Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Scharfmacher für Werkzeuge sind gefragt

16.04.2008
Werkzeugschleifbetriebe sorgen tagtäglich dafür, verschlissenen Werkzeugen wieder genügend „Biss“ zu geben oder Sonderwerkzeuge in kleinen Stückzahlen in Form zu bringen. Ein Großteil der Unternehmen setzt dabei auf moderne CNC-Werkzeugschleifmaschinen, deren Leistungsfähigkeit die Hersteller vorangetrieben haben.

Vorwiegend kleine Werkzeugschleifbetriebe machen hierzulande verschlissene Werkzeuge wieder fit für den Einsatz in der Fertigung. Von den rund 1200 Werkzeugschleifbetrieben beschäftigen mehr als zwei Drittel bis zu fünf Mitarbeiter, 20% der Betriebe haben zwischen 6 und 15 Mitarbeiter und 13% haben mehr als 15 Beschäftigte. Insgesamt erwirtschaftet die Branche jährlich etwa 1 Mrd. Euro Umsatz, so das Ergebnis einer statistischen Hochrechnung des Fachverbandes Deutscher Präzisions-Werkzeugschleifer (FDPW) in Brühl.

Werkzeugschleifbetriebe bleiben von konjunkturellen Wechselbädern nahezu verschont, wie Prof. Dr.-Ing. Wilfried Saxler, Geschäftsführer des FDPW, erläutert: „Grundsätzlich ist das Nachschärfgeschäft nicht so sehr von der Konjunktur abhängig. In Konjunktur-Hochphasen werden viele neue Werkzeuge benötigt, die auch nachgeschärft werden müssen. Außerdem werden dann auch viele Sonderwerkzeuge benötigt, die zunehmend durch unsere Betriebe angefertigt werden, denn deren Vorteil ist die schnelle Reaktionszeit auch bei sehr kleinen Losgrößen bis zu fünf Stück.“ In konjunkturschwachen Zeiten sei das Nachschärfen von Werkzeugen sehr gefragt, weil für neue Werkzeuge weniger ausgegeben werde.

Für nicht wenige Werkzeugschleifbetriebe ist die Herstellung von Sonderwerkzeugen ein zweites Standbein. Und in diesem Geschäftsfeld liegt noch Wachstumspotenzial. „Die Werkzeugschleifereien müssen sich deshalb unbedingt stärker damit auseinandersetzen, wie Sonderwerkzeuge in kleinen Losgrößen bis zu fünf Stück wirtschaftlicher hergestellt werden können“, fordert Saxler.

Denn dabei kommen neue Aufgaben auf die Betriebe zu, weil als Auftrag nur eine Werkstückzeichnung übergeben wird. Aus dieser Information muss nun ein Schneidwerkzeug abgeleitet werden. „Dafür ist Know-how erforderlich, das über die Fähigkeit der schleiftechnischen Herstellung und des Nachschärfens weit hinaus geht“, weiß Saxler.

Werkzeugschleifer setzen immer mehr auf CNC-Maschinen

Zunehmend setzen Betriebe CNC-Maschinen ein. Auch deshalb, weil die Anforderungen an Präzisionswerkzeuge steigen, wie Beat Oderbolz, Verkaufsdirektor der Ewag AG im schweizerischen Etziken, feststellt: „Die Toleranzen werden immer kleiner, die Komplexität der Werkzeuge nimmt zu und die Losgrößen werden reduziert.“

Die sich daraus ergebenden Eigenschaften von Werkzeugschleifmaschinen bringt Thomas Bader, Geschäftsführer der Haas Schleifmaschinen GmbH in Trossingen, auf den Punkt: „Gefordert sind hohe Genauigkeit und Dynamik, einfache Bedienbarkeit, minimaler Wärmegang, Ausrüstung mit Werkzeug- und Werkstückwechsler sowie Abrichten innerhalb der Maschine.“

Werkzeugschleifer können „ihre“ Schleifmaschine aus einem variantenreichen Angebot der Hersteller auswählen. „Dabei unterscheiden sich Maschinen fürs Nachschärfen im Aufbau grundsätzlich von denen für die Werkzeugproduktion“, weiß Markus Berger, Geschäftsführer der Anca GmbH in Mannheim, und erkärt: „So ist die Maschinenleistung zum Nachschleifen von Werkzeugen in der Regel geringer, weil keine Spannuten ins Volle geschliffen werden. Auch die Anforderung an eine mögliche Automationslösung ist häufig eine andere. Und Flexibilität und Rüstaufwand spielen aufgrund kleiner Losgrößen eine ganz besondere Rolle.“

Diese Parameter habe Anca sehr genau untersucht und auf der EMO 2007 erstmals mit der Werkzeugschleifmaschine GX7 mit Scheibenwechsler und Ladersystem eine entsprechende Lösung vorgestellt.

Be- und Entladesysteme gehören bei Werkzeugschleifmaschinen dazu

Be- und Entladesysteme gehören mittlerweile für viele Kunden zur Maschinenausrüstung. „Bei Anca sind weltweit inzwischen über 75% aller Maschinen damit ausgerüstet, in Europa sind es bereits über 90%“, konkretisiert Berger und ergänzt: „Wir versuchen, durch standardisierte Module für den Großteil unserer Kunden eine Lösung ‚out of the box’ anzubieten. Durch unterschiedliche Konzepte wie andockbare Paletten- und Robotlader gelingt uns dies auch in 90% der Fälle.“

Keine Frage, die Automation ist ein probates Mittel zur Produktivitätssteigerung. „Während früher Automation eher in der reinen Werkzeugproduktion eingesetzt wurde, wird sie zunehmend auch von Nachschärfbetrieben genutzt“, weiß Dr. Frank Michels, Geschäftsführer der Michael Deckel GmbH & Co. KG. Das in Weilheim ansässige Unternehmen hat das Hochleistungs-Schleifzentrum Flexus entwickelt, das auch hinsichtlich der Automation für jede Belange ein Lösung bietet: ein Schubladensystem, einen Palettenspeicher oder ein Fließband.

