Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Größte deutsche Wissenschaftlerbefragung zu Medienkontakten

01.08.2011
Viele Wissenschaftler möchten über die Medien ein breiteres Publikum erreichen und mit ihrem Fachwissen auch politische Entscheidungen beeinflussen.

Dieses Bild zeichnet sich bei der bislang größten deutschen Befragung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern über ihre Medienkontakte ab, die am 31. Juli endet.

Von Forschung im Elfenbeinturm oder einem Rückzug ins stille Kämmerlein kann also keine Rede sein. Der Jülicher Kommunikationswissenschaftler Hans Peter Peters rechnet ab dem 1. August 2011 mit den ersten endgültigen Ergebnissen. Seine Arbeitsgruppe hat rund 1600 Wissenschaftler über Häufigkeit, Art und Bewertung ihres Umgangs mit Medien und Journalisten befragt.

Durch die Untersuchung lassen sich die Einstellungen und Erfahrungen von Forschern aus unterschiedlichen Disziplinen direkt miteinander vergleichen. Sie soll Fragen beantworten, wie: Wie unterscheiden sich die verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen in ihrem Verhältnis zu den Medien? Fördert oder schadet Medienpräsenz der wissenschaftlichen Karriere? Und wie stark wird die Forschung selbst durch die Medien beeinflusst?

Die Unterschiede zwischen den verschiedenen Disziplinen fallen in einer vorläufigen Auswertung teilweise ziemlich deutlich aus. Über die Hälfte der Geistes- und Sozialwissenschaftler hatte in den letzten drei Jahren mehr als fünf Medienkontakte. Unter den Mathematikern und Naturwissenschaftlern kam dagegen nicht einmal jeder fünfte auf diese Zahl. "Dies liegt zum einen an der unterschiedlichen journalistischen Nachfrage, zum anderen aber auch schlicht an der unterschiedlichen Größe der Fächer. In großen Fächern verteilt sich Medieninteresse auf eine größere Zahl von Wissenschaftlern", meint Projektleiter Hans Peter Peters. Interessanterweise scheint auch das abgefragte Wissen je nach Fachgebiet zu variieren: "Wissenschaftler in sozial- und geisteswissenschaftlichen Fächern werden oft gebeten, gesellschaftliche Themen oder Probleme auf Basis ihres allgemeinen Expertenwissens zu kommentieren. Bei Fächern wie Archäologie, Neurowissenschaften oder Chemie stehen dagegen deutlich häufiger konkrete Forschungsergebnisse im Vordergrund", so Peters.

Bei der Beurteilung der Berichterstattung über das eigene Fach gibt es unter den Wissenschaftlern teils positive, teils kritische Ansichten. "Die allgemeine Darstellung kommt aber häufig schlechter weg als die eigenen, konkreten Erfahrungen", sagt Hans Peter Peters. Über 60 Prozent bewerten die eigenen Medienkontakte als gut, nur drei Prozent als schlecht. In allen Fächern zeigen sich Wissenschaftler außerdem durchweg daran interessiert, sich mit ihrem Wissen an gesellschaftlichen Debatten zu beteiligen. Fast 80 Prozent stimmen der Aussage zu, dass Wissenschaftler ihre Expertise nutzen sollten, um politische, wirtschaftliche und andere gesellschaftliche Entscheidungen zu kritisieren oder praktische Handlungsvorschläge zu machen. Das Bestreben nach Medienaufmerksamkeit zeigt auch Rückwirkungen auf die Wissenschaft selbst: "Aus unseren Daten lässt sich herauslesen, dass es in den verschiedensten Fächern so etwas wie eine Medialisierung der Wissenschaft gibt", so Hans Peter Peters. Fast die Hälfte der Befragten gibt an, dass erwartete positive oder negative "Publicity" schon einmal ihre Entscheidungen im Forschungsprozess oder bei Publikationen beeinflusst hat.

Ein weiteres Ergebnis der Befragung zeigt: Das Verhältnis der Wissenschaftler zu Medien und Öffentlichkeit ist nicht ohne Widersprüche. Über 60 Prozent wollen mit der Öffentlichkeit in einem "Dialog zwischen gleichberechtigten Partnern" kommunizieren. Allerdings gestehen nur 16 Prozent der Forscher der Öffentlichkeit genug Urteilsvermögen zu, um in der Forschungspolitik mitzureden.

