Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Vom Blechkasten zum System

10.06.2011
Wer heute elektronische Komponenten in Schaltschränke einbaut, erwartet eine Vielzahl von genormten Lösungen, die ihm die Montage erleichtern sowie ein Maximum an Sicherheit bieten. Das war nicht immer so.

Noch vor einigen Jahrzehnten gab es nur einfache „Blechkästen“, die in Sonderanfertigung hergestellt wurden. Der erste Standard für die Serienfertigung wurde vor 50 Jahren von Rudolf Loh – dem Gründer von Rittal – erfunden und erfolgreich auf den Weg gebracht.

Am 1. April 1961 wurde die Rudolf Loh KG, Elektrogerätebau von Rudolf Loh gegründet. Gleichzeitig fiel der Startschuss für das Unternehmen Rittal, das in diesem Jahr sein 50jähriges Jubiläum feiert. Neben dem damals schon bestehenden Unternehmen Hailo-Werk, das mit Haushaltsgeräten im Konsumgütermarkt etabliert war, sollte ein zweites Standbein in der Investitionsgüterindustrie geschaffen werden. Dabei rückte die Fertigung von Schaltschränken in den Blick.

Denn bis dahin hatte die elektrotechnische Industrie diese selbst gefertigt oder in externen „Blechwerkstätten“ herstellen lassen. Einzelanfertigungen waren teuer, ihre Lieferzeiten lang und die Qualität schwankte.

Auf dem Weg zur Großserie

Die Idee des Vertreters eines nahegelegenen Elektrogroßhandels, Schaltschränke in Großserie zu bauen und als Standardprodukt anzubieten, schien Rudolf Loh deshalb aussichtsreich. Der erste konkrete Bedarfsfall ließ auch nicht lange auf sich warten. Noch am gleichen Tag gab Loh die Serienfertigung von je zwei flachen Wand- und Standgehäusen frei: Dies war die Geburtsstunde des Schaltschranks als Serienprodukt. Weiterentwicklungen dieses „allerersten“ Typen, die Rittal in Großserie produzierte, hat das Unternehmen übrigens noch heute unter der Bezeichnung AE im Programm.

Der Slogan von damals „Den Schaltschrank, den Sie morgen brauchen, haben wir bereits gestern gebaut und heute schon abrufbereit am Lager stehen.“ schreibt sich das Unternehmen auch heute auf die Fahnen. Die schnelle Verfügbarkeit von Produkten sei eines seiner Stärken. Im Jahr 1969 vollzog das Unternehmen wichtige Schritte auf dem Weg zum Weltunternehmen. Zum einen ist es das Jahr der Umfirmierung in die Rittal-Werke Rudolf Loh KG. Zum anderen das einer weiteren signifikanten Erfindung: der Reihenschaltschrank. Der erste modulare RS-Schaltschrank in Gerüstbauweise wurde vormontiert ausgeliefert. Als Zubehör gab es Verbindungsrahmen, Lochschienen, Trenn- und Seitenwände sowie gelochte Winkelprofile. Für den Anlagenbauer ergaben sich durch den RS viele Vorteile beim individuellen Ausbau. Ein großer Meilenstein in der Schaltschranktechnik war die Erfindung des PS 4000 Anreihsystems im Jahr 1985.

Bis heute millionenfach verkauft, wurde er zum Weltstandard. Was bei einem RS noch schlicht Zubehör hieß, übertraf mit einem Portfolio von etwa 60 Komponenten der PS 4000. Es gab Mitte der achtziger Jahre nichts Vergleichbares im Markt. Welche Möglichkeiten dieser Schaltschrank den Kunden schon zur damaligen Zeit bot, beweist seine Variante als Datenverteiler, die nur vier Jahre später eingeführt wurde. Und ein weiteres Mal bekam man die Anregung aus der Automobilindustrie. Das Schrankkonzept sollte für die Datentechnik mit entsprechendem Zubehör weiterentwickelt werden. Damit vollzogen die Herborner den ersten Schritt in ein völlig neues Marktsegment – die Informationstechnologie. Heute gilt das Unternehmen als ein führender Anbieter von Planung, Bau, Ausstattung, Software und Service von Rechenzentren und IT-Infrastrukturen.