Auf die Frage, welche Vorteile Flexus den Anwendern bietet, nennt Michels den schnellen zeitparallelen Wechsel von Werkstück und Werkzeug, der zu enormer Produktivität führe. Darüber hinaus ermögliche die Vielfalt der einsetzbaren Werkzeuge eine bei der Produktion von Wendeplatten bisher nicht gekannte Prozessfreiheit. „Die Flexus kombiniert hohe Produktivität mit maximaler Flexibilität, dies macht sie heute einmalig“, so Michels.

Werkzeugschleifmaschinen mit zusätzlichen Verfahren senken die Kosten

Ein weiterer „Kostendrücker“ beim Werkzeugschleifen sind Maschinen mit zusätzlichen Verfahren. Etabliert ist mittlerweile die Kombination Schleifen/Erodieren aufgrund des zunehmenden Einsatzes von PKD-Werkzeugen. „Und der PKD-Werkzeugmarkt wird nach wie vor weiter wachsen“, so Martin Hämmerle, Produktmanager Helitronic-Maschinen der Walter Maschinenbau GmbH in Tübingen.

Er prognostiziert jährliche Wachstumsraten von 8%, bei einem PKD-Marktvolumen von rund 480 Mio. Euro. Der wachsende Markt für PKD-Werkzeuge forcierte und forciert den Absatz von Maschinen fürs Schleifen und Erodieren. Bei Ewag zum Beispiel beträgt der Anteil mittlerweile rund 30%.

Der Vorteil von Kombimaschinen ist ihre Flexibilität. Es können PKD- und CBN-Werkzeuge ebenso effizient produziert oder nachgeschärft werden wie Hartmetall- und HSS-Werkzeuge, erläutert Hämmerle: „Mit der Helitronic Power Diamond beispielsweise können an einem PKD-bestückten Werkzeug in einer Aufspannung der erste Freiwinkel in PKD erodiert und die weiteren Freiwinkel des Trägermaterials geschliffen werden.“

Werkzeugschleifmaschinen können auch entgraten, polieren, bohren oder fräsen

Mittlerweile können Werkzeugschleifmaschinen noch mehr. So beherrscht die Flexus von Deckel auch das Entgraten, Polieren, Bohren oder Fräsen parallel zum Werkzeugschleifen, ergänzbar mit Montage-, Mess- und Reinigungsfunktionen – ganz nach Kundenanforderung.

Auch Haas sieht in der Kombinierbarkeit verschiedener Technologien wie Schleifen und Fräsen, in Verbindung mit Schleifscheiben bis 300 mm Durchmesser, Werkzeugwechsler und verschiedenen Abrichtmodi für CBN-, Diamant- und SiC-Scheiben, eine Stärke seiner Maschinen. Die neue fünfachsige Werkzeugschleifmaschine Multigrind CB bietet alles, was das Herz eines Werkzeugschleifers begehrt: Technologieerweiterung, gleichbleibend hohe Genauigkeit, hohe Dynamik und sekundenschnellen Schleifscheibenwechsel.

Große Flexibilität und hohe Produktivität beim Werkzeugschleifen sind für die Vollmer Werke Maschinenfabrik GmbH in Biberach zielführend bei der Entwicklung neuer Maschinen. Die auf der Grindtec 2008 erstmals präsentierte Schärfmaschine QXD 200 mit sechs CNC-Achsen kombiniert Erodieren, Freischleifen, Messen und Polieren.

„Die Bahninterpolation der sechs CNC-Achsen bietet Werkzeugherstellern weitaus größere Entwicklungsräume als vergleichbare Maschinen“, betont Siegfried Knüpfer, Vorsitzender der Geschäftsführung. Werkzeugwechsler und umfangreiche Werkstückführung ermöglichen mannlose Schichten rund um die Uhr. „Durch unsere bewährte Bedienphilosophie mit Windows-basierter Steuerung kann die QXD 200 bereits nach kurzer Einschulung zuverlässig eingesetzt werden“, sagt Knüpfer.

Keine Frage, von wesentlicher Bedeutung für die Produktivität beim Werkzeugschleifen ist auch die Schleifsoftware. Nach Meinung von Dr.-Ing. Albert Herrscher, Mitglied der Geschäftsführung der Alfred H. Schütte GmbH & Co. KG in Köln, wird deshalb ein Schwerpunkt der Weiterentwicklung die Softwareentwicklung sein: „Dabei steht im Vordergrund die umfassende und komfortable Unterstützung des Bedieners durch menügeführte, leicht erlernbare Programmerstellung und Maschinenbedienung.“

So liege in der grafischen Unterstützung und Simulation der Prozesse noch einiges Entwicklungspotenzial. Gleiches gelte für die CAD-CAM-Kopplung zur Übernahme von Geometriedaten. „Intelligentere Sensoren werden helfen, weitere Funktionen, die heute noch Eingriffe des Bedieners erfordern, zu automatisieren“, prognostiziert Herrscher.

Bernhard Kuttkat | MM MaschinenMarkt
Weitere Informationen:
http://www.maschinenmarkt.vogel.de/index.cfm?pid=1502&pk=118097

Weitere Berichte zu: Werkzeugschleifen Werkzeugschleifmaschine

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Maschinenbau:

nachricht Flexible Fertigung von Elektromotoren für Fahrzeuge
06.09.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Gewicht von Robomotion-Greifer um 60 Prozent reduziert
31.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Maschinenbau >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie