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Schwedische und deutsche Chatter benutzen Partikeln wie hm und nein auf eine neue Art und Weise

14.05.2013
Chatter im Internet benutzen Gesprächspartikeln wie ja, hm und okay anders als im traditionellen Sprachgebrauch, sowohl in Schwedisch als auch in Deutsch. Ein Wort wie hm kann zum Beispiel nach der eigenen Äußerung stehen, um eine grüblerische Einstellung zum Inhalt auszudrücken. Das geht aus einer Dissertation über deutsche und schwedische Chat-Sprache an der Universität Göteborg hervor.

Mit anderen Menschen schriftlich im Internet zu diskutieren ist eine Kommunikationsform, die in den letzten Jahren markant zugenommen hat. Die Vorgehensweise kann ganz unterschiedlich sein, z.B. via Diskussionsforen, Twitter, Facebook und Chat.

Helena Nilsson hat die Interaktion in offenen Chat-Räumen im Internet untersucht, die nicht an ein bestimmtes Fach- oder Interessengebiet gebunden sind. Im Chat-Raum treffen sich Erwachsene für ein Plauderstündchen. Helena Nilsson hat sich besonders dafür interessiert, wie die Chat-Teilnehmer sprachliche Mittel anwenden, die sowohl in deutschen als auch in schwedischen Gesprächen typisch sind, nämlich Gesprächspartikeln wie ja, hm und okay.

„Das ist die erste vergleichende Untersuchung dieser Gesprächspartikeln im Schwedischen und im Deutschen“, erklärt Helena Nilsson. Ihre Analyse umfasste ein umfangreiches digitales Korpus, das aus den gesamten zweiwöchigen Aktivitäten eines deutschen und eines schwedischen Chat-Raums bestand.

In gewissen Zusammenhängen, z.B. wenn man als Chatter mitteilen will, dass man der gleichen Meinung ist wie ein anderer Chatter, werden Gesprächspartikeln genauso wie in der gesprochenen Sprache benutzt. Ein wichtiges Resultat ist jedoch, dass die Wörter in Zusammenhängen angewendet werden, wo sie eigentlich nicht für die schriftliche Kommunikation notwendig sind, aber einen guten Übergang zwischen dem Beitrag des Gesprächspartners und dem eigenen Beitrag bilden.
A: [zu B] war am nachmittag mit dem Motorrad unterwegs, war echt gut
B: [zu A] ja aber sei vorsichtig, wo warst du denn so??

Indem man eine Äußerung mit einem ja einleitet, kann man als Teilnehmer zeigen, dass man an die Äußerung des Gesprächspartners anknüpfen will, wobei das ja jedoch keineswegs eine Zustimmung bedeuten muss.

Die Dissertation zeigt auch, dass Gesprächspartikeln mehrere chatspezifische Funktionen haben. Mit einem nein wird z.B. im schwedischen Chat ausgedrückt, dass man auf dem Wege ist, den Chat-Raum zu verlassen. Eine Gesprächspartikel kann auch nach der eigenen Äußerung stehen, um dem Chat-Partner zu zeigen, wie die Äußerung aufzufassen ist.

Helena Nilsson hat auch gewisse Unterschiede zwischen dem deutschen und dem schwedischen Chat-Raum gefunden. Für die Teilnehmer im schwedischen Chat-Raum ist es wichtig, dem Chatpartner eine Wahrnehmung des Beitrags mitzuteilen, oft als neutrales okay oder als eine vage Zustimmung in Form eines mm. Die Teilnehmer im deutschen Chatraum haben eine größere Variation in ihrem Sprachgebrauch und benutzen andere sprachliche Mittel, mit denen sie den Empfang einer Äußerung bestätigen.

„Die Ergebnisse der Untersuchung tragen zu einem besseren Verständnis über unsere Anpassung der Sprache an die technischen Voraussetzungen bei. Für die Kommunikation im Chat mit zusammenhängenden Äußerungen sind sprachliche Mittel sehr wichtig. Gleichzeitig benutzen die Teilnehmer die Gesprächspartikeln bewusst, um das gesprochene Gespräch zu imitieren“, erklärt Helena Nilsson.

Titel der Dissertation: Zu Form- und Funktionsvariation der Gesprächspartikeln HM, JA, OKAY und NEIN und ihren schwedischen Entsprechungen in der Chat-Kommunikation


Weitere Information:

Helena Nilsson, Tel.: 031-786 6991 oder 0705-685069,
Email: helena.nilsson@gu.se

Annika Koldenius | idw
Weitere Informationen:
http://www.gu.se

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