Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Jeden Ton verstehen

01.06.2015

Menschen mit Hörminderung tun sich im Kino und im Theater schwer. Künftig verspricht eine Fraunhofer-Technologie Abhilfe, die in zwei Apps der Sennheiser Streaming Technologies GmbH integriert wurde: Betroffene können damit den Klang optimal an ihre Bedürfnisse anpassen und das Geschehen über Kopfhörer verfolgen.

Das Theaterstück ist irre komisch, das Publikum biegt sich vor Lachen. Besucher mit eingeschränktem Hörvermögen fühlen sich in solchen Momenten oft außen vor – zu viele Pointen entgehen ihnen.


Menschen mit Hörminderungen können den Ton über die Smartphone-App optimal an das eigene Gehör anpassen.

© Sennheiser Streaming Technologies GmbH

Zahlreiche Hörgeschädigte machen es sich daher lieber im heimischen Sessel gemütlich, statt ins Theater oder ins Kino zu gehen. Die Zahl der Betroffenen ist groß: Studien zufolge ist etwa jede sechste Person in Deutschland schwerhörig und könnte Hörgeräte von der Krankenkasse finanziert bekommen. Tat-
sächlich nutzen jedoch nicht einmal 25 Prozent von ihnen diese Möglichkeit. Denn anders als bei Brillen sehen viele Menschen ein Hörgerät nach wie vor als Stigma.

Klang individuell optimieren

Die Apps »CinemaConnect« und »MobileConnect« der Sennheiser Streaming Technologies GmbH sollen künftig dafür sorgen, dass Menschen mit Hörbehinderung in Theaterstücken und Kinofilmen wieder jedes einzelne Wort verstehen können – auch dann, wenn sie kein Hörgerät tragen.

Die Hörunterstützungstechnologie haben Forscher der Oldenburger Projektgruppe für Hör-, Sprach- und Audiotechnologie des Fraunhofer-Instituts für Digitale Medientechnologie IDMT entwickelt.

Das Prinzip: Ein Streaming-Server überträgt das Audiosignal der Bühne oder des Kino-
films direkt auf das Smartphone der Besucher. Dieses gibt die Daten direkt über die Kopfhörer wieder, während sie über das geschlossene Netzwerk geladen werden. Trägt man ein Hörgerät, das auf das Smartphone angepasst wurde, kann man sich die Tonsignale von der App via Bluetooth auch alternativ direkt auf die Hörhilfe schicken lassen.

»Unsere in die Apps integrierte Technologie verstärkt nicht einfach nur die Lautstärke, sondern erlaubt es dem Theaterbesucher, den Klang individuell anzupassen«, bestätigt Dr. Jan Rennies, Gruppenleiter am IDMT. Denn der jeweils optimale Lautstärkegrad ist schmal: So erscheinen laute Geräusche schnell zu laut, sie müssen daher reduziert werden. Ruhige Sprachanteile dagegen brauchen deutlich mehr Verstärkung. Und je nach Art des Hörverlusts nimmt der Betroffene nicht alle Frequenzen gleich intensiv wahr: Viele Personen können tiefe Töne noch recht gut erkennen, während es bei höheren Tonlagen schwierig wird.

Die Herausforderung bei der Entwicklung der Hörhilfe lag vor allem darin, ihre Bedienung intuitiv zu gestalten: Schließlich sollen die Menschen den Klang jederzeit selbst verbessern können – ohne wie bei den Hörgeräten einen Akustik-Experten zu Rate zu ziehen. Das ist gelungen: Der Nutzer fährt mit seinem Finger über den Touchscreen seines Smartphones und »schiebt« so einen kleinen Punkt über den Bildschirm. Zieht man den Punkt nach oben oder unten, steigt oder fällt die Lautstärke. Verschiebt man ihn waagerecht, wird der Ton heller oder tiefer.

In bestehende Sennheiser-Apps integriert

Noch in diesem Sommer soll die Funktion »Personal Hearing« in zwei von der Firma Sennheiser kostenlos vertriebene Apps integriert werden. Welche Kinos und Theater die Technologie anbieten, erfahren die Nutzer über das Kulturportal »Culture Inclusive« ( www.culture-inclusive.com ).

Auch in anderen Anwendungen kommt die Fraunhofer-Hörunterstützung zum Einsatz: Die Forscher entwickeln aktuell eine App, die das iPhone als Mikrofon nutzt und eine individuelle Hörverstärkung bietet. Erst Anfang des Jahres stellte die Sennheiser electronic GmbH & Co. KG einen Drahtlos-Kopfhörer mit individueller Klanganpassung von Fraunhofer vor. Ein weiteres Forschungs- und Einsatzgebiet ist die Hörunterstützung im Telefon. »Unsere Nutzerstudien haben gezeigt, dass die Technologie für Hörgeschädigte in unterschiedlichen Anwendungsszenarien wie im Kopfhörer oder im Telefon sehr hilfreich ist und oft auch von Normalhörenden als vorteilhaft empfunden wird«, sagt Dr. Jens Appell, Abteilungsleiter der Projektgruppe Hör-, Sprach- und Audiotechnologie. »Bisher war ein Großteil der Probanden begeistert – ob mit oder ohne Hörgerät.«

Meike Hummerich | Fraunhofer Forschung Kompakt
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de/de/presse/presseinformationen/2015/Juni/jeden-ton-verstehen.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Kommunikation Medien:

nachricht Moderne Medientechnik im Atlasgebirge
17.08.2017 | Universität Siegen

nachricht Wissenschaftler entschlüsseln das „perfekte Selfie“
26.06.2017 | Otto-Friedrich-Universität Bamberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Kommunikation Medien >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Platz 2 für Helikopter-Designstudie aus Stade - Carbontechnologie-Studenten der PFH erfolgreich

Bereits lange vor dem Studienabschluss haben vier Studenten des PFH Hansecampus Stade ihr ingenieurwissenschaftliches Können eindrucksvoll unter Beweis gestellt: Malte Blask, Hagen Hagens, Nick Neubert und Rouven Weg haben bei einem internationalen Wettbewerb der American Helicopter Society (AHS International) den zweiten Platz belegt. Ihre Aufgabe war es, eine Designstudie für ein helikopterähnliches Fluggerät zu entwickeln, das 24 Stunden an einem Punkt in der Luft fliegen kann.

Die vier Kommilitonen sind im Studiengang Verbundwerkstoffe/Composites am Hansecampus Stade der PFH Private Hochschule Göttingen eingeschrieben. Seit elf...

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Zukunft des Leichtbaus: Mehr als nur Material einsparen

23.08.2017 | Veranstaltungen

Logistikmanagement-Konferenz 2017

23.08.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2017

23.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Spot auf die Maschinerie des Lebens

23.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Die Sonne: Motor des Erdklimas

23.08.2017 | Physik Astronomie

Entfesselte Magnetkraft

23.08.2017 | Physik Astronomie