Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neues Kabelnetzlabor stärkt Kompetenz in der Kommunikationstechnik

26.11.2010
Am 25. November wurde an der Hochschule Magdeburg-Stendal ein Kabelnetzlabor eingeweiht. Mit dem so genannten Systemintegrationslabor erweitert das Institut für Elektrotechnik seine Möglichkeiten der praxisnahen Ausbildung sowie als Dienstleister für Hersteller und Netzanbieter.

Die Hochschule ist damit in der Lage, beliebige heute gängige und auch für die Zukunft interessante Systemkonfigurationen zusammenzustellen und dann Messungen daran vorzunehmen. Systemintegrationslabore werden benötigt, weil in den echten Netzen keine praktischen Versuche stattfinden können.

Die Anlage ist der Hochschule von Firma Nokia Siemens Networks kostenlos zur Verfügung gestellt worden. Der heutige Wert der ursprünglich etwa 1,5 Mio. DM teuren Laboreinrichtung liegt nach Angaben von Prof. Dr. Dieter Schwarzenau heute bei ca. 220.000 Euro. Schwarzenau ist Professor für Kommunikationstechnik und hat maßgeblichen Anteil an der Installation der neuen Anlage. Die Hochschule Magdeburg-Stendal ist die einzige Hochschule in Deutschland, die eine solche Anlage besitzt. Das Labor hat eine Fläche von ca. 110 Quadratmetern. Die Herrichtung hat ca. 100.000 Euro gekostet (doppelter Fußboden, Klimaanlage usw.). Insgesamt gehören mehr als 10.000 Meter verschiedener Kabel zur Ausstattung.

Es handelt sich um ein so genanntes Systemintegrationslabor. Es lässt sich in diesem Labor ein komplettes Kabelfernsehnetz nachstellen, also ein Netz, das normalerweise Ausdehnungen von etlichen Quadratkilometern hat und an dem tausende von Nutzern angeschlossen sind. Es sind alle Einrichtungen vorhanden, um in diesem Netz auch alle heute gängigen Dienste zu übertragen, d. h. Fernsehen, Tonrundfunk, Telefon und Internet. Zusätzlich wurden uns auch viele professionelle Messgeräte überlassen, mit denen die zu diesen Diensten gehörenden Signale analysiert werden können.

Die Spende ergänzt in idealer Weise die Systemteile, die in den letzten zehn Jahren aus verschiedenen Quellen übernommen werden konnten. Die Hochschule ist damit in der Lage, beliebige heute gängige und auch für die Zukunft interessante Systemkonfigurationen zusammenzustellen und dann Messungen daran vorzunehmen. Dabei sind folgende Aspekte besonders interessant:

1. In einem realen Netz können praktische Versuche nur sehr eingeschränkt vorgenommen werden, weil jederzeit sicher gestellt sein muss, dass die Dienste funktionieren. Kunden des Netzes würden mit wenig Verständnis reagieren, wenn z. B. bei der Übertragung eines Fußballländerspiels das Fernsehbild ausfällt, weil der Netzbetreiber gerade eine neue Gerätekonstellation erprobt.

2. Wie in vielen anderen Bereichen der Nachrichtentechnik lösen auch beim Fernsehen moderne digitale Techniken die frühere Analogtechnik ab. Wir leben in dem Jahr, für das in Deutschland der vollständige Ausstieg aus dem analogen terrestrischen Rundfunk beschlossen war. Die Vorteile sind zu verlockend: Man benötigt deutlich weniger Übertragungskapazität und kann in einem Kanal, in dem früher ein Programm in Analogtechnik übertragen wurde, ca. vier bis sechs digitale Kanäle übertragen. Bis heute kann aber noch niemand genau sagen, wie sich rein digital betriebene Kabelnetze verhalten, d. h. wie viele Kanäle ohne gegenseitige Beeinflussung übertragen werden können, wie weit die Komponenten ausgesteuert werden können, wie ein solches Netz zu planen ist usw. Noch rechnet man notgedrungen einfach Sicherheitsfaktoren ein, die aber letztlich Geld kosten. Deshalb führen größere Hersteller und Netzbetreiber zurzeit gründliche Untersuchungen durch, um die Zusammenhänge zu verstehen und daraus Planungswerte abzuleiten.