Um eine möglichst repräsentative Auswahl zu erreichen, hat die Jülicher Arbeitsgruppe 475.000 Autoreninformationen von wissenschaftlichen Fachzeitschriften und Büchern ausgewertet. Dann befragte sie online gezielt die daraus gebildete Stichprobe von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus 16 Fächern der Sozial-, Geistes-, Lebens-, Ingenieur- und Naturwissenschaften. Die Auswertung der fast 50 Fragen wird noch weitere Aspekte beleuchten: zum Beispiel wie Medienkontakte in unterschiedlichen Disziplinen von den Kollegen bewertet werden, oder, in welchen Fachbereichen Wissenschaftler besonders häufig Tageszeitungen lesen, Radio hören, oder Fernsehen gucken.

Mit dem Abschluss der Jülicher Befragung endet zunächst nur ein Teil eines größeren Verbundprojekts, das von der VolkswagenStiftung im Rahmen des Programms "Wissenschaft - Öffentlichkeit - Gesellschaft" gefördert wird. Außer den Jülicher Forschern sind auch Wissenschaftler der Universität Mannheim, der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und der Freien Universität Berlin beteiligt. In einer zweiten Auswertungsphase werden die Ergebnisse der Wissenschaftler-Befragung mit den Ergebnissen einer Journalisten-Befragung (Berlin) sowie einer Medienanalyse (Mannheim und Münster) zusammengeführt und gemeinsam analysiert. Damit sollen die Unterschiede zwischen Wissenschaftsdisziplinen dann nicht nur beschrieben, sondern durch ein theoretisches Modell der Beziehungen zwischen Wissenschaft und Medien auch erklärt werden. Weiterhin ist ab September 2011 eine Ausdehnung der Wissenschaftler-Befragung im Bereich Neurowissenschaften auf die USA und Taiwan geplant.

Weitere Informationen:

Rahmendaten der Befragung:

Fachbereiche der realisierten Stichprobe (nach DFG-Forschungssystematik):
* Archäologie/Altertumswissenschaften
* Geschichtswissenschaft
* Philosophie
* Psychologie
* Volkswirtschaftslehre
* Rechtswissenschaften
* Biologie
* Neurowissenschaften
* Tiermedizin
* Chemie
* Mathematik
* Geowissenschaften (einschl. Geographie)
* Werkstoffwissenschaften
* Informatik
* Bauwesen/Architektur
* Kommunikationswissenschaften
Die Befragung basiert auf insgesamt 1580 auswertbaren Fragebögen und erzielte eine Response-Quote von 33 Prozent. (Stand: 25. Juli 2011)
Programm der VolkswagenStiftung: "Wissenschaft - Öffentlichkeit - Gesellschaft":
http://www.volkswagenstiftung.de/foerderung/wissenschaft-oeffentlichkeit-gesellschaft.html
Arbeitsbereich "Soziale Kontexte neurowissenschaftlicher Forschung" am Institut für Neurowissenschaften und Medizin (INM), Forschungszentrum Jülich:

http://www.fz-juelich.de/inm/inm-8/DE/Forschung/Soziale_Kontexte/kontexte_node.html

Ansprechpartner:
Prof. Hans Peter Peters
Tel. 02461 61-3562
h.p.peters@fz-juelich.de
Pressekontakt:
Tobias Schlößer
Tel. 02461 61-4771
t.schloesser@fz-juelich.de
Das Forschungszentrum Jülich...
... betreibt interdisziplinäre Spitzenforschung, stellt sich drängenden Fragen der Gegenwart und entwickelt gleichzeitig Schlüsseltechnologien für morgen. Hierbei konzentriert sich die Forschung auf die Bereiche Gesundheit, Energie und Umwelt sowie Informationstechnologie. Einzigartige Expertise und Infrastruktur in der Physik, den Materialwissenschaften, der Nanotechnologie und im Supercomputing prägen die Zusammenarbeit der Forscherinnen und Forscher. Mit rund 4 700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gehört Jülich, Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, zu den großen Forschungszentren Europas.

Tobias Schlößer | Forschungszentrum Jülich
Weitere Informationen:
http://www.fz-juelich.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Kommunikation Medien:

nachricht Moderne Medientechnik im Atlasgebirge
17.08.2017 | Universität Siegen

nachricht Wissenschaftler entschlüsseln das „perfekte Selfie“
26.06.2017 | Otto-Friedrich-Universität Bamberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Kommunikation Medien >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Aufräumen? Nicht ohne Helfer

19.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Biotinte für den Druck gewebeähnlicher Strukturen

19.10.2017 | Materialwissenschaften

Forscher studieren molekulare Konversion auf einer Zeitskala von wenigen Femtosekunden

19.10.2017 | Physik Astronomie