Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fußballspiele und Konzerte aus beliebiger Perspektive

01.08.2013
Fußball- und Konzertfans können künftig die Kameraperspektive bei Liveübertragungen frei wählen, oder gar eine Rundumansicht genießen. Dies ermöglicht eine neue Panoramakamera. Ihr Vorteil: Sie ist klein, robust und einfach zu bedienen.

»Toooor«, hallt es aus Wohnzimmern und Kneipen, und der erfolgreiche Schuss wird aus verschiedenen Perspektiven wiederholt gezeigt. Doch auch beim restlichen Fußballspiel wünschen sich Zuschauer oftmals, aus einem anderen als dem gezeigten Blickwinkel auf die Spielfläche zu schauen. Künftig soll das möglich sein: Der Zuschauer ist dann sein »eigener Kameramann«, der am PC, Tablet-PC oder auch an neuen TV-Geräten die jeweilige Perspektive seiner virtuellen Kamera frei wählen kann – und das in Echtzeit während der Liveübertragung. Er kann sich sogar virtuell im Kreis drehen und eine Rundum-Ansicht des Spielfeldes und der Zuschauertribünen genießen.

Möglich macht es die neue Kamera OmniCam360: Wird sie etwa am Spielfeldrand in Höhe der Mittellinie positioniert, zeigt sie das gesamte Panorama, also einen 360-Grad-Blick. Das Besondere: Die Kamera bringt nur 15 Kilogramm auf die Waage. Sie kann somit von einer Person getragen und auf einem Stativ befestigt werden. Ihr Vorgänger dagegen wog noch stolze 80 Kilogramm. Zudem ist sie wesentlich kleiner: Während das erste Modell der OmniCam noch etwa eineinhalb Quadratmeter Platz benötigte und daher für die Zuschauer vor Ort teilweise störend war, ist die neue Version nicht größer als eine normale Fernsehkamera.

Zehn Kameras für den Rundumblick

Um den Rundumblick zu erhalten, besteht die OmniCam360 aus zehn Kameras. Diese blicken jedoch nicht einfach in verschiedene Richtungen, wie es etwa beim Streetview der Fall ist. Da die Objektive bei dieser sternförmigen Anordnung sehr weit auseinander liegen, hat jede Kamera einen anderen Blickwinkel. Bislang wirken vor allem nahe Objekte an der Schnittstelle zwischen zwei Aufnahmen oft verzerrt, sind abgeschnitten oder gar nicht zu erkennen – das Panorama zeigt »Nähte« und Verzerrungen. Dieses Problem, das auch Parallaxe genannt wird, konnten die Forscher lösen: »Wir haben ein Spiegelsystem entwickelt, das die Eintrittspupillen der Kameras in ein gemeinsames Zentrum verlegt«, sagt Christian Weißig, Projektleiter am Fraunhofer-Institut für Nachrichtentechnik, Heinrich-Hertz-Institut HHI in Berlin, wo die Kamera entwickelt wurde. Dieses Spiegelsystem lenkt das Geschehen, also etwa das Fußballspiel, so auf die Kameras, dass sie alle exakt den gleichen Blickwinkel haben. Oder vielmehr: Fast exakt. Einen winzigen »Fehler« haben die Forscher bei der neuen OmniCam absichtlich eingebaut. Er sorgt dafür, dass sich die einzelnen Kamerabilder wenigstens um ein paar Pixel überlappen. Die Software kann die Bilder ohne eine Nahtstelle verschmelzen. Denn würden die Pixel sich nicht überlappen, gäbe es an der Nahtstelle eine kleine Lücke im Bild, die den Panoramablick stört. Die winzige Verschiebung im Blickwinkel dagegen ist für den Zuschauer nicht zu erkennen.

Ein weiterer Vorteil der Mini-OmniCam: Der Kameramann muss sie nicht aufwändig kalibrieren. Üblicherweise müssen die verschiedenen Kameras vor einer Panorama-Aufzeichnung zunächst aufeinander abgestimmt werden. Welche Kamera hat welchen Blickwinkel? Wie müssen die einzelnen Objektive genau ausgerichtet werden? Bei der OmniCam gilt: Kamera auspacken, anschließen – und los geht´s. Möglich macht dies eine spezielle Technik, mit der die zehn Kameras an einer speziellen Halterung befestigt werden. »Durch den optimierten Aufbau ist es uns gelungen, sowohl auf eine aufwändige Kalibrierung verzichten zu können als auch die Baugröße drastisch zu verringern. Somit konnten wir auch ein Vielfaches an Gewicht einsparen«, sagt Weißig.

Die Panorama-Kamera soll keineswegs nur bei Sportveranstaltungen gute Dienste leisten. Auch Konzerte haben die Forscher bereits mit ihr aufgezeichnet – drei Kameras waren sowohl auf der Bühne als auch im Zuschauerraum platziert. Über eine spezielle App können Musikfreunde solche Konzertmitschnitte künftig »von allen Seiten« genießen. In einem aktuellen Projekt planen die Wissenschaftler, ein Konzert der Philharmoniker in Berlin live nach Japan zu übertragen. Zu sehen ist das 360-Grad-System vom 13. bis 17. September auf der Messe IBC in Amsterdam (Halle 8, Stand B80).

Christian Weißig | Fraunhofer Forschung Kompakt
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de/de/presse/presseinformationen/2013/august/fussballspiele-und-konzerte-aus-beliebiger-perspektive.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Kommunikation Medien:

nachricht Wenn die Bilder lügen - KI-System entlarvt Fake News im Internet
20.04.2017 | Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz GmbH, DFKI

nachricht Warum wechseln Menschen ihre Sprache?
14.03.2017 | Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Kommunikation Medien >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie