Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Studie erschienen: Gibt es das "Unterschichtenfernsehen"?

05.02.2013
Nicht erst seit „Berlin – Tag und Nacht“ gibt es die Debatte um das so genannte „Unterschichtenfernsehen“ und seine Zuschauer, die zumeist in recht einfachen Bahnen verläuft.

Nun ist eine der ersten medienwissenschaftlichen Studien zum Thema am Department Medien- und Kommunikationswissenschaften der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) erschienen, die zudem mit einer besonders innovativen Forschungsmethode arbeitet.

Darin werden die Zuschauer nicht mehr allein als einheitliche und bildungsarme Masse diffamiert. Stattdessen wird systematisch die Fragen untersucht, was sie sehen und wie sie es tun.

Seitdem Kurt Beck im Herbst 2006 über das deutsche „Unterschichten-Problem“ wetterte, sind auch Fernsehsender in der Debatte, die angeblich „Unterschichten-Programme“ senden würden. Sowohl in den Medien als auch in der Wissenschaft wurden die Rezipienten dieser Sendungen als einheitliche Gruppe von „Unterhaltungsfreunden mit einfacher Bildung“ charakterisiert, die den elitären Informationssuchern gegenüberstehen würden. Gerade die erste Gruppe bekommt im öffentlichen Raum viel Aufmerksamkeit und wird hier oft als homogene Masse diffamiert.

Nun stellt die hallesche Medienwissenschaftlerin Katja Kochanowski in ihrer gerade erschienenen Publikation klar, dass diese Homogenisierungen unrealistisch und unangebracht sind. Die Arbeit präsentiert erste Ergebnisse aus dem Dissertationsprojekt der Autorin. Sie hat an drei Einzelfällen untersucht, welches Programm Rezipienten in einer ökonomisch prekären Lebenssituation und mit niedrigem Bildungsstand konsumieren und vor allem, wie sie dies tun.

Dazu entwickelte die Autorin ein komplexes, innovatives Forschungsdesign, das Ergebnisse von Beobachtungen, Befragungen, medialen Aufzeichnungen sowie Fernsehtagebüchern zusammenführt. Damit konnte sie auch die Unterschiede innerhalb dieser Rezipientengruppe sichtbar machen.

Die Publikation ist in der Reihe „HALMA. Hallische Medienarbeiten“ erschienen. Ihr Herausgeber Dr. Florian Hartling führt dazu aus: „Frau Kochanowski kommt in ihrer Studie nicht nur zu sehr differenzierten und neuen Ergebnissen rund um das so genannte ‚Unterschichten-Fernsehen’. Darüber hinaus stellt sie eine sehr innovative und komplexe Forschungsmethodik vor, die qualitative und quantitativen Methoden verbindet, und methodisch das Feld der Rezeptionsanalysen sehr bereichert. Schließlich zeigt sie auch auf, wie sich Kulturwissenschaften mit politisch brisanten Fragen beschäftigen und hier zu sensibel diskutierten Ergebnissen kommen, die sich platter Schwarz-Weiß-Malerei entzieht.“

Informationen zur Autorin:
Die Autorin Katja Kochanowski hat von 2002 bis 2007 an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg Medien- und Kommunikationswissenschaften, germanistischen Sprachwissenschaften und Anglistik/Amerikanistik studiert. Parallel arbeitete sie von 2004 bis 2007 als wissenschaftliche Hilfskraft im DFG-Projekt „DDR-Fernsehen komparativ“, das über sechs Jahre an den Universitäten Halle, Leipzig, Potsdam und der HU Berlin durchgeführt wurde. Seit 2008 promoviert die Autorin am Department Medien- und Kommunikationswissenschaften, gefördert von einem Graduiertenstipendium des Landes Sachsen-Anhalt. Titel der Dissertation: „Bunte Unterhaltung – schwarze Zukunft. Soziales Milieu - Fernsehnutzung - Medieninhalte. Die Programmauswahl und ihre Bedeutung für die soziale Unterschicht“. Betreuer ist Prof. Dr. Reinhold Viehoff.
Die Publikation ist auch online publiziert unter:
http://www.medienkomm.uni-halle.de/publikationen/halma/halma25
Ansprechpartner zu dieser Pressemitteilung
Dr. Florian Hartling
Telefon: 0345 55 23588
E-Mail: florian.hartling@medienkomm.uni-halle.de

Ute Olbertz | idw
Weitere Informationen:
http://www.medienkomm.uni-halle.de/publikationen/halma/halma25

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Kommunikation Medien:

nachricht Software passt Sprache an Umgebungslautstärke an
01.02.2016 | Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie IDMT

nachricht Produktiver sein ohne Handy
29.01.2016 | Leuphana Universität Lüneburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Kommunikation Medien >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: PTB-Forscher können Ertrag von Solarzellen unter realen Bedingungen bestimmen

An einem neuartigen Messplatz messen die Wissenschaftler Referenzsolarzellen mit bisher unerreichter Genauigkeit

Solarzellen werden im Labor bisher unter einheitlich festgelegten Bedingungen getestet. Da die realen Bedingungen, wie die Temperatur oder der Einfallswinkel...

Im Focus: Tiroler Technologie zur Abwasserreinigung weltweit erfolgreich

Auf biologischem Weg und mit geringem Energieeinsatz wandelt ein an der Universität Innsbruck entwickeltes Verfahren in Kläranlagen anfallende Stickstoffverbindungen in unschädlichen Luftstickstoff um. Diese innovative Technologie wurde nun gemeinsam mit dem US-Wasserdienstleister DC Water weiterentwickelt und vermarktet. Für die Kläranlage von Washington DC wird die bisher größte DEMON®-Anlage errichtet.

Das DEMON®-Verfahren wurde bereits vor elf Jahren entwickelt und von der Universität Innsbruck zum Patent angemeldet. Inzwischen wird die Technologie in rund...

Im Focus: Worldwide Success of Tyrolean Wastewater Treatment Technology

A biological and energy-efficient process, developed and patented by the University of Innsbruck, converts nitrogen compounds in wastewater treatment facilities into harmless atmospheric nitrogen gas. This innovative technology is now being refined and marketed jointly with the United States’ DC Water and Sewer Authority (DC Water). The largest DEMON®-system in a wastewater treatment plant is currently being built in Washington, DC.

The DEMON®-system was developed and patented by the University of Innsbruck 11 years ago. Today this successful technology has been implemented in about 70...

Im Focus: Optische Uhren können die Sekunde machen

Eine Neudefinition der Einheit Sekunde auf der Basis von optischen Uhren wird realistisch

Genauer sind sie jetzt schon, aber noch nicht so zuverlässig. Daher haben optische Uhren, die schon einige Jahre lang als die Uhren der Zukunft gelten, die...

Im Focus: Computational High-Throughput-Screening findet neue Hartmagnete die weniger Seltene Erden enthalten

Für Zukunftstechnologien wie Elektromobilität und erneuerbare Energien ist der Einsatz von starken Dauermagneten von großer Bedeutung. Für deren Herstellung werden Seltene Erden benötigt. Dem Fraunhofer-Institut für Werkstoffmechanik IWM in Freiburg ist es nun gelungen, mit einem selbst entwickelten Simulationsverfahren auf Basis eines High-Throughput-Screening (HTS) vielversprechende Materialansätze für neue Dauermagnete zu identifizieren. Das Team verbesserte damit die magnetischen Eigenschaften und ersetzte gleichzeitig Seltene Erden durch Elemente, die weniger teuer und zuverlässig verfügbar sind. Die Ergebnisse wurden im Online-Fachmagazin »Scientific Reports« publiziert.

Ausgangspunkt des Projekts der IWM-Forscher Wolfgang Körner, Georg Krugel und Christian Elsässer war eine Neodym-Eisen-Stickstoff-Verbindung, die auf einem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie sieht die Schifffahrt der Zukunft aus? - IAME-Jahreskonferenz in Hamburg

27.05.2016 | Veranstaltungen

Technologische Potenziale der Multiparameteranalytik

27.05.2016 | Veranstaltungen

Umweltbeobachtung in nah und fern

27.05.2016 | Veranstaltungen

 
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Atome mit dem gewissen Twist

30.05.2016 | Physik Astronomie

Durchbruch in der zahnmedizinischen Bildgebung

30.05.2016 | Medizintechnik

Umweltfreundlicher Autolack aus Maisstärke soll Kratzer von selbst reparieren

30.05.2016 | Materialwissenschaften