Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hologramme mit Sprengkraft

04.03.2008
Wer mit Sprengstoff hantiert, hat meist Grobes im Sinn - Fels lockern, alte Gemäuer zertrümmern oder Lawinen auslösen. Doch Explosivstoffe taugen auch für filigrane Aufgaben: Es lassen sich damit Hologramme in Stahl prägen.

Fast jeder trägt sie mit sich herum, auf Geldscheinen, EC-Karten oder Tickets für Popkonzerte: Hologramme. Die bunt schillernden Interferenzbilder schützen Banknoten und Dokumente vor Fälschungen. Sie lassen sich nur mit erheblichem Aufwand herstellen, und man kann sie kaum kopieren.

Der Grund: Das Bild entsteht nicht durch das Zusammenspiel verschiedener Farben und Kontraste, sondern durch die Struktur der Oberfläche. Je nachdem, aus welcher Richtung das Licht einfällt, zeigt sich ein anderes Bild. Üblicherweise helfen Laserstrahlen bei der Herstellung eines Hologramms. Mit ihrer Hilfe wird zunächst ein Prototyp aus fotoempfindlichem Material, etwa Fotoresist, erzeugt. Diese Vorlage ist allerdings zu weich, um als Präge- oder Spritzgieß-werkzeug für die Hologramme dienen zu können.

Deshalb wird das filigrane Relief galvanisch auf ein härteres Material wie Nickel kopiert. Auf eine Walze aufgebracht überträgt dieses Nickel-Shim das Hologramm auf eine Kunststofffolie, die auf EC-Karten und Konzerttickets zu sehen ist.

... mehr zu:
»Hologramm »Sprengstoff

Forscher des Fraunhofer-Instituts für Chemische Technologie ICT in Pfinztal haben sich nun einer rabiateren Methode angenommen. Die Wissenschaftler nutzen Sprengstoff zur Abprägung von Hologrammen in Stahl. Denn richtig dosiert, kann man damit eine Vorlage viel exakter abbilden als durch herkömmliche Verfahren. Die Auflösung, die man mit dem "Sprengprägen" erzielen kann, reicht bis in den zweistelligen Nanometerbereich.

"Niemand hat geglaubt, dass so etwas möglich ist", schwärmt ICT-Projektleiter Günter Helferich. Fast jede Struktur lässt sich mit Hilfe einer Sprengfolie detailgenau auf Metall bannen, ob Holz, Leder, Textil oder Sand - schnell und präzise.

Gemeinsam mit Industriepartnern arbeiten die Wissenschaftler nun daran, Stahlwerkzeuge mit holografischen Strukturen herzustellen - als "Stempel" für Hologramme, die auf Kunststoffteile aufgebracht werden sollen. Eine große Herausforderung: Die Strukturen, die in den Stahl eingedrückt werden müssen, sind so winzig, dass man sie nicht einmal unter dem Lichtmikroskop erkennen kann. Mit zahlreichen Versuchsreihen haben die Experten das Verfahren bis zur gewünschten Abbildungsschärfe optimiert.

Der Vorteil gegenüber der Galvanik: Man erhält kein weiches Nickelteil, das rasch verschleißt, sondern einen harten Stahlstempel. So behandelter Stahl ist auch in der Kunststoffindus-trie gefragt: Viele Kunststoffteile sollen dekorativ und ansprechend aussehen, vor allem, wenn sie in edler Umgebung eingesetzt werden.

Günter Helferich | Fraunhofer Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de
http://www.fraunhofer.de/presse/presseinformationen/2008/03/Mediendienst32008Thema6.jsp

Weitere Berichte zu: Hologramm Sprengstoff

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Maschinenbau:

nachricht Satellitengestützte Lasermesstechnik gegen den Klimawandel
17.01.2017 | Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT

nachricht eldec-Technologie im Maschinenbau: Standardisierte Hochleistungsgeneratoren für exzellente Maschinenbaulösungen
15.12.2016 | EMAG eldec Induction GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Maschinenbau >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise