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Eigentlich scheint das Medium Netz für Dokumentation und Archivierung sehr geeignet zu sein. Und dennoch haftet dem Medium das Flüchtige und Vergängliche an. Jede Webseite bleibt durchschnittlich weniger als 100 Tage im Netz unter ihrer Originaladresse abrufbar. Danach zieht sie um oder wird komplett gelöscht. Dies gilt selbstverständlich auch für Netzliteratur.
Für die Herausgeber der Publikation Florian Hartling und Beat Suter ist die Flüchtigkeit der digitalisierten Medien ein ernsthaftes Problem: „Im Gegensatz zum Papier des Buches sind die elektronischen Speichermedien (Disketten, Festplatten, Speichersticks) höchst unzuverlässig, sie können die Daten kaum ein Jahrzehnt halten, sind anfällig für mechanische Schäden. Auch wenn die Daten selbst gelesen werden können, bleiben Sie womöglich unleserlich: Im Gegensatz zum gedruckten Buchstaben sind die Dateiformate für Texte und Bilder auch nur für eine begrenzte Zeit von Computern lesbar. Auch sie überdauern kaum zehn Jahre. Neue Betriebssysteme, neue Officepakete bringen beständig neue Dateiformate mit sich, wobei Rückwärtskompatibilität nur unzureichend gewährleistet wird."
Die frühen digitalen Arbeiten der 1990er Jahre müssen bereits weitgehend als verloren gelten, aktuelle Werke laufen nur für kurze Zeit problemlos, dann beginnen sie, digital zu verfallen. Der digitale „Werther" existiert also nur noch auf einer Backup-Diskette, die Arbeiten von aktuellen, digitalen Bestsellern sind vermutlich bereits in wenigen Jahren nur noch sehr eingeschränkt funktionsfähig.
Seit einigen Jahren hat die deutsche Nationalbibliothek ebenso wie viele europäische Pendanten daher einen Sammel- und Konservierungsauftrag für digitale Literatur und weitere digitale Werke wie etwa Weblogs. Ihre Anstrengungen werden flankiert von den Bemühungen diverser Archive (z.B. dem „Deutschen Literaturarchiv" in Marbach), dem Verfall der digitalen Kunst entgegenzuwirken.
In der neusten Ausgabe der Zeitschrift SPIEL - „Siegener Periodium zur Internationalen Empirischen Literaturwissenschaft" werden solche neuen Verfahren und Gegenstände der Archivierung von Netzliteratur vorgestellt. Neben theoretischen Artikeln zu spezifischen Problemstellungen des Themas kommen auch Netzliteraten selbst und die mit der Archivierung beschäftigten Institutionen zur Sprache. Im Zentrum der Betrachtung steht die Frage nach der Anwendbarkeit und Gültigkeit von traditionellen Archivierungsvorstellungen.
Sonderheft SPIEL: Siegener Periodicum zur Internationalen Empirischen Literaturwissenschaft, Jg. 29., Heft 1 und 2: "Archivierung von digitaler Literatur: Probleme - Tendenzen - Perspektiven", Verlag Peter Lang, Frankfurt am Main 2010, 289 Seiten
Preis: 54,00 EUR
ISBN 978-3-631-80119-(2)
Ansprechpartner:
Dr. Florian Hartling
Telefon: 0345 55 23588 oder 0178 8475777
Email: florian.hartling@medienkomm.uni-halle.de
Ulf Walther | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.uni-halle.de
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