3. Die Digitalisierung der Netze begünstigt die Entstehung neuer Dienste, die vorher nicht denkbar waren. Dazu gehört aktuell z. B. die zunehmende Verbreitung von hochauflösendem Fernsehen (HDTV), die Entwicklung von 3D-Fernsehen und die immer wieder neu diskutierte Technik des "Fernsehens auf Abruf" (elektronische Videothek). Letztere gelangt in Verbindung mit der Internet-Technik nun zusehends in greifbare Nähe. Alle diese Dienste haben eins gemeinsam: Sie verursachen einen immensen Datenverkehr und damit eine enorme Belastung für das Netz. Alle Telekommunikationsnetze, also auch die Kabelnetze, müssen deshalb ständig technisch weiter entwickelt werden, um diesen Datenverkehr bewältigen zu können. Dabei spielt der verstärkte Einsatz von Glasfasern als Übertragungsmedium eine genau so bedeutende Rolle wie die Einführung neuer Netzstrukturen. Auch wenn diese Lösungen lange bekannt sind, ist ihr Einsatz alles andere trivial, denn kein Netzbetreiber kann es sich leisten, sein vorhandenes Netz zu "verschrotten" und ein neues zu bauen. Vielmehr muss er bemüht sein, eine Evolutionsstrategie zu finden, die ihm bei geringsten Kosten ständige Konkurrenzfähigkeit sichert.

4. Neue Dienste sind oft auch mit neuen Signalen verbunden, für die neue Qualititätsparameter und damit auch neue Messverfahren gefunden werden müssen. Ich war gerade in der letzten Woche drei Tage zu Normungssitzungen in Brüssel, bei denen es hauptsächlich um diese Thematik ging. Ich erhoffe mir, mithilfe eigener Untersuchungsergebnisse hier neue Erkenntnisse beisteuern zu können, die wiederum unseren Ruf als Kompetenzzentrum der Kabelnetzbranche festigen und ausbauen helfen.

5. In der Lehre geht es nicht primär darum, Spezialisten für Kabelnetze auszubilden, sondern Studierende am Beispiel "Kabelnetz" die Grundprinzipien moderner Telekommunikation nahe zu bringen. Dazu eignen sich Kabelnetze wegen ihrer Vielfalt an Diensten und eingesetzter Technik besonders gut.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Dieter Schwarzenau
Tel.: 0391-886 44 90

Norbert Doktor | idw
Weitere Informationen:
http://www.hs-magdeburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Kommunikation Medien:

nachricht Mehr Wissenschafts-Enthusiasten als Desinteressierte in der Schweiz
05.02.2018 | Universität Zürich

nachricht Zwischen Filterblasen, ungleicher Sichtbarkeit und Transnationalität
06.12.2017 | Schweizerischer Nationalfonds SNF

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Kommunikation Medien >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Im Focus: In best circles: First integrated circuit from self-assembled polymer

For the first time, a team of researchers at the Max-Planck Institute (MPI) for Polymer Research in Mainz, Germany, has succeeded in making an integrated circuit (IC) from just a monolayer of a semiconducting polymer via a bottom-up, self-assembly approach.

In the self-assembly process, the semiconducting polymer arranges itself into an ordered monolayer in a transistor. The transistors are binary switches used...

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Im Focus: Demonstration of a single molecule piezoelectric effect

Breakthrough provides a new concept of the design of molecular motors, sensors and electricity generators at nanoscale

Researchers from the Institute of Organic Chemistry and Biochemistry of the CAS (IOCB Prague), Institute of Physics of the CAS (IP CAS) and Palacký University...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Aachener Optiktage: Expertenwissen in zwei Konferenzen für die Glas- und Kunststoffoptikfertigung

19.02.2018 | Veranstaltungen

Konferenz "Die Mobilität von morgen gestalten"

19.02.2018 | Veranstaltungen

Von Bitcoins bis zur Genomchirurgie

19.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Die Zukunft wird gedruckt

19.02.2018 | Architektur Bauwesen

Fraunhofer HHI präsentiert neueste VR- und 5G-Technologien auf dem Mobile World Congress

19.02.2018 | Messenachrichten

Stabile Gashydrate lösen Hangrutschung aus

19.02.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics