Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie Übersetzer zwischen den Zeilen lesen und dies übersetzen

08.07.2009
In politischen Reden, Gebrauchsanleitungen oder Romanen wird vieles nur zwischen den Zeilen gesagt. Wie aber werden Anspielungen, feine Nuancen oder Mehrdeutigkeiten in andere Sprachen übersetzt? Erscheinen sie als Andeutung oder werden die Dinge dann eher direkt beim Namen genannt?

Diesen Fragen gingen zwei Forschungsgruppen um Erich Steiner und Stella Neumann (Englische Sprach- und Übersetzungswissenschaft an der Universität des Saarlandes) zusammen mit Silvia Hansen-Schirra (Computerlinguistik, Universität Mainz-Germersheim) in dem Forschungsprojekt Croco nach.

Das Projekt wurde über vier Jahre mit rund 400.000 Euro von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert und wird jetzt vom 31. Juli bis 1. August mit einem internationalen Symposium in Saarbrücken abgeschlossen.

In der Sprach- und Übersetzungswissenschaft wird seit langem die Frage diskutiert, wie Texte durch Übersetzungen verändert werden. Dabei geht es nicht nur um die Informationen, die von den Autoren in ihren Texten nur indirekt angesprochen werden und dann in der Übersetzung ausdrücklich benannt werden. Es wird auch erörtert, ob Übersetzungen häufiger in einer einfacheren und zugleich normierteren Sprache geschrieben sind.

"Wenn man hundert übersetzte Kriminalromane miteinander vergleicht, kann dabei herauskommen, dass sie eine einheitlichere Sprache verwenden als die Originale", erläutert Professor Steiner den Forschungsansatz. Um hierbei neue Erkenntnisse zu gewinnen, verglichen die Forschungsgruppen verschiedene Texttypen vom Roman und Essay über Politikerreden und Tourismusbroschüren bis hin zu Gebrauchsanleitungen und geschäftlicher Korrespondenz.

Bei der Auswertung dieser großen Textmengen konnten die Wissenschaftler auf Methoden und Analysewerkzeuge zurückgreifen, die in der Computerlinguistik an der Universität des Saarlandes entwickelt wurden. "Durch diese elektronische Analyse konnten wir nicht nur die Wortwahl, den Satzbau, die Informationsstruktur und die Genauigkeit der Übersetzungen bewerten. Wir fanden auch heraus, wo Übersetzer manchmal kreativer und besser formulierten als die Autoren im Original und damit ihre Zielsprache bereichern", sagte der Sprachwissenschaftler Erich Steiner. Pauschal könne man daher nicht behaupten, dass Übersetzungen grundsätzlich einfacher und buchstabengetreuer daher kämen. Es sei aber bei der empirischen Auswertung ein Trend auszumachen, dass Übersetzungen nicht die ganze Ausdrucksvielfalt der Originaltexte widerspiegelten, selbst wenn sie in mancherlei Hinsicht präziser sein mögen als ihre Quelltexte.

Bei dem Symposium in Saarbrücken, mit dem das Croco-Forschungsprojekt abschließt, werden führende internationale Wissenschaftler auf dem Gebiet der empirischen Analyse von Übersetzungen die Forschungsergebnisse erörtern. Dafür werden Linguisten von Universitäten und Forschungsinstituten in Oslo, Kopenhagen, Hongkong und Tel Aviv sowie aus Darmstadt, Hamburg und Mainz nach Saarbrücken kommen und aus ihren Arbeiten zu Übersetzung, Sprachkontakt und Sprachwandel berichten. Vertreter der Medien sind bei dem Fachkongress willkommen.

Fragen beantworten:

Prof. Dr. Erich Steiner
Tel.: 0681/302-4482
E-Mail: E.Steiner@mx.uni-saarland.de
Privatdozentin Dr. Stella Neumann
Tel.: 0681/302-64307
E-Mail: st.neumann@mx.uni-saarland.de

Friederike Meyer zu Tittingdorf | idw
Weitere Informationen:
http://fr46.uni-saarland.de/croco/
http://fr46.uni-saarland.de/croco/symposium.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Kommunikation Medien:

nachricht mce mediacomeurope schließt Kooperationsvertrag mit Anixe TV
13.04.2018 | mce mediacomeurope GmbH

nachricht Gebärdensprache neu gedacht
14.03.2018 | Universität Siegen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Kommunikation Medien >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

Passt eine ultrakalte Wolke aus zehntausenden Rubidium-Atomen in ein einzelnes Riesenatom? Forscherinnen und Forschern am 5. Physikalischen Institut der Universität Stuttgart ist dies erstmals gelungen. Sie zeigten einen ganz neuen Ansatz, die Wechselwirkung von geladenen Kernen mit neutralen Atomen bei weitaus niedrigeren Temperaturen zu untersuchen, als es bisher möglich war. Dies könnte einen wichtigen Schritt darstellen, um in Zukunft quantenmechanische Effekte in der Atom-Ion Wechselwirkung zu studieren. Das renommierte Fachjournal Physical Review Letters und das populärwissenschaftliche Begleitjournal Physics berichteten darüber.*)

In dem Experiment regten die Forscherinnen und Forscher ein Elektron eines einzelnen Atoms in einem Bose-Einstein-Kondensat mit Laserstrahlen in einen riesigen...

Im Focus: Algorithmen für die Leberchirurgie – weltweit sicherer operieren

Die Leber durchlaufen vier komplex verwobene Gefäßsysteme. Die chirurgische Entfernung von Tumoren ist daher oft eine schwierige Aufgabe. Das Fraunhofer-Institut für Bildgestützte Medizin MEVIS hat Algorithmen entwickelt, die die Bilddaten von Patienten analysieren und chirurgische Risiken berechnen. Leberkrebsoperationen werden damit besser planbar und sicherer.

Jährlich erkranken weltweit 750.000 Menschen neu an Leberkrebs, viele weitere entwickeln Lebermetastasen aufgrund anderer Krebserkrankungen. Ein chirurgischer...

Im Focus: Positronen leuchten besser

Leuchtstoffe werden schon lange benutzt, im Alltag zum Beispiel im Bildschirm von Fernsehgeräten oder in PC-Monitoren, in der Wissenschaft zum Untersuchen von Plasmen, Teilchen- oder Antiteilchenstrahlen. Gleich ob Teilchen oder Antiteilchen – treffen sie auf einen Leuchtstoff auf, regen sie ihn zum Lumineszieren an. Unbekannt war jedoch bisher, dass die Lichtausbeute mit Elektronen wesentlich niedriger ist als mit Positronen, ihren Antiteilchen. Dies hat Dr. Eve Stenson im Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) in Garching und Greifswald jetzt beim Vorbereiten von Experimenten mit Materie-Antimaterie-Plasmen entdeckt.

„Wäre Antimaterie nicht so schwierig herzustellen, könnte man auf eine Ära hochleuchtender Niederspannungs-Displays hoffen, in der die Leuchtschirme nicht von...

Im Focus: Erklärung für rätselhafte Quantenoszillationen gefunden

Sogenannte Quanten-Vielteilchen-„Scars“ lassen Quantensysteme länger außerhalb des Gleichgewichtszustandes verweilen. Studie wurde in Nature Physics veröffentlicht

Forschern der Harvard Universität und des MIT war es vor kurzem gelungen, eine Rekordzahl von 53 Atomen einzufangen und ihren Quantenzustand einzeln zu...

Im Focus: Explanation for puzzling quantum oscillations has been found

So-called quantum many-body scars allow quantum systems to stay out of equilibrium much longer, explaining experiment | Study published in Nature Physics

Recently, researchers from Harvard and MIT succeeded in trapping a record 53 atoms and individually controlling their quantum state, realizing what is called a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

Visual-Computing an Bord der MS Wissenschaft

17.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

18.05.2018 | Physik Astronomie

Countdown für Kilogramm, Kelvin und Co.

18.05.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics