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US-Zeitungsschock: Internet verbläst Print

19.03.2009
Titel-Sterben spitzt sich 2009 weiter zu

Die US-amerikanische Zeitungslandschaft kann sich nicht aus der Schockstarre befreien. Im Vorjahr haben die Nachrichtenangebote im Internet traditionelle Zeitungen nach Nutzung erstmals auf den zweiten Platz verwiesen.

Wie der US-Medien-Jahresbericht 2009 des Pew Research Centers im Zuge des Projects for Excellence in Journalism aufzeigt, haben sich 2008 mehr Leser online als in Print-Ausgaben informiert. 2009 werde sich die Lage angesichts der spürbaren Wirtschaftsflaute noch zuspitzen und sich für die Verlage "zum schlimmsten Jahr überhaupt" entwickeln.

Die Krise beschleunigt den Medienwandel hin zu webbasierten Angeboten und das Zeitungssterben dürfte sich aufgrund einbrechender Werbeeinnahmen weiter fortsetzen. So musste etwa die San Diego Union-Tribune von einem Privatinvestor gerettet werden, wie das Blatt gestern, Mittwochnacht, mitteilte. Damit begibt sich die Zeitung in bekannte Gesellschaft.

Während in den USA innerhalb weniger Wochen gleich mehrere etablierte Titel wirtschaftliche Probleme meldeten, sehen die Aussichten auch für die deutsche Medienlandschaft mehr als düster aus. Dabei konzentrieren sich die Turbulenzen nicht ausschließlich auf den Nachrichtenmarkt, sondern haben auch das Segment mit Publikumszeitschriften und Magazinen im Griff. "Es wird zu weiteren Verlusten von Titeln und Einstellungen von Medien kommen", meint Volker Nickel, Sprecher des Zentralverbandes der deutschen Werbewirtschaft (ZAW), im Gespräch mit pressetext. Der konjunkturbedingte Rückgang der Leserzahlen und die Flaute bei Werbeeinahmen führten etwa zur Einstellung der deutschen Ausgabe des Magazins Vanity Fair (pressetext berichtete: http://pressetext.com/news/090219018/).

Trotz struktureller Unterschiede entwickelt sich der US-amerikanische Medienmarkt ähnlich dem deutschen. Dem Pew-Center zufolge gehörten 2008 neben den klassischen Zeitungen auch Zeitschriften, Radio sowie lokale Fernsehstationen zu den großen Verlierern der Medienkrise. Nachdem etwa der renommierte San Francisco Chronicle drastische Sparmaßnahmen angekündigt hatte, um die Pleite zu verhindern (pressetext berichtete: http://pressetext.com/news/090226017/), gab die Seattle Post vor wenigen Tagen die Einstellung ihrer gedruckten Version bekannt. Das Blatt wird künftig ausschließlich als Web-Version erscheinen. Die Medienexperten deuten den Vorstoß der Print-Titel ins Internet als verzweifelten Versuch, sich vom "Geschäftsmodell des vergangenen Jahrhunderts" zu lösen. Die Gesamtauflage sowie die Erlöse von US-Zeitungen sanken 2008 weiter. Sie legten mit rund 48 Mio. Exemplaren pro Tag eine um 4,6 Prozent geringere Stückzahl auf und erwirtschafteten bei einem Umsatz von 38 Mrd. Dollar 14 Prozent niedrigere Gewinne als 2007.

Online-Angebote sind damit die größten Gewinner der Medienkrise. Der Nutzerzulauf der 50 wichtigsten US-Nachrichtenseiten konnte im Vorjahr um 24 Prozent zulegen, während die Zahl 2007 nur um acht Prozent kletterte. Zwar seien die Verbraucher weiterhin an Nachrichten interessiert, jedoch immer weniger bereit, dafür zu bezahlen. Darüber hinaus hätten Zeitungen gegenüber Internetseiten ein schwerwiegendes Aktualitätsproblem. Die Leser seien nicht daran interessiert, bereits online konsumierte Nachrichten des Vortages in einer Print-Ausgabe des Folgetages wiederzufinden. Neben den Web-Lösungen konnten auch Nachrichtensender im Kabelfernsehen von der Entwicklung profitieren. Die Werbeflaute macht sich nach den Erkenntnissen des Pew-Centers im Qualitätsjournalismus künftig bemerkbar. Von einem Sterben des traditionellen Journalismus zu sprechen, sei jedoch übertrieben.

Manuel Haglmüller | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://pewresearch.org
http://www.zaw.de

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