Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

EU-Projekt »digital.me« legt Quelltext offen

24.09.2013
Mehr Kontrolle für den Nutzer von Social Media

Im EU-Projekt »digital.me« entwickelt das Fraunhofer IAO gemeinsam mit sieben Partnern aus Forschung und Industrie ein System für nutzerkontrollierte soziale Netzwerke und Dienste, das mehrere Identitäten eines Nutzers an einer Stelle verwalten kann. Das Projekt hat nun den Quellcode der Software-Entwicklung als Open Source-Projekt veröffentlicht.


© violetkaipa - Fotolia.com

In unserer Informationsgesellschaft nutzen Menschen sowohl dienstlich als auch privat immer mehr persönliche Informationen im Internet. Seit dem Aufkommen von Social Media gibt der einzelne Internetnutzer mehr Informationen denn je über sich preis. Der Wert für ihn ist offenkundig: So kann er Kontakte knüpfen und pflegen, sowie Internetservices und Systeme nach seinen Wünschen persönlich anpassen. Für den Einzelnen ist es aber schwer, kontrolliert mit persönlichen Daten umzugehen und sie - soweit wie nötig - zu schützen.

Seit 2010 forscht eine Gruppe europäischer Forschungseinrichtungen und Unternehmen an einer Technologie, die dem Internetnutzer eine kontrollierte, vertrauensbasierte und vernünftige Weitergabe persönlicher Daten ermöglichen soll. Das Kooperationsprojekt »digital.me« wird aus dem 2007 aufgelegten und bis 2013 laufenden 7. EU-Forschungsrahmenprogramm finanziert (Finanzhilfevereinbarung Nr. 257787). Ziel ist es, ein soziales System zu entwickeln, bei dem die Nutzerkontrolle bereits im Systemdesign verankert ist. Zentrale Komponente der neuen Softwareplattform ist die di.me userware: ein direkt vom Nutzer kontrolliertes Softwaretool, mit dem zum Beispiel Nachrichten geschrieben oder Dateien ausgetauscht werden können.

Kernidee des Forschungsprojekts ist ein voll und ganz auf semantischer Technologie beruhendes System, das intelligente Empfehlungen und Ratschläge geben kann. Auch zur Integration externer Dienste und Informationsquellen wird das semantische Modell verwendet. Z.B. lassen sich so Profile aus anderen Social-Networking-Plattformen synchronisieren und in die semantische Datenbank von di.me übernehmen. So kann der Nutzer Informationen aus verschiedenen Quellen abgleichen und behält die Übersicht über die verschiedenen Datenquellen. Mit drei Grundideen gibt di.me Impulse für die Zukunft im Bereich Social Media Networking und Netzwerkdienste:

Dezentralisierung: Die Plattform di.me ist ein dezentrales Social Network, mit dem der Nutzer seine Personendaten in seinem eigenen System pflegt. Mit anderen Internetnutzern kommuniziert er über Peer-to-Peer-Technologie, also ohne sich auf einen externen Server verlassen zu müssen. Die Plattform lässt sich auf zwei Arten betreiben: als Gruppenserver mit mehreren Nutzerkonten oder als Server für Einzelnutzer, der auf dessen Computer ausgeführt werden kann.

Verwaltung mehrerer Nutzeridentitäten: di.me ist für die Unterstützung mehrerer Identitäten innerhalb eines Systems vorgesehen. Durch Wechseln zwischen unterschiedlichen Profilen kann der Nutzer verschiedene Namen oder Pseudonyme verwenden und so in den verschiedenen Netzwerken unterschiedliche Informationen über sich verbreiten. Mithilfe eines einzigen Systems lassen sich so Rollen für verschiedene Lebensbereiche verwalten. Der semantische Kern der Plattform analysiert die preisgegebene Information und gibt Warnungen heraus – zum Beispiel, wenn dadurch Rückschlusse auf eine Beziehung zwischen zwei Identitäten gezogen werden könnten.

Vertrauensmanagement und Empfehlungen: Der di.me-Nutzer kann festlegen, wie privat welche Daten sind und bestimmen, welcher Kontakt vertrauenswürdig ist. Dies nutzt eine »Trust Engine« in di.me für Hinweise, z.B. wenn der Benutzer kritische Daten an nicht vertrauenswürdige Empfänger senden oder im untypischen sozialen Umfeld weitergeben möchte.

Um Nutzer in die Entwicklung der di.me userware einzubeziehen, hat das Konsortium eine Prototypenversion realisiert, mit der die Machbarkeit dieses Ansatzes gezeigt werden soll. Nutzer können an dem Versuch teilnehmen, Feedback geben und damit zur wissenschaftlichen Evaluation beitragen.

di.me ist open source: Die Projektpartner haben den Quelltext der Entwicklung mittlerweile offengelegt. di.me ist erweiterbar, und die Publikation als open source ermöglicht es Entwicklern, die Plattform für weitere Initiativen zu nutzen. So lassen sich weitere Datenquellen anbinden, mehr Informationen z.B. neuer Geräte, Dienste und Social Services einbeziehen. Die Funktionalität des aktuellen Demonstrators lässt sich ebenfalls erweitern, beispielsweise für spezialisierte soziale Dienste.

Juliane Segedi | Fraunhofer-Institut
Weitere Informationen:
http://www.iao.fraunhofer.de/lang-de/geschaeftsfelder/informations-und-kommunikationstechnik/1202-europaeisches-projekt-igital-me-legt-

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Kommunikation Medien:

nachricht Wissenschaftler entschlüsseln das „perfekte Selfie“
26.06.2017 | Otto-Friedrich-Universität Bamberg

nachricht Wenn die Bilder lügen - KI-System entlarvt Fake News im Internet
20.04.2017 | Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz GmbH, DFKI

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Kommunikation Medien >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungen

Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien

21.07.2017 | Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblicke unter die Oberfläche des Mars

21.07.2017 | Geowissenschaften

Wegbereiter für Vitamin A in Reis

21.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten