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Auf der Schiffswerft wird schnell gearbeitet: Manchmal werden Leitungen anders verlegt, als es der Plan vorsah. Jetzt passen die Anschlüsse nicht mehr und müssen ebenfalls korrigiert werden. Der Montagearbeiter macht sich dazu auf dem Klemmbrett eine Notiz auf Papier. Später überträgt ein Konstruktionszeichner die Aufzeichnungen in den Originalplan.
»Leider kann er manches dann nicht mehr entziffern«, weiß Dipl.-Inf. Mario Aehnelt vom Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung IGD in Rostock. Außerdem kann Papier nass werden – keine Seltenheit, etwa wenn auf einer Werft gearbeitet wird – oder verloren gehen. Dazu kommt, dass täglich neue Blätter mit Änderungen anfallen. »Da sammeln sich Papierstapel an, die irgendwann abgearbeitet werden müssen«, ist die Erfahrung des Wissenschaftlers. Will ein Unternehmen die Originalpläne immer auf dem neuesten Stand halten, ist das bisher nur mit viel Aufwand möglich.
Im Projekt IMAP »Intelligenter mitarbeiterzentrierter Montageprozess« suchen Fraunhofer-Forscher zusammen mit Industriepartnern aus der Region nach neuen Wegen, wie sich Montageprozesse und -planung sowie das Wissensmanagement in kleinen und mittelständischen Montageunternehmen verbessern lassen. Ziel ist ein »Montageportal«, das alle Mitarbeiter jederzeit nutzen können und mit dem sich gleichzeitig alle unternehmensweit anfallenden Daten integrieren lassen.
Bestandteil des Projekts ist der Smartpen, ein digitaler Stift, den die Mitarbeiter vor Ort – in Schiff, Flugzeug oder Auto – zu Montage- oder Wartungsarbeiten mitnehmen können, um ihre Notizen direkt als Kommentar in speziell bedruckte Checklisten einzutragen. Der Smartpen sieht aus wie ein etwas dickerer Stift mit Mine. Er enthält einen optischen Sensor im Infrarotbereich. Dieser Sensor tastet feine Punktmuster auf dem Papier ab. So wird sichergestellt, dass die Lage der Bauteile im Plan exakt erkannt wird. »Das funktioniert ähnlich wie bei den TipToi-Kinderbüchern, interaktiven digitalen Lehrbüchern«, sagt Aehnelt. Zum Feierabend legt der Arbeiter den Stift in eine Art Schale, die an den PC angeschlossen ist. Über Nacht werden die Daten von der Liste auf den Original-3D-Plan übertragen. Anschließend überprüft ein Konstruktionszeichner noch einmal alles auf Plausibilität hin. So gehen künftig keine Änderungen mehr verloren, Papierberge werden überflüssig und Mitarbeiter werden entlastet.
»Unsere Methode verkürzt die Prozesse erheblich«, erklärt Aehnelt. Durch das tägliche Update können Unternehmen flexibler planen. Sie werden damit wettbewerbsfähiger. Eine Zusatzfunktion erlaubt das Aufnehmen von Audiokommentaren, Schaltzeichnungen können ebenfalls eingespielt werden, und auch neue Bauteile lassen sich schnell bestellen. »Wir wollen mit unseren Methoden und Werkzeugen den Montageprozess optimal unterstützen. Wichtig ist, dass das betriebsinterne Wissen nicht verloren geht und die Methoden auch für ältere Mitarbeiter praktikabel sind. Sie haben ihr Leben lang mit Stift und Papier gearbeitet, ein Tablet-PC wäre ihnen kaum zuzumuten. Außerdem funktionieren Tablet-PCs oft im Industrieumfeld – etwa beim Schweißen – nicht mehr. Mit unserer Technologie ändert sich am gewohnten Tagesablauf der Techniker nichts«, ist die Erfahrung des Wissenschaftlers.
Derzeit testet ein IMAP-Projektpartner den Smartpen auf Praxistauglichkeit. Die Montagearbeiter nehmen den Stift morgens mit auf die Werft, wenn sie ihre Klimaanlagen in Schiffe einbauen. Sind etwa die Abstände zur Wand größer als vorgesehen, machen sie eine entsprechende Notiz. Das interaktive Kommunikationsmodul eignet sich für viele Montagearbeiten – etwa auch zur Flugzeugwartung oder jährliche Prüfungen an verschiedenen Anlagen.
Mario Aehnelt | Quelle: Fraunhofer Wirtschaftsthemen
Weitere Informationen:
www.fraunhofer.de/presse/presseinformationen/2010-2011/21/interaktives-kommunikationstool-smartpen.jsp
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