Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Effektivitätssteigerung durch verbindliche Körpersprache

08.12.2010
Dr. Simon Harrison entwickelt Gestik-Codes für laute Fließbandarbeit

Als Rettungsschwimmer an den Stränden der französischen Atlantikküste griff er zur Verständigung immer wieder auf Gestik zurück. Als Sprachlehrer wirkte der Engländer an einer DVD mit, in der Körpersprache das Lernen von französischer Grammatik unterstützen half.

Heute arbeitet Dr. Simon Harrison an der RWTH Aachen in einem internationalen und interdisziplinären Forschungsteam an der Entwicklung einer verbindlichen Körpersprache, die auch dort Kommunikation erlaubt, wo Sprache nicht weiterhilft. Für laute Fertigungsstraßen, deren Beschäftigte weit voneinander entfernt am Band oder im Takt arbeiten, entwickelt der Linguist konventionalisierte Gestik-Codes. Mit deren Hilfe, so konnte Harrison schon in Feldversuchen nachweisen, steigt nicht nur die Kommunikationsfähigkeit unter den Beschäftigten, sondern auch die Arbeitssicherheit und die Produktivität.

„Wir versuchen, ein unmißverständliches Kommunikationssystem durch einen verbindlichen Code von Gestik zu schaffen“, fasst Dr. Harrison das Forschungsziel zusammen. Leibhaftig erlebt hat er den Bedarf und die Notwendigkeit dazu in einer französischen Fischfabrik, in der die Beschäftigten aufgrund des hohen Geräuschpegels von 90 Dezibel keine Chance hatten, sich durch Zurufe zu verständigen. Er analysierte während zwei Monaten vor Ort die Widrigkeiten und Probleme, um dann Lösungsvorschläge zu unterbreiten. Mit dem von ihm vorgeschlagenen Gestik-Repertoire kam es rasch zu einer beeindruckenden Effektivitätssteigerung im Betrieb: die Kommunikation wurde unmißverständlich und dadurch der Arbeitsablauf weniger störungsanfällig, die Maschinenpausen wurden verringert, die Arbeitszufriedenheit und die Effektivität erhöht.

Seit November gehört Harrison, der auch Generalsekretär der internationalen Gesellschaft für Gestik-Studien ist, mit einem zweijährigen Stipendium der Humboldt-Stiftung zur Aachener Forschergruppe „Natural Media & Engineering“ des RWTH-Projekthauses HumTec. Unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Irene Mittelberg geht es dem Team vor allem darum, die komplexen Zusammenhänge von Zeichen, Sprache und Technik zu untersuchen. Wie funktioniert verbale und nonverbale Informationsvermittlung? Wie sieht optimale Interaktion mit technischen Systemen aus? Und was passiert im Gehirn bei dieser Kommunikation? Zu der sechsköpfigen Mannschaft gehören Semiotiker, Informatiker, klinische Neurowissenschaftler, Psychologen und Linguisten. In Zusammenarbeit mit Ingenieuren, zum Beispiel des Lehrstuhls für Arbeitswissenschaft, und mit Klinikern des Universitätskrankenhauses soll geklärt werden, welche kognitiven Muster der face to face-Kommunikation und der Mensch-Maschine-Interaktion zugrunde liegen und wie sich diese von den Strukturen bei Patienten mit neurologischen oder psychiatrischen Störungen wie Autismus, Schizophrenie und Aphasie unterscheiden. Diese vergleichenden Studien sollen wichtige Grundlagen für die Entwicklung therapeutischer Ansätze und zukünftiger interaktiver Technologien liefern.

Dr. Simon Harrison plant in Aachen auch die Einbeziehung von Unternehmen, um hier seine Forschungen anwendungsorientiert fortzuführen. Aber auch Unternehmen in Indien und den Vereinigten Staaten will er einbeziehen. „Die Rahmenbedingungen hier in Aachen sind sehr stimulierend“, beschreibt er das neue Umfeld. Und sein Einstand gestaltete sich bereits sehr erfolgreich und öffentlichwirksam: Beim ersten RWTH Science Slam während der RWTH-Wissenschaftsnacht gewann er den ersten Preis – für die Präsentation seines Forschunsgprojekts nur mit Hilfe von expressiver Körpersprache.

Toni Wimmer

Thomas von Salzen | idw
Weitere Informationen:
http://www.rwth-aachen.de

Weitere Berichte zu: Effektivitätssteigerung Gestik-Codes Körpersprache RWTH

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Maschinenbau:

nachricht Modulares Fertigungssystem für Kettenräder
15.03.2017 | EMAG GmbH & Co. KG

nachricht Nimm zwei: Metallische Oberflächen effizient mit dem Laser strukturieren
15.03.2017 | Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Maschinenbau >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

Zweites Symposium 4SMARTS zeigt Potenziale aktiver, intelligenter und adaptiver Systeme

27.03.2017 | Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fließender Übergang zwischen Design und Simulation

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Industrial Data Space macht neue Geschäftsmodelle möglich

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Neue Sicherheitstechnik ermöglicht Teamarbeit

27.03.2017 | HANNOVER MESSE