Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Medienforschung - Leiden wie im Fernsehen

24.04.2013
Ein neues DFG-Projekt an der LMU untersucht, welche Bedeutung Medienhalte für Menschen mit depressiven Erkrankungen haben.

Berichte über Selbstmorde in den Medien können Nachahmungstaten auslösen. Das zumindest belegen mehrere Studien. Dieses Phänomen wird als Werther-Effekt bezeichnet, da bereits der Briefroman "Die Leiden des jungen Werther" von Johann Wolfgang Goethe europaweit zu Nachahmungssuiziden geführt haben soll.

Wie es dazu kommt und welche vielschichtigen Zusammenhänge es zwischen der Mediennutzung, psychischen Erkrankungen und Suizidalität gibt, wird nun an der LMU im Rahmen eines neuen Forschungsvorhabens untersucht. Im April startet am Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung (IfKW) das Projekt „Jenseits des Werther-Effekts: Die Bedeutung von Medien im Kontext depressiver Erkrankungen und suizidalen Verhaltens".

„Die bisherige Forschung hat sich sehr auf den unmittelbaren Nachahmungseffekt von Medienberichten über Suizide konzentriert. Wir möchten diese Perspektive erweitern: Erstens richten wir den Blick auf Suiziden vorgelagerte Phänomene wie Suizidgedanken und Depressionen, die die Effekte von Medien und Suizidberichten vermutlich stark beeinflussen. Zweitens fragen wir nach den Wirkungen von Medieninhalten, in denen es nicht explizit um Suizide geht, von denen wir aber annehmen, dass sie Auswirkungen auf Stimmungen und Realitätsvorstellungen haben können“, sagt Professor Carsten Reinemann vom IfKW, der das Projekt leitet und eine bevölkerungsrepräsentative Befragung plant.

Mein Freund, der Computer

Medien wecken bei allen Nutzern Emotionen und beeinflussen ihre Wahrnehmung der Wirklichkeit. „Berichte über Kriminalität oder den Klimawandel können Ängste auslösen, die Darstellung von Models Zweifel an der eigenen Schönheit wecken, die Übertragung der Fußball Champions-League totale Euphorie auslösen“, erklärt Carsten Reinemann. Das Projekt soll nun unter anderem zeigen, ob psychisch kranke Menschen Medien möglicherweise verstärkt als Ersatz für Sozialkontakte nützen. Das könnte die Wirkung von Medieninhalten verstärken. Sie könnten eine negativ verzerrte Wahrnehmung der Realität und des Selbst fördern oder aber dazu beitragen, persönliche Krisen zu überwinden. Da im Leben junger Menschen Online-Medien eine große Rolle spielen, werden auch mögliche Auswirkungen von Online-Netzwerken untersucht.

Die Forscher erhoffen sich von dem Projekt nicht nur, mehr über die Bedeutung von Medien und der Mediennutzung im Rahmen depressiver Erkrankungen zu erfahren. „Außerdem interessiert uns, wie Depressionen die Wahrnehmungen von Medieninhalten beeinflussen. Dies sollte uns letztlich auch der Beantwortung der Frage ein Stück näher bringen, unter welchen Umständen Medien Nachahmungssuizide verhindern oder auslösen können“, sagt Carsten Reinemann.

Ansprechpartner:
Professor Dr. Carsten Reinemann
Tel.: 089 / 2180 – 9412
E-Mail: reinemann@ifkw.lmu.de

Sebastian Scherr
Tel.: 089 / -2180 – 9453
E-Mail: scherr@ifkw.lmu.de

Luise Dirscherl | idw
Weitere Informationen:
http://www.lmu.de

Weitere Berichte zu: Depression IfKW LMU Medienforschung Medieninhalten Mediennutzung Suizid Werther-Effekt

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Kommunikation Medien:

nachricht Wenn die Bilder lügen - KI-System entlarvt Fake News im Internet
20.04.2017 | Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz GmbH, DFKI

nachricht Warum wechseln Menschen ihre Sprache?
14.03.2017 | Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Kommunikation Medien >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunzellen helfen bei elektrischer Reizleitung im Herzen

Erstmals elektrische Kopplung von Muskelzellen und Makrophagen im Herzen nachgewiesen / Erkenntnisse könnten neue Therapieansätze bei Herzinfarkt und Herzrhythmus-Störungen ermöglichen / Publikation am 20. April 2017 in Cell

Makrophagen, auch Fresszellen genannt, sind Teil des Immunsystems und spielen eine wesentliche Rolle in der Abwehr von Krankheitserregern und bei der...

Im Focus: Tief im Inneren von M87

Die Galaxie M87 enthält ein supermassereiches Schwarzes Loch von sechs Milliarden Sonnenmassen im Zentrum. Ihr leuchtkräftiger Jet dominiert das beobachtete Spektrum über einen Frequenzbereich von 10 Größenordnungen. Aufgrund ihrer Nähe, des ausgeprägten Jets und des sehr massereichen Schwarzen Lochs stellt M87 ein ideales Laboratorium dar, um die Entstehung, Beschleunigung und Bündelung der Materie in relativistischen Jets zu erforschen. Ein Forscherteam unter der Leitung von Silke Britzen vom MPIfR Bonn liefert Hinweise für die Verbindung von Akkretionsscheibe und Jet von M87 durch turbulente Prozesse und damit neue Erkenntnisse für das Problem des Ursprungs von astrophysikalischen Jets.

Supermassereiche Schwarze Löcher in den Zentren von Galaxien sind eines der rätselhaftesten Phänomene in der modernen Astrophysik. Ihr gewaltiger...

Im Focus: Deep inside Galaxy M87

The nearby, giant radio galaxy M87 hosts a supermassive black hole (BH) and is well-known for its bright jet dominating the spectrum over ten orders of magnitude in frequency. Due to its proximity, jet prominence, and the large black hole mass, M87 is the best laboratory for investigating the formation, acceleration, and collimation of relativistic jets. A research team led by Silke Britzen from the Max Planck Institute for Radio Astronomy in Bonn, Germany, has found strong indication for turbulent processes connecting the accretion disk and the jet of that galaxy providing insights into the longstanding problem of the origin of astrophysical jets.

Supermassive black holes form some of the most enigmatic phenomena in astrophysics. Their enormous energy output is supposed to be generated by the...

Im Focus: Neu entdeckter Exoplanet könnte bester Kandidat für die Suche nach Leben sein

Supererde in bewohnbarer Zone um aktivitätsschwachen roten Zwergstern gefunden

Ein Exoplanet, der 40 Lichtjahre von der Erde entfernt einen roten Zwergstern umkreist, könnte in naher Zukunft der beste Ort sein, um außerhalb des...

Im Focus: Resistiver Schaltmechanismus aufgeklärt

Sie erlauben energiesparendes Schalten innerhalb von Nanosekunden, und die gespeicherten Informationen bleiben auf Dauer erhalten: ReRAM-Speicher gelten als Hoffnungsträger für die Datenspeicher der Zukunft.

Wie ReRAM-Zellen genau funktionieren, ist jedoch bisher nicht vollständig verstanden. Insbesondere die Details der ablaufenden chemischen Reaktionen geben den...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungen

Baukultur: Mehr Qualität durch Gestaltungsbeiräte

21.04.2017 | Veranstaltungen

Licht - ein Werkzeug für die Laborbranche

20.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Intelligenter Werkstattwagen unterstützt Mensch in der Produktion

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Forschungszentrum Jülich auf der Hannover Messe 2017

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten