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Neue Studie "Erwachsenwerden im Netz"

17.06.2013
Die Mannheimer Kommunikations- und Medienwissenschaftlerin Professorin Dr. Sabina Misoch, untersucht in einer neuen Studie, inwiefern das Internet Jugendlichen beim Erwachsenwerden hilft.

Die Medien gaben ihnen den Namen Digital Natives. Sie liken, sie posten, sie teilen – ganz selbstverständlich – denn mit digitalen Technologien wie Tablets und Smartphones sind sie aufgewachsen und nutzen dabei die sozialen Netzwerke. Die Internetnutzung spielt im Leben von Jugendlichen eine große Rolle.

Das ist bereits durch Studien belegt. Empirisch nachgewiesen wurde bisher jedoch unzureichend, inwieweit das Internet für das Erwachsenwerden eine Rolle spielt. Welche Räume im Netz nutzen Jugendliche, um bestimmte Bedürfnisse zu befriedigen, die sie in ihrem Alter haben – wie das Ablösen von den Eltern, das Entwickeln einer eigenen Identität oder das Ausleben von Beziehungen? Dieser Frage geht die Mannheimer Kommunikations- und Medienwissenschaftlerin Professorin Dr. Sabina Misoch in einem neuen Forschungsprojekt auf den Grund.

Die Forscherin möchte vor allem herausfinden, welche Räume – zum Beispiel Chats, Blogs, private Homepages oder soziale Netzwerke – für welche Entwicklungsaufgaben herangezogen werden. Als Entwicklungsaufgaben bezeichnen Wissenschaftler psychosoziale Herausforderungen, die ein Jugendlicher im Laufe seiner Entwicklung zum Erwachsenen bewältigen muss. Dazu gehören zum Beispiel das Knüpfen von Beziehungen zu Gleichaltrigen und das Erkunden von Sexualität.

Hierfür nutzen Jugendliche vor allem Chaträume und Facebook, erklärt die Professorin Sabina Misoch: „Auf Facebook und vor allem auf speziellen Bildplattformen laden insbesondere Mädchen zum Teil stark sexualisierte Bilder von sich hoch“, sagt die Forscherin. Ihre ersten Gehversuche in Sachen Flirten machen vor allem sehr junge Jugendliche hingegen oft in Chats. „Der Transfer ins reale Leben ist dabei jedoch besonders ausgeprägt. Studien haben bereits gezeigt, dass es oft nicht beim Flirten im Netz bleibt und sich die Nutzer im real life treffen“, fügt Professorin Misoch hinzu.

Auch beim Abnabeln von den Eltern und bei der Entwicklung einer eigenen Meinung spiele das Internet eine wichtige Rolle – ohne dass es den Jugendlichen wirklich bewusst sei. „Auf Facebook haben Jugendliche einen ganz eigenen Sozialisationsbereich, auf den die Eltern keinen oder nur eingeschränkten Zugriff haben. Sie können höchstens die Dauer des Internetzugriffs kontrollieren, aber kaum, welche Seiten besucht werden, wie ihre Kinder diese nutzen oder was sie ihren Freunden schreiben“, erklärt die Kommunikationswissenschaftlerin.

Wie im realen Leben orientierten sich Jugendliche auch im Netz hauptsächlich an Gleichaltrigen. Professorin Misoch möchte in ihrem Forschungsprojekt unter anderem herausfinden, ob die Jugendlichen dadurch – vergleichbar mit ihrem Verhalten in der Offline-Welt – indirekt ein eigenes Werte- und Normensystem entwickeln, welches sich von dem der Eltern unterscheiden kann. Auch welche Rolle die Netzkommunikation für Autonomieschritte, für Beziehungen, Liebe und Sexualität sowie für die Herausbildung von Zukunftsvorstellungen spielt, wird im Fokus der Studie stehen.

Um empirisch zu belegen, wie das von den Jugendlichen am intensivsten genutzte Medium – das Internet – sie beim Erwachsenwerden unterstützt, wird Professorin Misoch ab Mitte Juli rund 200 Schüler im Landkreis Karlsruhe zu ihrem Internetnutzungsverhalten befragen. Erste Ergebnisse der Studie werden voraussichtlich im August vorliegen.

Kontakt:
Prof. Dr. Sabina Misoch
Juniorprofessur für Medien- und Kommunikationswissenschaft
Universität Mannheim
Schloss
68131 Mannheim
Telefon: 0621 / 181- 1291 (Sekretariat: -2620)
E-Mail: misoch@uni-mannheim.de

Katja Bär | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-mannheim.de

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