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Wissenschaftler untersuchen mediatisierte Welten von Jugendlichen und Erwachsenen

13.09.2012
Zentrum für Medien-, Kommunikations- und Informationsforschung (ZeMKI) der Universität Bremen koordiniert bundesweites DFG-Schwerpunktprogramm / Zweite Phase startet am 1. Oktober 2012 mit zwölf Projekten / DFG fördert drei Projekte in Bremen insgesamt mit rund einer Million Euro

Den ganzen Tag im Internet surfen, chatten und bloggen: Diese Vorstellung haben heutzutage viele Menschen von Jugendlichen. Dass diese Sichtweise zu einseitig ist, zeigt eine Studie von Bremer Wissenschaftlern.

Die Forscher vom Zentrum für Medien-, Kommunikations- und Informationsforschung (ZeMKI) der Universität Bremen haben zwei Jahre lang das mediale Verhalten von Jugendlichen und jüngeren Erwachsenen untersucht. Ihre Forschungen sind Bestandteil des sechsjährigen bundesweiten Schwerpunktprogramms „Mediatisierte Welten. Kommunikation im medialen und gesellschaftlichen Wandel“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), das die Bremer Wissenschaftler koordinieren.

In der zweiten Förderphase wollen die ZeMKI-Forscher nun ab Oktober 2012 das mediale Verhalten älterer Menschen ergründen und es mit dem der jüngeren vergleichen. Zudem entwickeln sie in einem neuen Projekt wissenschaftliche Methoden für die Erforschung mediatisierter Welten weiter. Koordinator des umfangreichen DFG-Programms, an dem sich bundesweit zwölf Projekte beteiligen, ist Professor Friedrich Krotz vom ZeMKI. Die DFG fördert die Arbeit der Bremer Wissenschaftler in den nächsten zwei Jahren mit rund einer Million Euro.

Musik und Bücher sind für Jugendliche weiterhin wichtig

„Unsere bisherigen Ergebnisse zeigen, dass das allgemein verbreitete Bild junger Menschen als `digital natives`, die immer online sind, so nicht haltbar ist“, sagt Professor Andreas Hepp, der das Projekt „Mediatisierte Alltagswelten translokaler Vergemeinschaftung“ am ZeMKI im Rahmen des DFG-Schwerpunktprogramms leitet. Als „digitale natives“ bezeichnet Hepp Jugendliche und junge Erwachsene, die mit digitalen Medien aufgewachsen sind. Junge Menschen kommunizieren zwar mit Medien und vernetzen sich. Bei ihnen spielen aber nicht nur Social Media wie Facebook und Twitter oder das Mobiltelefon eine Rolle, sondern auch ganz traditionelle Medien wie Fernsehen, Musik oder Bücher. In ihrem Alltag „geht es nicht nur um Online-Vergemeinschaftungen, sondern auch um lokale Vernetzungen innerhalb eines Stadtteils oder Dorfes, um Sportvergemeinschaftungen oder die Familie“, so der Wissenschaftler. Diese Vergemeinschaftungen werden jedoch zunehmend durch Medien gestaltet. Insgesamt unterscheiden Hepp und seine Kollegen vier Typen: Lokalisten, Multilokalisten, Fokussierten und Pluralisten. Bei den Lokalisten steht die örtliche Vernetzung durch die Medien im Zentrum. Bei den Multilokalisten geht es um das Erleben von Gemeinschaft an verschiedenen Orten. „Wobei die Mobilität zwischen ihnen auch über Medien organisiert wird“, sagt Hepp. Bei den Fokussierten ist das Erleben von Gemeinschaft auf ein Thema wie beispielsweise eine Religion oder eine Jugendszene zentriert. Die Pluralisten fühlen sich sehr vielfältigen Gemeinschaften in sehr unterschiedlichen Kontexten zugehörig und managen diese Komplexität über ihre digitalen Medien.

Für ihre Untersuchungen haben die Wissenschaftler in Bremen und Leipzig sowie dem jeweils angrenzenden Umland insgesamt 60 Interviews mit jungen Menschen zwischen 16 und 30 Jahren geführt. Die befragten Personen wurden zudem aufgefordert, Medientagebücher zu führen und ihre medialen Netzwerke auch in Form von „Netzwerkkarten“ aufzuzeichnen. Insgesamt wurde das Projekt mit 450.000 Euro von der DFG gefördert.

In zweiter DFG-Förderphase rücken Ältere in den Fokus

In der zweiten Förderphase des DFG-Programms rücken nun ältere Menschen zwischen 60 und 79 Jahren in den Fokus der Bremer Forscher. In den nächsten zwei Jahren befassen sie sich jetzt mit der Frage, wodurch sich die kommunikativen Vernetzungspraktiken älterer Menschen von denen jüngerer unterscheiden, welchen Stellenwert welche Medien jeweils haben und ob (neue) Formen von medialen Gemeinschaften erkennbar sind. „Gerade der Vergleich unterschiedlicher Generationen ermöglicht es uns dabei, die zivilgesellschaftlichen Herausforderungen der heutigen Medienwelt kritisch zu analysieren“, so Professor Hepp.

Neues Projekt entwickelt Forschungsmethoden weiter

Neu hinzugekommen ist im Rahmen des DFG-Programms in Bremen ein Projekt zur Entwicklung von Methoden für qualitative Langzeitstudien zur Erforschung mediatisierter Welten, das von den ZeMKI-Professoren Friedrich Krotz und Andreas Hepp gemeinsam geleitet wird. Ziel ist es, ein methodisches Instrumentarium zu entwickeln, mit dem sich Mediatisierungsprozesse in einer Langfristperspektive untersuchen lassen. Thema der ersten Erhebungen werden soziale Beziehungen und die Frage sein, wie sich der medienbezogene Wandel von Beziehungen mit innovativen Forschungsinstrumenten angemessen erforschen lässt.

Unter der Leitung von Professor Friedrich Krotz koordiniert das ZeMKI das gesamte DFG-Schwerpunktprogramm. Dazu gehören nicht nur die Koordination und Vernetzung der zwölf Projekte sowie Bündelung der Forschungsergebnisse unter dem theoretischen Dach der „Mediatisierten Welten“. Auch organisiert das ZeMKI nationale und internationale Tagungen und engagiert sich im Rahmen des Schwerpunktprogramms unter anderem auch für Nachwuchsförderung und Gleichstellung.

Informationen zu den Bremer Projekten unter www.zemki.uni-bremen.de/de/forschung/dfg-schwerpunktprogramm-mediatisierte-welten.html

Weitere Informationen:
Universität Bremen
Zentrum für Medien-, Kommunikations- und Informationsforschung (ZeMKI)
Prof. Dr. Friedrich Krotz
Tel.: 0421 218-67625 und 0421 218 67603 (Sekretariat)
E-Mail: Friedrich.Krotz@uni-bremen.de

Prof. Dr. Andreas Hepp
Tel.: 0421 218-67620 und -67601 (Sekretariat)
E-Mail: Andreas.Hepp@uni-bremen.de

Meike Mossig | idw
Weitere Informationen:
http://www.mediatisiertewelten.de
http://www.zemki.uni-bremen.de
http://www.zemki.uni-bremen.de/de/forschung/dfg-schwerpunktprogramm-mediatisierte-welten.html

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