Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Medienforschung: Werbung im Internet überfordert Kinder

14.06.2013
Wie wird Werbung im Internet präsentiert? Wie ist sie von redaktionellem Inhalt unterscheidbar? Erkennen Kinder Werbung im Internet? Und wie reagieren sie darauf? Haben sie überhaupt eine ausreichende Werbekompetenz? Gibt es Handlungsbedarf für die Medienaufsicht?

Um Antworten auf diese Fragen zu finden, hat ein Forscherteam der Stuttgarter Hochschule der Medien (HdM) das Surfverhalten von Kindern im Netz aus unterschiedlichen Blickwinkeln untersucht.

Die Ergebnisse der interdisziplinären Studie für die Landeszentrale für Medien und Kommunikation Rheinland-Pfalz (LMK) werden Ende des Jahres unter dem Titel „Mit Kindern unterwegs im Internet: Beobachtungen zum Surfverhalten – Herausforderungen für die Medienaufsicht“ in der Schriftenreihe der LMK im Nomos-Verlag erscheinen.

Schwer unterscheidbar

Für junge Nutzer zwischen sieben und zwölf Jahren sind werbliche und redaktionelle Elemente nur sehr schwer unterscheidbar, finden die Forscher. Vor allem auf den Internetseiten der TV-Veranstalter erschweren Mischformen von klassischer Produktwerbung und Werbeangeboten der Sender oder Werbeangebote der Sender in Kooperation mit Werbepartnern die Erkennbarkeit der Werbeabsicht. Aber auch gekennzeichnete Werbung stellt junge Rezipienten vor Schwierigkeiten: Die Bezeichnungen geben die Werbeintention nicht immer eindeutig wieder und die Gestaltung erschwert die Erkennbarkeit optisch.
„Die Entgrenzung und das Hineinmanövrieren in werbliche Kommunikation macht es Kindern schwer, Werbung oder kostenpflichtige Angebote von redaktionellen Inhalten zu unterscheiden“, erläutert Prof. Dr. Petra Grimm, organisatorische Leiterin des Forschungsteams.

Werbeskepsis bei älteren Kindern

Auffällig fanden die Forscher, dass mehr als die Hälfte der werblichen Elemente auf externe Internetseiten weiterleiten, was eine Rückkehr auf das Ursprungsangebot erschwert. Insbesondere bei Spielen können die jungen Rezipienten die Verknüpfung mit werblichen Elementen nicht sicher erkennen. Die jüngeren Kinder weisen tendenziell noch keine Fähigkeit zur Bewertung des Wahrheitsgehaltes und der Persuasionsstrategien der Werbung auf. Die älteren Kinder (ab zehn Jahre) verfügen zwar bereits über eine Werbeskepsis, die auf eigenen Produkterfahrungen basieren, sind aber weitgehend noch darin überfordert, sich mit den jeweiligen Werbestrategien auseinanderzusetzen.

Fast alle für die Studie im Dezember 2012 befragten Kinder haben Angst vor Kostenfallen: Zum Teil haben sie schon eigene negative Erfahrungen mit Kostenfallen im Internet oder mit dem Handy gemacht. Kinder, die sich insgesamt relativ medienkompetent zeigen, gehen auch aufmerksam mit kostenpflichtigen Angeboten um. Die Schwelle, sich für Spiele und Gewinnspiele anzumelden, liegt bei den älteren Kindern tendenziell niedriger als bei den jüngeren. Dies hat zur Folge, dass die älteren eher dazu tendieren, Daten von sich preiszugeben, als die jüngeren.

Werbekompetenz fördern

Vor dem Hintergrund der Studienergebnisse sieht das Forscherteam dringenden Handlungsbedarf bei der Förderung der Werbekompetenz in Schulen, aber auch in der elternpädagogischen Arbeit. Für erforderlich halten sie auch eine Verständigung von Internetwirtschaft und Medienpolitik über werbeethische Normen. „Richtlinien für Werbung im Internet können der eingeschränkten Werbekompetenz von jungen Nutzern Rechnung tragen“, findet Prof. Dr. Petra Grimm.

„Bisher gab es noch keine vergleichbare Untersuchung im Bereich der Online-Werbung. Die wissenschaftliche Aufbereitung beginnt hier erst allmählich. Insofern leistet die LMK einen wichtigen Beitrag zur Grundlagenforschung“, betont LMK-Direktorin Renate Pepper.

