Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

"Neulich mit Irmgard im Fernseher" Selbstbestimmt Leben im Alter mit Mikrosystemtechnik

18.01.2010
Obwohl sie nicht mehr sehr rüstig ist, möchte die ältere Dame nicht auf ihre Eigenständigkeit verzichten. Gerade hat sie sich über den Fernseher mit ihrer alten Schulfreundin zugeprostet.

Nun schaltet sie auf einen anderen Kanal und wird mit ihrem Enkel verbunden, der ihr die Programmierung ihres Videorekorders erklärt und seinerseits selbst im Fernseher sieht, ob seine Großmutter die vereinbarten Schritte verstanden hat.

Was wie ein Skype-Grundkurs anmutet, ist nur eines von unzähligen Szenarien im Leben von älteren Menschen, das dank aktueller Forschung bald Wirklichkeit sein wird. Was nämlich für Nutzer moderner Kommunikationsmedien selbstverständlich erscheint, ist für die meisten älteren Menschen aufgrund der technischen Komplexität undenkbar. Nichtsdestotrotz verfügen alte, häufig alleinstehende Menschen mit Fernseher, Telefon oder Radio gewissermaßen über eine mediale Grundausstattung, die ihnen bei entsprechender Verknüpfung im Alltag überaus hilfreich sein kann.

Was in den letzten Jahren mit dem Schlagwort "Ambient Assisted Living" (AAL) geprägt wurde, nimmt nun konkrete Gestalt an. Im Applikationszentrum "Smart System Integration" am Fraunhofer IZM werden zusammen mit Partnern Technologien entwickelt, die nachrüstbar, zum vertrauten Umfeld passend und bezahlbar sind. Zudem können die zu entwickelnden Technologien an den individuellen Bedarf angepasst und mit einer durchgehenden Beratung bis zum Service angeboten werden.

Innerhalb des Projekts SELBST (Selbstbestimmt Leben im Alter mit Mikrosystemtechnik) arbeitet Maik Hampicke vom Applikationszentrum "Smart System Integration" (APZ) u.a. gemeinsam mit den Experten der Berliner ESYS GmbH an einem elektronischen Baukastensystem, das aus vier Kernkomponenten besteht: einer Sensorik, deren Datenverarbeitung, einem Aktormodul, das gegebenenfalls aktiv in eine bestimmte Situation eingreift sowie einer Fernübertragungseinheit, um z.B. im Notfall einen Alarm auszulösen oder Positionsdaten per GPS zu senden. Auf Basis eines solchen Baukastens lassen sich einfache aber sehr wirkungsvolle Anwendungen zur individuellen Unterstützung älterer Menschen realisieren: "Denken Sie beispielsweise an die Altersdemenz. Ein winziges Modul in der Jackentasche eines älteren Menschen könnte etwa beim Verlassen der Wohnung automatisch alle womöglich vergessenen Haushaltsfunktionen ausschalten - den Herd, das fließende Wasser, den Ölradiator", so der promovierte Elektrotechniker.

Solche assistierenden Module, die nicht nur das Leben enorm erleichtern, sondern auch hauswirtschaftliche Schäden vermeiden können, werden am APZ mittels Mikrosystemtechnik auf ein handliches Format geschrumpft und hinsichtlich ihrer Energieeffizienz und Zuverlässigkeit optimiert. "Dabei nutzen wir so viele vorhandene Ein- und Ausgabegeräte wie möglich: den Fernseher oder Videokameras. Diese kombinieren wir mit neuen Mikromodulen. Solche Gerätekombinationen können etwa registrieren, ob eine Person plötzlich regungslos am Boden liegt und im Notfall selbstständig medizinische Hilfe anfordern."

Um derartige Lösungen gezielt zu vermitteln, beteiligt sich mit der PME Familienservice GmbH ein mittelständisches Unternehmen, das bereits Eldercare Beratungs- und Vermittlungsleistungen zur Entlastung erwerbstätiger Familienangehöriger anbietet und dessen Angebot nun in einer durchgehenden Wertschöpfungs- und Dienstleistungskette um technische Ambient Assisted Living-Lösungen ergänzt wird.

Partner an der Universität der Künste sorgen zusätzlich für ein ansprechendes Design, um die hohen Akzeptanzforderungen zu erfüllen und einer Stigmatisierung entgegenzutreten. Ergänzt werden die Arbeiten durch beratende Tätigkeiten der SIBIS GmbH im sozialwissenschaftlichen und des Zentrums für Mikrosystemtechnik (ZEMI) im mikrosystemtechnischen Bereich.

Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen der Initiative "Altersgerechte Assistenzsysteme für ein gesundes und unabhängiges Leben - AAL" finanziell unterstützt.

Im weiteren Projekt wird für Installation, Wartung und Service der neu entwickelten Technik ein Konzept entwickelt, mit dem lokale mittelständische Handwerksbetriebe z.B. Rundfunk- oder Elektrofachgeschäfte in die Wertschöpfungskette eingebunden werden. Damit ist später gewährleistet, dass die Älteren im Bedarfsfall über Dienstleister mit räumlicher und persönlicher Nähe unterstützt werden können.

Applikationszentrum "Smart System Integration"
Das Applikationszentrum "Smart System Integration" wird durch eine Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert und hat sich das Ziel gesetzt, zusammen mit kleinen und mittelständischen Unternehmen die Möglichkeiten der Mikrosystemtechnik in neue und innovative Anwendungen zu bringen.

Bei seiner Arbeit kann das Zentrum auf die Strukturen und Leistungen eines der leistungsfähigsten Institute in der Aufbau- und Verbindungstechnik und Systemintegration zurückgreifen: Hier - am Fraunhofer IZM - bieten wir eine technisch durchgängige Prozesskette an und garantieren so die notwendige Flexibilität, um einzelne Prozessschritte auf viele Anwendungen anpassen zu können.

Georg Weigelt | idw
Weitere Informationen:
http://www.izm.fraunhofer.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Kommunikation Medien:

nachricht Warum wechseln Menschen ihre Sprache?
14.03.2017 | Universität Wien

nachricht Auf Videokacheln basierendes DASH Streaming für Virtuelle Realität mit HEVC vom Fraunhofer HHI
03.01.2017 | Fraunhofer-Institut für Nachrichtentechnik Heinrich-Hertz-Institut

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Kommunikation Medien >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise