches Mitglied vom Technologie- und Wissenstransfer der FH Aachen sowie Dr. Martin Hoch. „Wir freuen uns, dass wir mit dem TeStaF unser Alleinstellungsmerkmal in der Flugmesstechnik und im Prüfverfahren für Luftfahrtgeräte weiter ausbauen können“, sagt Prof. Dr. Peter Dahmann, Dekan des Fachbereichs Luft- und Raumfahrttechnik. „Das ist eine wichtige Ergänzung des umfassenden Kompetenz-Portfolios einer der größten und angesehensten Ausbildungsstätten für Luft- und Raumfahrtingenieurinnen und -ingenieure in Deutschland.“

Team Pressestelle | idw
Weitere Informationen:
http://www.fh-aachen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Maschinenbau:

nachricht Gewicht von Robomotion-Greifer um 60 Prozent reduziert
31.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

nachricht Assistenzsysteme für die Blechumformung
28.07.2017 | Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Maschinenbau >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Im Neptun regnet es Diamanten: Forscherteam enthüllt Innenleben kosmischer Eisgiganten

21.08.2017 | Physik Astronomie

Ein Holodeck für Fliegen, Fische und Mäuse

21.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Institut für Lufttransportsysteme der TUHH nimmt neuen Cockpitsimulator in Betrieb

21.08.2017 | Verkehr Logistik