Zum Forschungsteam zählten auch die HdM-Professoren Dr. Tobias Keber, Dr. Boris Kühnle, Dr. Roland Mangold und Dr. Oliver Zöllner. Das Studiendesign umfasst eine Angebots-, Rezeptions- und Evaluationsanalyse sowie eine Einschätzung der geltenden Rechtsnormen für diesen Bereich. Eine Zusammenfassung der Studienergebnisse ist auf der Homepage der LMK (www.lmk-online.de) oder anbei zu finden.

Kontakt:
Prof. Dr. Petra Grimm
Hochschule der Medien
Telefon: 071 8923 2202 oder -2020
E-Mail: grimm@hdm-stuttgart.de

Dr. Joachim Kind
Leiter Presse und Kommunikation
LMK - Landeszentrale für Medien und Kommunikation
E-Mail: kind@lmk-online.de

Kerstin Lauer | idw
Weitere Informationen:
http://www.lmk-online.de
http://www.hdm-stuttgart.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Kommunikation Medien:

nachricht mce mediacomeurope schließt Kooperationsvertrag mit Anixe TV
13.04.2018 | mce mediacomeurope GmbH

nachricht Gebärdensprache neu gedacht
14.03.2018 | Universität Siegen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Kommunikation Medien >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gammastrahlungsblitze aus Plasmafäden

Neuartige hocheffiziente und brillante Quelle für Gammastrahlung: Anhand von Modellrechnungen haben Physiker des Heidelberger MPI für Kernphysik eine neue Methode für eine effiziente und brillante Gammastrahlungsquelle vorgeschlagen. Ein gigantischer Gammastrahlungsblitz wird hier durch die Wechselwirkung eines dichten ultra-relativistischen Elektronenstrahls mit einem dünnen leitenden Festkörper erzeugt. Die reichliche Produktion energetischer Gammastrahlen beruht auf der Aufspaltung des Elektronenstrahls in einzelne Filamente, während dieser den Festkörper durchquert. Die erreichbare Energie und Intensität der Gammastrahlung eröffnet neue und fundamentale Experimente in der Kernphysik.

Die typische Wellenlänge des Lichtes, die mit einem Objekt des Mikrokosmos wechselwirkt, ist umso kürzer, je kleiner dieses Objekt ist. Für Atome reicht dies...

Im Focus: Gamma-ray flashes from plasma filaments

Novel highly efficient and brilliant gamma-ray source: Based on model calculations, physicists of the Max PIanck Institute for Nuclear Physics in Heidelberg propose a novel method for an efficient high-brilliance gamma-ray source. A giant collimated gamma-ray pulse is generated from the interaction of a dense ultra-relativistic electron beam with a thin solid conductor. Energetic gamma-rays are copiously produced as the electron beam splits into filaments while propagating across the conductor. The resulting gamma-ray energy and flux enable novel experiments in nuclear and fundamental physics.

The typical wavelength of light interacting with an object of the microcosm scales with the size of this object. For atoms, this ranges from visible light to...

Im Focus: Wie schwingt ein Molekül, wenn es berührt wird?

Physiker aus Regensburg, Kanazawa und Kalmar untersuchen Einfluss eines äußeren Kraftfeldes

Physiker der Universität Regensburg (Deutschland), der Kanazawa University (Japan) und der Linnaeus University in Kalmar (Schweden) haben den Einfluss eines...

Im Focus: Basler Forschern gelingt die Züchtung von Knorpel aus Stammzellen

Aus Stammzellen aus dem Knochenmark von Erwachsenen lassen sich stabile Gelenkknorpel herstellen. Diese Zellen können so gesteuert werden, dass sie molekulare Prozesse der embryonalen Entwicklung des Knorpelgewebes durchlaufen, wie Forschende des Departements Biomedizin von Universität und Universitätsspital Basel im Fachmagazin PNAS berichten.

Bestimmte mesenchymale Stamm-/Stromazellen aus dem Knochenmark von Erwachsenen gelten als äusserst viel versprechend für die Regeneration von Skelettgewebe....

Im Focus: Basel researchers succeed in cultivating cartilage from stem cells

Stable joint cartilage can be produced from adult stem cells originating from bone marrow. This is made possible by inducing specific molecular processes occurring during embryonic cartilage formation, as researchers from the University and University Hospital of Basel report in the scientific journal PNAS.

Certain mesenchymal stem/stromal cells from the bone marrow of adults are considered extremely promising for skeletal tissue regeneration. These adult stem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

Stralsunder IT-Sicherheitskonferenz im Mai zum 7. Mal an der Hochschule Stralsund

12.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Aus dem Labor auf die Schiene: Forscher des HI-ERN planen Wasserstoffzüge mit LOHC-Technologie

19.04.2018 | Verkehr Logistik

Neuer Wirkmechanismus von Tumortherapeutikum entdeckt

19.04.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics