Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wiederholte Meldungen führen zu Finanzmarktblasen

13.06.2013
In modernen Informationsgesellschaften sind Menschen einer Flut an Nachrichten ausgesetzt. Oftmals stellen diese Informationen jedoch nur eine Abwandlung bereits bekannter Meldungen dar.

Nach Experimenten von Verhaltensökonomen der Universität Bonn führen diese permanenten Wiederholungen zu irrationalem Überschwang oder übertriebenem Pessimismus, wodurch sich Finanzmarktblasen oder Verstärkungen von Konjunkturzyklen entwickeln können. Die Ergebnisse werden in der „discussion paper series“ vorgestellt, die vom Institut zur Zukunft der Arbeit herausgegeben wird.

Sich wiederholende Informationen sind in der Wirtschaft allgegenwärtig. Wenn zum Beispiel eine Presseagentur eine positive Wachstumsprognose veröffentlicht, produzieren die Medien hieraus eine Vielzahl an Meldungen mit optimistischer Prognose. Darüber hinaus folgt der Informationsaustausch im Bekanntenkreis einem ähnlichen Muster: Wenn zwei Freunde über ihre Einschätzung zur Entwicklung am Aktienmarkt befragt werden, dann ist es möglich, dass die Meinungen der beiden auf einem Experten im gemeinsamen Bekanntenkreis basieren. „In all diesen Fällen sind die Informationen, die man erhält, nicht unabhängig voneinander“, sagt der Verhaltensökonom Florian Zimmermann, Doktorand bei dem renommierten Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Armin Falk von der Universität Bonn.

Doch welche Folgen hat dieses wiederholte Auftreten von ähnlichen „Stories“? Der Nobelpreisträger George Akerlof und der renommierte Ökonom Robert Shiller äußern schon seit Langem die Vermutung, dass durch die Verbreitung und ständige Wiederholung von Geschichten ganze Volkswirtschaften in irrationalen Überschwang oder übertriebenen Pessimismus verfallen, wodurch sich Finanzmarktblasen oder Verstärkungen von Konjunkturzyklen entwickeln könnten.

Überschwang oder Panik können zu Blasen und Krisen führen

Zimmermann und sein Kollege Benjamin Enke, ebenfalls Doktorand bei Prof. Falk, zeigen nun in einer Serie von Experimenten, dass viele Menschen tatsächlich dazu neigen, häufig nacherzählten Nachrichten zu viel Gewicht beizumessen. „Als Folge sind die Testpersonen bei wiederholt auftretenden positiven Nachrichten übertrieben optimistisch und im umgekehrten Fall zu pessimistisch“, berichtet Enke. In einem Marktexperiment belegen die Autoren, dass diese Phasen von „Überschwang“ oder „Panik“ tatsächlich zu Preisblasen und Krisen führen können.

Die an der wirtschaftswissenschaftlichen Graduiertenschule „Bonn Graduate School of Economics“ der Universität Bonn forschenden Wissenschaftler luden Probanden zu einer Studie in das Bonner Experimentallabor für Wirtschaftswissenschaften (BonnEconLab) ein. Die Aufgabe der Testpersonen bestand darin, sich auf Basis bestimmter Informationen eine Meinung zu bilden. „Vereinfacht ausgedrückt zählten die Probanden wiederholt auftretende Nachrichten doppelt. Als Folge basierten die Einschätzungen der Probanden zu stark auf den häufig wiederholten Informationen und durchliefen dadurch exzessive Schwünge“, erklärt Enke.

Wenn diese Informationen beispielsweise relativ optimistisch waren, ließen sich viele der Probanden von den häufig wiederholten positiven Einschätzungen blenden und bildeten eine zu optimistische Meinung. „Insgesamt zeigt sich, dass Menschen Schwierigkeiten haben, aus häufig wiederkehrenden Nachrichten die richtigen Schlüsse zu ziehen, was beträchtliche Übertreibung in der Meinungsbildung zur Folge hat“, stellt Zimmermann fest.

Drastische Auswirkungen auf das Handelsverhalten

In einem zweiten Experiment testeten die Forscher die potentiellen Folgen der Fehleinschätzung auf das Marktverhalten der Probanden. Sie versorgten die Testpersonen wieder mit sich wiederholenden Informationen, die sich dieses Mal auf den Wert eines fiktiven Handelsguts – etwa einer Aktie – bezogen. „Die Auswirkungen dieser Wiederholungsstruktur auf das Handelsverhalten der Probanden waren drastisch“, berichtet Enke.

Wenn eine positive Nachricht wiederholt auftrat, wurden die Teilnehmer zu optimistisch und kauften das Handelsgut vermehrt. Dieser „irrationale Überschwang“ führte dann zu einer Preisblase - das heißt zu einem Preisniveau, das deutlich über dem fundamentalen Wert des Gutes lag. Wenn demgegenüber eine negative Nachricht immer wieder auftauchte, führte der übertriebene Pessimismus der Marktteilnehmer zu einem Crash, also zu einer Situation, in der wenig gekauft wurde und die Preise deutlich unter dem wahren Wert der Güter lagen.

„Diese Ergebnisse sind konsistent mit der Grundidee von Akerlof und Shiller“, erläutert Zimmermann. Die Resultate der Experimente verdeutlichten, dass das wiederholte Auftreten von ähnlichen Nachrichten nicht nur dazu führt, dass Marktteilnehmer falsche Zukunftserwartungen haben. Vielmehr habe dies systematische ökonomische Konsequenzen, die ganze Märkte betreffen könnten.

Publikation: Correlation Neglect in Belief Formation, Institut zur Zukunft der Arbeit, Discussion Paper No. 7372
Kontakt:

Benjamin Enke
Bonn Graduate School of Economics
Tel. 0228/7362186
E-Mail: Benjamin.Enke@uni-bonn.de

Florian Zimmermann
Bonn Graduate School of Economics
Tel. 0228/739208
E-Mail: florian.zimmermann@uni-bonn.de

Johannes Seiler | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de
http://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=2263648

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Kommunikation Medien:

nachricht Warum wechseln Menschen ihre Sprache?
14.03.2017 | Universität Wien

nachricht Auf Videokacheln basierendes DASH Streaming für Virtuelle Realität mit HEVC vom Fraunhofer HHI
03.01.2017 | Fraunhofer-Institut für Nachrichtentechnik Heinrich-Hertz-Institut

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Kommunikation Medien >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Besser lernen dank Zink?

23.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Innenraum-Ortung für dynamische Umgebungen

23.03.2017 | Architektur Bauwesen