In den neunziger Jahren wurde das marktführende System PS 4000 kontinuierlich weiter ausgebaut. 1999 löste das TS 8-Schaltschranksystem den PS 4000 aus der Pole Position ab. Der Slogan zur Markteinführung lautete: „Endlich unendliche Möglichkeiten“. Der Kern des Schranks TS 8 ist das 16-fach profilierte, patentierte Vertikalprofil, das nicht nur eine hohe Stabilität, sondern zusätzlich eine zweite Montageebene bietet. Außerdem ist er symmetrisch in Bezug auf das Maßraster, was ein Anreihen in alle Richtungen und damit mehr Flexibilität ermöglicht.

Effiziente Lösungen anbieten

Zu diesem Longseller, der heute über 7,7 Millionen Mal im Einsatz ist, gehört ein bis ins Detail durchdachter System- und Zubehörbaukasten. Die Schaltschrank- und IT-Rack-Systemplattform TS 8 ist heute Basis für die branchenübergreifende Systemarchitektur „Rittal – das System“. Dieser Baukasten besteht aus auf einander abgestimmten Gehäusen und Schaltschränken, sicheren Stromverteilungen, energieeffizienter Klimatisierungstechnik, kompletten IT-Infrastrukturen sowie intelligenten Planungstools. Im Systemgedanken enthalten ist auch das Engineering und der Service. Denn aufgrund der individuellen Kundenwünsche ist es heute im Bereich des mechanischen Schutzes von Elektrotechnik und Elektronik mit dem einzelnen Gehäuse nicht mehr getan. Gefragt ist das umfassende Lösungsangebot.

Die Innovationskraft des Unternehmens wurde vielfach ausgezeichnet. So hat Friedhelm Loh, Inhaber der Friedhelm Loh Group und seit 1974 Geschäftsführer von Rittal im Jahr 2010 die renommierte Dieselmedaille erhalten. „Kreative und hochmotivierte Mitarbeiter sind die Voraussetzung für neue Entwicklungen und deren Umsetzung im Markt. Denn auf ihre Ideen und ihr Können kommt es an, damit die Friedhelm Loh Group auch zukünftig die besseren Produkte, die intelligenteren Prozesse und die zufriedeneren Kunden hat“, so Prof. Dr. Hans-Jörg Bullinger, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, in seiner Laudatio. st

| SCOPE
Weitere Informationen:
http://www.scope-online.de/Das-Portraet/Das-Portraet---Schaltschraenke---Vom-Blechkasten-zum-System.htm

Weitere Berichte zu: Blechkasten IT-Infrastruktur Rittal Schaltschrank Serienfertigung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Maschinenbau:

nachricht Das Auto lernt vorauszudenken
28.06.2017 | Technische Universität Wien

nachricht Stresstest über den Wolken
21.06.2017 | Hochschule Osnabrück

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Maschinenbau >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Im Focus: Das Proton präzise gewogen

Wie schwer ist ein Proton? Auf dem Weg zur möglichst exakten Kenntnis dieser fundamentalen Konstanten ist jetzt Wissenschaftlern aus Deutschland und Japan ein wichtiger Schritt gelungen. Mit Präzisionsmessungen an einem einzelnen Proton konnten sie nicht nur die Genauigkeit um einen Faktor drei verbessern, sondern auch den bisherigen Wert korrigieren.

Die Masse eines einzelnen Protons noch genauer zu bestimmen – das machen die Physiker um Klaus Blaum und Sven Sturm vom Max-Planck-Institut für Kernphysik in...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

Technologietag der Fraunhofer-Allianz Big Data: Know-how für die Industrie 4.0

18.07.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - September 2017

17.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

1,4 Millionen Euro für Forschungsprojekte im Industrie 4.0-Kontext

20.07.2017 | Förderungen Preise

Von photonischen Nanoantennen zu besseren Spielekonsolen

20.07.2017 | Physik Astronomie

Bildgebung von entstehendem Narbengewebe

20.07.2017 | Biowissenschaften Chemie