Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Haben Sie den Clown gesehen?

30.06.2010
Mit einem Einrad fahrenden Clown starteten Erfurter Studierende der Kommunikationswissenschaft im Juni ein Experiment auf dem Willy-Brandt-Platz mitten in der Erfurter Innenstadt. Die Frage, die sich Ihnen stellte: Nimmt die Aufmerksamkeit für die Umwelt beim Telefonieren mit dem Handy ab?
Die Ergebnisse ihrer Studie präsentierten sie jetzt an der Universität Erfurt.
Das Handy hat unsere mobile Kommunikation revolutioniert. Es dient heute als Internet-Terminal, Fotoapparat, Walkman oder eben als mobiles Telefon. Als ständiger Begleiter lenkt es immer wieder unsere Aufmerksamkeit auf sich: der prüfende Blick auf das Display - verpasste Anrufe, eine neue SMS?

Im Gebrauch als mobiles Telefon scheint es dann endgültig alle verfügbaren kognitiven Ressourcen der Benutzer einzufordern, die die gegenwärtige Umwelt dann nur noch sehr eingeschränkt wahrnehmen, nicht nur bei Autofahrern. Zumindest ist dies das Ergebnis einer Feldstudie innerhalb des Magister-Programms der Kommunikationswissenschaft an der Universität Erfurt. In dieser Studie wurden Handy-Nutzer im öffentlichen Raum mit einem ungewöhnlichen optischen Reiz konfrontiert. Ein Einrad fahrender Clown drehte entlang des Weges auf dem Uni-Campus seine Runden.

Im Rahmen einer zweiten Anlage des qualitativen Feldexperiments auf dem Willy-Brandt-Platz in Erfurt wurden die Ergebnisse der ersten Studie kurze Zeit später überprüft. Das Forschungsdesign war dabei die Replikation einer Studie, die Ende 2009 an der Western Washington University durchgeführt wurde. Die Ergebnisse der amerikanischen Studie konnten von den Erfurtern sowohl auf dem Campus als auch auf dem Willy-Brandt-Platz bestätigt werden.

„Alle, die vermeintlich zwanglos zum Handy greifen, sollten sich darüber im Klaren sein, dass sie sich damit immer auch ein Stück von der direkten Umgebung verabschieden", kommentiert Professor Joachim Höflich, unter dessen Leitung die Studie durchgeführt wurde. Der Wissenschaftler gilt als Pionier der deutschen Handy-Forschung und hat in zahlreichen Studien Interaktionen, Nutzungsweisen und soziale Auswirkungen der Mobiltelefonie untersucht. Die aktuelle qualitative Untersuchung führt er im Rahmen der Methodenausbildung mit Master-Studenten seines Seminars durch.

Auch wenn die Studie nicht repräsentativ angelegt war, konnten die Studierenden eindeutige Tendenzen in den Ergebnissen feststellen. Nach den Befragungen auf Campus und Willy-Brandt-Platz ergaben sich ähnliche Ergebnisse: Handynutzer sahen den Clown zum größten Teil nicht.

Nachdem schon auf dem Campus 71 Prozent der Mobiltelefonnutzer den Clown spontan nicht bemerkten (nach der ersten Frage: „Ist Ihnen etwas Ungewöhnliches aufgefallen?“), erhöhte sich diese Anzahl auf dem Vorplatz des Erfurter Hauptbahnhofs. Hier sahen 75 Prozent der Mobiltelefonnutzer den Einrad fahrenden Clown nicht. Auch nach gezielter Nachfrage (Frage 2: „Haben Sie den Einrad fahrenden Clown gesehen?“) gaben 83 Prozent der befragten Mobiltelefonnutzer an, den Clown nicht gesehen zu haben. Fügt man die Ergebnisse von Campus und Hauptbahnhof zusammen, so ergibt sich: Insgesamt haben zwei Drittel der befragten Handynutzer den Clown nicht wahrgenommen.

Die Ergebnisse sprechen dafür, dass das Handy nicht nur während komplexer Tätigkeiten, wie dem Autofahren, sondern auch in alltäglichen Situationen, wie dem Überqueren eines Platzes, notwendige Aufmerksamkeit kosten kann.

Nähere Informationen / Kontakt:
Christopher Fink
Tel.: 0177 / 20 45 949
E-Mail: christopher.fink@stud.uni-erfurt.de

Carmen Voigt | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-erfurt.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Kommunikation Medien:

nachricht Wenn die Bilder lügen - KI-System entlarvt Fake News im Internet
20.04.2017 | Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz GmbH, DFKI

nachricht Warum wechseln Menschen ihre Sprache?
14.03.2017 | Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Kommunikation Medien >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften