Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

TU Ilmenau startet umfassende Erforschung von Computerspielen

29.04.2009
Die Technische Universität Ilmenau startet die umfassende Erforschung von Computerspielen.

Bereits zum 1. April hatte die Universität eine Junior-Professur eingerichtet, die die sozialwissenschaftlichen Aspekte digitaler Spiele beleuchtet, ab Mai werden Computerspiele mit einer weiteren Professur auch hinsichtlich neuer Technologien erforscht.

Diese Verquickung ist an deutschsprachigen Universitäten bislang einzigartig. Die Forschung der TU Ilmenau umfasst die Entwicklung von Computerspielen, die Produktion, die Verteilung und die Anwendung durch die Nutzer.

Computerspiele werden zunehmend auch im Internet genutzt, dem Leitmedium von Kindern und Jugendlichen. Täglich sind in Deutschland Hunderttausende von Menschen online, um zu spielen - nicht nur junge Menschen, sondern auch Erwachsene. "Digitale Spiele sind also durchaus dazu geeignet zu untersuchen, wie sich die Mediatisierung der Gesellschaft entwickelt", sagt Jeffrey Wimmer, Inhaber der Junior-Professur 'Sozialwissenschaftliche Aspekte von Computerspielen'. Über die Gefahren der sogenannten Killerspiele wird hinlänglich diskutiert: Gewaltbereitschaft, Suchtgefährdung, soziale Isolation bis hin zu totaler Vereinsamung sind Schlagworte der aktuellen Diskussion.

Prof. Wimmer will sich in seiner Forschung aber nicht nur auf unmittelbare Wirkungen von Computerspielen auf die Nutzer beschränken, also etwa eventuelle psychische Schädigungen Jugendlicher. Er wird auch die Integration der Computerspiele in das Alltagsleben der Spieler in den Blick nehmen, das heißt auch langfristige Chancen und Risiken für die ganze Gesellschaft. Der Wissenschaftler erkennt in Computerspielen so durchaus auch positive Auswirkungen: "Sie könnten Lernprozesse stimulieren oder neue Formen von Gruppenaktivitäten in sogenannten Communities, Clans und Gilden fördern und helfen, soziale, aber auch technische Kompetenzen zu erwerben".

Prof. Wolfgang Broll, Leiter des Fachgebiets 'Virtuelle Welten und Digitale Spiele' erforscht Spiele in technischer Hinsicht. Er stellt fest: "Die Entwicklung im Bereich der PC- und Konsolenspiele stagniert bereits. Damit können kaum noch neue Nutzergruppen erschlossen werden. Die Zukunft liegt in den Bereichen 'Serious Games' und mobile Spiele". Schwerpunkt seiner Forschung werden daher Technologien für sogenannte 'Pervasive Games' sein, also Spiele, die man an jedem beliebigen Ort spielen kann, und bei denen Elemente der jeweiligen Umgebung so in das Spiel einbezogen werden, dass der Spieler in eine real-fiktive Welt eintaucht. Gerade hierbei sei die Zusammenarbeit mit der Sozialwissenschaft sehr vorteilhaft: "Nur so erfahre ich etwas darüber, wie solche Technologien von den Anwendern angenommen und genutzt werden. Dies wiederum ist die Grundlage für die Erforschung der nächsten Generation digitaler Spiele", sagt Prof. Broll.

Mit den beiden Computerspiel-Professuren sucht die TU Ilmenau den direkten Dialog mit der Industrie. "Wissenschaftliche Erkenntnisse können bei der Entwicklung und Ausrichtung neuer Spiele konkret weiter helfen und sicher auch ihre Verkaufszahlen steigern", sagt Prof. Wimmer. Die beiden Wissenschaftler wollen daher künftig gezielt untersuchen, wie sich einzelne Technologien auf den Verkauf auswirken, welche Games die Internetspieler gut und welche sie schlecht finden. Ilmenauer Studenten der Medien- und Kommunikationswissenschaften, die sich in Computerspielen spezialisieren werden, könnten für die Industrie als Mitarbeiter von größtem Interesse sein. Insbesondere in konzeptionellen Berufen im Medienbereich, in denen fundierte Kenntnisse sowohl technischer als auch sozialer Aspekte nötig sind.

Marco Frezzella
TU Ilmenau
Pressesprecher
03677 / 69-5003

Bettina Wegner | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-ilmenau.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Kommunikation Medien:

nachricht Zwischen Filterblasen, ungleicher Sichtbarkeit und Transnationalität
06.12.2017 | Schweizerischer Nationalfonds SNF

nachricht Soundbar reduziert Höranstrengung
25.10.2017 | Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie IDMT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Kommunikation Medien >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Im Focus: Scientists decipher key principle behind reaction of metalloenzymes

So-called pre-distorted states accelerate photochemical reactions too

What enables electrons to be transferred swiftly, for example during photosynthesis? An interdisciplinary team of researchers has worked out the details of how...

Im Focus: Erstmalige präzise Messung der effektiven Ladung eines einzelnen Moleküls

Zum ersten Mal ist es Forschenden gelungen, die effektive elektrische Ladung eines einzelnen Moleküls in Lösung präzise zu messen. Dieser fundamentale Fortschritt einer vom SNF unterstützten Professorin könnte den Weg für die Entwicklung neuartiger medizinischer Diagnosegeräte ebnen.

Die elektrische Ladung ist eine der Kerneigenschaften, mit denen Moleküle miteinander in Wechselwirkung treten. Das Leben selber wäre ohne diese Eigenschaft...

Im Focus: The first precise measurement of a single molecule's effective charge

For the first time, scientists have precisely measured the effective electrical charge of a single molecule in solution. This fundamental insight of an SNSF Professor could also pave the way for future medical diagnostics.

Electrical charge is one of the key properties that allows molecules to interact. Life itself depends on this phenomenon: many biological processes involve...

Im Focus: Wie Metallstrukturen effektiv helfen, Knochen zu heilen

Forscher schaffen neue Generation von Knochenimplantaten

Wissenschaftler am Julius Wolff Institut, dem Berlin-Brandenburger Centrum für Regenerative Therapien und dem Centrum für Muskuloskeletale Chirurgie der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

2. Hannoverscher Datenschutztag: Neuer Datenschutz im Mai – Viele Unternehmen nicht vorbereitet!

16.01.2018 | Veranstaltungen

Fachtagung analytica conference 2018

15.01.2018 | Veranstaltungen

Tagung „Elektronikkühlung - Wärmemanagement“ vom 06. - 07.03.2018 in Essen

11.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal mit neuem Onlineauftritt - Lösungskompetenz für alle IT-Szenarien

16.01.2018 | Unternehmensmeldung

Die „dunkle“ Seite der Spin-Physik

16.01.2018 | Physik Astronomie

Wetteranomalien verstärken Meereisschwund

16.01.2018 | Geowissenschaften