Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

SchülerVZ, MySpace, Wer kennt wen?

31.08.2010
Das soziale Leben Jugendlicher findet zu einem wesentlichen Teil im Netz(werk) statt. Im Rahmen des Medienkonvergenz-Monitoring leitete Prof. Dr. Bernd Schorb eine Untersuchung zum Umgang Jugendlicher mit Sozialen online-Netzwerken, deren Ergebnisse nun vorliegen.

Für Jugendliche und ihr soziales Leben sind Netzwerkplattformen unentbehrlich geworden. Soziale Netzwerkplattformen sind für sie Treffpunkte des Freundeskreises, Kontaktbörsen und Flächen zur Selbstdarstellung.

Prof. Dr. Bernd Schorb, Leiter der Untersuchung und Professor für Medienpädagogik und Weiterbildung am Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft (KMW) der Universität Leipzig, bekräftigt: "Soziale Online-Netzwerke haben sich innerhalb kürzester Zeit verbreitet und zu einem zentralen Bestandteil des Medienalltags Jugendlicher entwickelt.

Damit einher geht auch eine neue Qualität der Beziehungsarbeit, mit der Jugendliche heute selbstverständlich aufwachsen". Dabei weist der Medienexperte auch auf Risiken hin: "Die Netzwerkplattformen bieten Heranwachsenden ohne Zweifel viele Möglichkeiten, haben aber auch problematische Seiten, insbesondere, wenn es um Differenzen im sozialen Miteinander oder den Umgang mit persönlichen Daten geht".

Chancen und Gefahren der sozialen Netzwerke belegen die aktuellen Ergebnisse, die auf Daten einer quantitativen Online-Befragung von 8.382 NutzerInnen sozialer Netzwerkplattformen zwischen 12 bis 19 Jahren im Januar 2009 und auf qualitativen Interviews mit 31 Jugendlichen selben Alters. Die Untersuchung wurde im Rahmen des Medienkonvergenz Monitoring (MeMo) durchgeführt, das von der Sächsischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (SLM) gefördert wird.

Die Ergebnisse

"Ich bin da eigentlich ständig". Soziale Online-Netzwerke sind zu einem Ritual jugendlicher Inter-netnutzung geworden, das oft parallel zu anderen Medien- bzw. Internetaktivitäten erfolgt. Dabei zeigt sich ein deutlicher Trend zur Nutzung mehrerer Netzwerkplattformen: insgesamt 70 Prozent der online befragten Jugendlichen sind auf mindestens zwei Online-Netzwerken aktiv. Ein Fünftel der Befragten nutzt drei und ein Zehntel sogar vier soziale Netzwerke. Grund dafür ist, dass sich die Jugendlichen auf verschiedenen Plattformen mit unterschiedlichen Freundeskreisen vernetzen, neue Kontakte zu ‚Gleichgesinnten‘ suchen und spezifische inhaltliche wie funktionale Ausrichtungen der verschiedenen Plattformen schätzen.

"Da spielt sich halt auch außerhalb von der Schule das soziale Leben ab". Die soziale Beziehungsarbeit ist für Jugendliche das Wichtigste an den Netzwerkplattformen: es geht ihnen darum, Freundschaften zu pflegen, den gemeinsamen Alltag zu organisieren und neue Freunde kennen zu lernen. Die virtuelle Welt ist damit keine, die mit der realen Welt der Jugendlichen nichts gemein hat. Vielmehr stellt sie eine Erweiterung und Fortsetzung des sozialen Raums im Digitalen dar. Das Mitmachen auf Netzwerkplattformen ermöglicht Heranwachsenden auch, sich sozial zu integrieren, über persönlich wichtige Themen zu diskutieren und damit nicht zuletzt an der (Medien-)Gesellschaft teilzuhaben.

"Ich will vor allen Dingen meinen Charakter darstellen." Die Mehrheit der Jugendlichen schätzt die Möglichkeiten, sich im sozialen Raum Online-Netzwerke selbst darzustellen und sich anderen damit zu präsentieren, insbesondere im Rahmen der Gestaltung eigener Profilseiten und der Mitgliedschaft in Gruppen. Hier präsentieren die Heranwachsenden die vielfältigen Facetten ihrer Persönlichkeit. Nur für einen kleinen Teil der Befragten ist dabei das Hineinschlüpfen in andere Rollen und damit das mediale Probehandeln bedeutsam. Die meisten Jugendlichen legen vielmehr Wert auf eine (nach subjektiven Kriterien) authentische Selbstdarstellung.

"Weil es für mich eine einfache Kommunikationsmöglichkeit ist." Die interpersonale Kommunikation mit Freunden und Bekannten ist die wichtigste Funktion der Netzwerkplattformen für die befragten Jugendlichen. Ausgangspunkt dafür sind die Profilseiten, die neben der eigenen Präsentationsfläche auch einen gemeinsamen Kommunikationsraum darstellen. Dabei findet der Austausch sowohl über Nachrichten, Pinnwände und plattforminterne Instant-Messenger statt, als auch über die Profile und ihre Vernetzungstools (wie Freundeslisten und Gruppen). Auch Bilder sind Mittel der Kommunikation: Die überwiegende Mehrheit der Befragten hat schon selbst Bilder auf Plattformen gestellt, z.B. zu gemeinsamen Erlebnissen mit Freunden, sowie Bilder anderer NutzerInnen kommentiert, was wiederum Anlass für weitere verbale Kommunikation ist. Dieses produktive und kommunikative Mitgestalten des Netzwerkes ist damit eng mit den sozialen Interessen der Jugendlichen verbunden.

Die Nutzung von Netzwerkplattformen hat auch ihre problematischen Seiten:
"Ich wurde gemobbt": Fast jede/r Vierte der Befragten gibt an, bereits schlechte Erfahrungen bei der Nutzung Sozialer Online-Netzwerke gemacht zu haben. Diese Erfahrungen beziehen sich vor allem auf Probleme im sozialen Miteinander zwischen den Nutzenden. Thematisiert werden insbesondere Beleidigungen, Bedrohungen und Mobbing, aber auch sexuelle Belästigung, von denen vor allem Mädchen betroffen sind. Zugleich gibt jede/r sechste Befragte an, schon selbst in Netzwerkplattformen etwas getan zu haben, das sie/er im Nachhinein bereut hat. Begünstigt wird dieses problematische Handeln durch die Möglichkeit des anonymen bzw. pseudonymen Agierens in den Netzwerken.

"Ich find das blöd, wenn Leute ihre Seite verstecken. Das ist doch dann sinnlos". Fast alle befragten Heranwachsenden kennen die Privatsphäre-Einstellung und damit die Möglichkeit, den Zugriff Fremder auf das eigene Profil zu unterbinden. Weniger als die Hälfte der Befragten macht von dieser Funktion Gebrauch. Zentrale Gründe, den Zugang auf die eigenen Daten nicht zu beschränken, sind insbesondere der Aufbau neuer Beziehungen und der Wunsch nach umfassender Selbstpräsentation. Zugleich werden Gefahren bei der Preisgabe persönlicher Daten durchaus wahrgenommen. Dieses Spannungsverhältnis führt zu Unsicherheiten im Handeln der Jugendlichen, die auf notwendige medienpädagogische Unterstützung verweisen.

Die Ergebnisse sind abrufbar unter www.medienkonvergenz-monitoring.de .
Mail: redaktion-memo@uni-leipzig.de / Telefon: 0341 / 9735888

Dr. Manuela Rutsatz | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-leipzig.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Kommunikation Medien:

nachricht Moderne Medientechnik im Atlasgebirge
17.08.2017 | Universität Siegen

nachricht Wissenschaftler entschlüsseln das „perfekte Selfie“
26.06.2017 | Otto-Friedrich-Universität Bamberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Kommunikation Medien >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Salmonellen als Medikament gegen Tumore

HZI-Forscher entwickeln Bakterienstamm, der in der Krebstherapie eingesetzt werden kann

Salmonellen sind gefährliche Krankheitserreger, die über verdorbene Lebensmittel in den Körper gelangen und schwere Infektionen verursachen können. Jedoch ist...

Im Focus: Salmonella as a tumour medication

HZI researchers developed a bacterial strain that can be used in cancer therapy

Salmonellae are dangerous pathogens that enter the body via contaminated food and can cause severe infections. But these bacteria are also known to target...

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Konferenz IT-Security Community Xchange (IT-SECX) am 10. November 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Luftfracht

23.10.2017 | Veranstaltungen

Ehrung des Autors Herbert W. Franke mit dem Kurd-Laßwitz-Sonderpreis 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Magma sucht sich nach Flankenkollaps neue Wege

23.10.2017 | Geowissenschaften

Neues Sensorsystem sorgt für sichere Ernte

23.10.2017 | Informationstechnologie

Salmonellen als Medikament gegen Tumore

23.10.2017 | Biowissenschaften Chemie