Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wissensmanagement 2.0 – Facebook, Twitter und Co. als Wissensspeicher der Zukunft

11.11.2011
Wirtschaftsinformatiker der Uni Mannheim untersucht, wie Soziale Medien bald dafür sorgen könnten, dass Unternehmen vom Wissen langjähriger Mitarbeiter profitieren – auch wenn diese dort gar nicht mehr arbeiten

Rente, Elternzeit oder Jobwechsel. Es gibt viele Gründe, warum Mitarbeiter ein Unternehmen verlassen. Doch sie verlassen es in den meisten Fällen nicht alleine. Mit ihnen gehen ihre Erfahrungswerte, die sie beispielsweise in Projekten gesammelt haben, und sehr viel Wissen über Arbeitsabläufe im jeweiligen Unternehmen.

Wie kann verhindert werden, dass dieses Wissen verloren geht? Wie können die Erfahrungswerte langjähriger Mitarbeiter einem Unternehmen erhalten bleiben? Daran forscht derzeit Professor Dr. Alexander Mädche, Wirtschaftsinformatiker an der Universität Mannheim. „WeChange“, so der Name dieses neuen Projekts, ist Teil des Programms „Arbeiten-Lernen-Kompetenzen entwickeln. Innovationsfähigkeit in einer modernen Arbeitswelt“, welches vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird.

„Nur wenn sich Unternehmen ihre Innovationsfähigkeit bewahren, können sie im Wettbewerb mit anderen Unternehmen bestehen“, sagt Professor Mädche, Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftsinformatik IV und geschäftsführender Direktor des Instituts für Enterprise Systems an der Universität Mannheim. „Innovationen sind aber nur möglich, wenn Mitarbeiter nicht bei jedem Projekt wieder von Null anfangen müssen.“ Dazu müsse bereits gesammeltes Wissen dokumentiert werden, was bei vielen Unternehmen derzeit noch sehr unstrukturiert ablaufe. Projekterfahrungen werden in Papierordnern oder auf dem Computer abgelegt und das selten nach System. Ob Soziale Medien wie Facebook oder Twitter das Potenzial haben, Wissen für das Unternehmen und seine zukünftigen Mitarbeiter zu speichern und sinnvoll zu organisieren, das untersucht der Mannheimer Wirtschaftsinformatiker gerade mit seinem Team sowie Wissenschaftlern der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und der CAS Software AG in Karlsruhe.

„Soziale Medien sind mittlerweile fester Bestandteil im Privatleben der meisten Mitarbeiter“, sagt Professor Mädche. „Es ist also eine logische Konsequenz, diese auch in die Arbeitswelt und die darin ablaufenden Geschäftsprozesse zu integrieren.“ Mitarbeiter könnten zum Beispiel über einen Mikroblog á la Twitter miteinander kommunizieren, um Probleme und ihre Lösungen für bestimmte Projektaufgaben mit anderen Mitarbeitern zu teilen. „Eingegebene Twitter-Nachrichten, so genannte Tweets, dürfen jedoch nicht im luftleeren Raum stehen gelassen werden, sondern müssen geordnet und in den richtigen Kontext gebracht werden.“ Das könne zum Beispiel durch Schlagwörter, so genannte Tags, erreicht werden, die Tweets bestimmten Themen zuordnen und durch Bewertungen der Nutzer mithilfe einfacher Sternchen: Hilfreiche Tipps mit vielen Sternen landen somit ganz oben, nutzlose Hinweise ganz unten – ebenfalls ein Konzept, das die meisten Mitarbeiter aus der privaten Nutzung des Internets kennen.

Ob und wie Soziale Medien in die Arbeitswelt integriert werden können, will Professor Mädche durch Befragungen von Unternehmen und deren Mitarbeitern herausfinden. Neben Unternehmen wie der Deutschen Bank kooperiert das Projekt auch mit den öffentlichen Verwaltungen der Städte Karlsruhe und Bochum, die ebenfalls an dieser neuen Form des Wissensmanagements interessiert sind. „Wir halten uns noch offen, was wir von dem Blumenstrauß Sozialer Medien letztendlich nutzen und in betriebliche Software integrieren“, erklärt der Mannheimer Wirtschaftsinformatiker. „Wir wollen uns ganz nach den Wünschen der Menschen richten, denn nur dann werden sie die neuen Werkzeuge auch nutzen und das Unternehmen kann davon profitieren.“

Das Projekt ist auf drei Jahre angelegt. Erste Ergebnisse aus den Befragungen werden im August kommenden Jahres erwartet.

Kontakt:
Prof. Dr. Alexander Mädche
Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik IV
Universität Mannheim
Schloss
68131 Mannheim
Telefon: 0621 / 181- 3606
E-Mail: maedche@eris.uni-mannheim.de
Katja Bär
Pressesprecherin
Tel. 0621 / 181 - 1013
E-Mail: baer@uni-mannheim.de

Katja Bär | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-mannheim.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Kommunikation Medien:

nachricht Wissenschaftler entschlüsseln das „perfekte Selfie“
26.06.2017 | Otto-Friedrich-Universität Bamberg

nachricht Wenn die Bilder lügen - KI-System entlarvt Fake News im Internet
20.04.2017 | Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz GmbH, DFKI

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Kommunikation Medien >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungen

Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien

21.07.2017 | Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblicke unter die Oberfläche des Mars

21.07.2017 | Geowissenschaften

Wegbereiter für Vitamin A in Reis

21.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten