Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

3D-Kameras sollen helfen, Unfälle im Lager zu verhindern

03.08.2011
Maschinenbauer der Leibniz Universität entwickeln innovative Technologie für die Lagerlogistik

Ein Hochregallager stellt besondere Anforderungen an das Können und die Erfahrung von Gabelstapler-Bedienern. Oftmals müssen voll beladene Paletten in Höhen von bis zu zwölf Metern exakt eingepasst werden.

Eine unbeabsichtigte Berührung des Regals, eines Ladungsträgers oder anderer Objekte mit der Gabelstaplerzinke oder einer aufgenommenen Palette kann zu gefährlichen Situationen führen. Beispielsweise können Paletten oder andere Ladungsträger herabstürzen. Der Hubmast und das Fahrzeugdach des Gabelstaplers behindern den Blick nach vorne und oben, zusätzlich kann die aufgenommene Ladung die Sicht auf den Lagerplatz versperren.

3D-Kameras, die in die Spitzen von Gabelstaplerzinken integriert werden, sollen in Zukunft Abhilfe schaffen. Eine Forschergruppe am Institut für Transport- und Automatisierungstechnik (ITA) der Leibniz Universität Hannover unter der Leitung von Prof. Dr.-Ing. Ludger Overmeyer entwickelt derzeit ein Assistenzsystem für die staplerbasierte Ein- und Auslagerung, das auf laufzeitmessenden 3D-Kamerasystemen basiert.

Die Entwicklung des Kamerasystems ist Teil des Projekts "ISI-WALK", in dem Methoden entwickelt werden, um die Wandlungsfähigkeit von Lieferketten zu steigern. Neben der Gabelstapleroptimierung entwickeln die Wissenschaftler auch ein innovatives, koordinatenbasiertes System zur Indoor-Navigation, das in die Deckenbeleuchtung des jeweiligen Lagers integriert werden soll. Das Verbundprojekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

Die 3D-Kameras in den Gabelstaplerzinken sollen den Zugriff auf hoch gelegene und schwer einsehbare Lagerplätze vereinfachen und helfen, Unfälle zu vermeiden. Bisherige Systeme, die teilweise schon am Markt sind, arbeiten vorwiegend mit Laserscannern, punktuellen Entfernungssensoren oder mit Kameras, die an der Innenseite der Gabelstaplerzinken angebracht sind. Wenn ein Ladungsträger aufgenommen ist, wird die Sicht der Zinkenkameras oftmals stark eingeschränkt oder sogar gänzlich versperrt.

Zudem liefern die Systeme aufgrund der geringen Anzahl an Messpunkten ungenügende Daten für eine automatische Auswertung, oder sie werden beispielsweise bei Gabelzinkenkameras oft wenig nutzerfreundlich auf einem Bildschirm im Fahrerstand des Gabelstaplers angezeigt. "Es ist ungünstig, wenn der Bediener ein verzerrtes Bild selber auswerten muss", sagt Dipl.-Ing. Steffen Kleinert, der als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am ITA die Software und die Auswertungsalgorithmen für das neue System entwickelt.

Durch die Integration der Kamera in die Spitzen der Gabelstaplerzinken und die detaillierten Aufnahmen, die mit der 3D-Kamera möglich sind, kann das System aussagefähige Daten liefern. Die Auswertungsergebnisse sollen in einfachen Informationen auf dem Bildschirm im Fahrerstand angezeigt werden. "Der Bediener kann anhand von Pfeilen sofort sehen, wie weit er nach rechts, links, oben oder unten navigieren muss oder wie weit und in welche Richtung er das Fahrzeug drehen muss", erläutert Steffen Kleinert. Denkbar sei außerdem, die Daten für ein akustisches Signal zu nutzen, das ertönt, falls eine Kollisionsgefahr besteht.

Eine Herausforderung stellt die Integration der Kamera in die Gabelstaplerzinken dar. Die Kamera muss sehr klein sein - etwa vier Zentimeter hoch und maximal acht Zentimeter breit. "Die Zinke gehört zu den Komponenten an einem Stapler, die für Stöße am gefährdetsten sind", sagt Kleinert. "Die Kamera bietet gegenüber Laserscannern aber den Vorteil, dass sie keine beweglichen Teile enthält, daher recht robust ist und Stöße besser wegsteckt."

Mit einer Auflösung von 200 mal 200 Pixeln liefert sie sehr zuverlässige Informationen. "Das ist für eine normale Kamera wenig, aber für eine derartige 3D-Kamera eine sehr gute Auflösung", erklärt Kleinert. Bei der Entwicklung des Kamera-Demonstrators arbeiten die Wissenschaftler mit der Firma PMDTechnologies zusammen, zur Integration der Kamera in die Staplerzinke mit dem Flurförderzeughersteller Jungheinrich AG.

Im Moment läuft die Grundlagenforschung für das Projekt, für das kommende Jahr planen die Wissenschaftler die Montage des Kamerasystems auf einem Stapler. "Wir hoffen natürlich, dass in Zukunft ein Wirtschaftspartner das Produkt zur Marktreife bringt", sagt Steffen Kleinert. Die bestehenden Kooperationen stimmen die Forscher zuversichtlich bezüglich der Marktakzeptanz des Systems.

Referat für Kommunikation und Marketing
Leibniz Universität Hannover
Welfengarten 1
30167 Hannover
Tel.: 0511/762-5342
Fax: 0511/762-5391
mailto:info@pressestelle.uni-hannover.de

| Leibniz Universität Hannover
Weitere Informationen:
http://www.uni-hannover.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Maschinenbau:

nachricht Leichtbau serientauglich machen
24.04.2017 | Laser Zentrum Hannover e.V.

nachricht Laserstrukturierung verbessert Haftung auf Metall und schont die Umwelt
24.04.2017 | Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Maschinenbau >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Im Focus: Wonder material? Novel nanotube structure strengthens thin films for flexible electronics

Reflecting the structure of composites found in nature and the ancient world, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have synthesized thin carbon nanotube (CNT) textiles that exhibit both high electrical conductivity and a level of toughness that is about fifty times higher than copper films, currently used in electronics.

"The structural robustness of thin metal films has significant importance for the reliable operation of smart skin and flexible electronics including...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

„Microbiology and Infection“ - deutschlandweit größte Fachkonferenz in Würzburg

25.04.2017 | Veranstaltungen

Berührungslose Schichtdickenmessung in der Qualitätskontrolle

25.04.2017 | Veranstaltungen

Forschungsexpedition „Meere und Ozeane“ mit dem Ausstellungsschiff MS Wissenschaft

24.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

„Microbiology and Infection“ - deutschlandweit größte Fachkonferenz in Würzburg

25.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Auf dem Weg zur lückenlosen Qualitätsüberwachung in der gesamten Lieferkette

25.04.2017 | Verkehr Logistik

Digitalisierung bringt Produktion zurück an den Standort Deutschland

25.04.2017 | Wirtschaft Finanzen