Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Dialog erwünscht, Skepsis bei Mitsprache

13.08.2013
Eine aktuelle Sicht auf das Verhältnis von Wissenschaftlern, Journalisten und Öffentlichkeit

Web 2.0 und soziale Medien stehen im Begriff, den Dialog zwischen Wissenschaftlern und Öffentlichkeit zu verändern. Werden Wissenschaftler künftig die neuen Möglichkeiten nutzen, um direkt mit der Öffentlichkeit in Kontakt zu treten? Gewinnen Laien dadurch mehr Einfluss, während der Wissenschaftsjournalismus als Bindeglied an Bedeutung verliert?

Der Jülicher Kommunikationsforscher Prof. Hans Peter Peters ist skeptisch. In der Zeitschrift PNAS hat er jetzt einen Artikel über den aktuellen Stand der Forschung veröffentlicht.

Auch innerhalb der Wissenschaft verlagert sich Kommunikation zunehmend ins Internet. Und nicht nur das, einzelne Wissenschaftler diskutieren sehr aktiv in sozialen Netzwerken und Blogs mit einer breiten Öffentlichkeit über ihre Forschung. In der Kommunikationswissenschaft wird kontrovers über die Konsequenzen debattiert. Im Kern geht es um die Frage, ob die Grenze von öffentlicher und wissenschaftlicher Diskussion künftig verschwimmen wird. Einige Experten erwarten, dass immer mehr Forscher den direkten Austausch mit der interessierten Öffentlichkeit suchen. Laien bekämen größeren Einfluss auf die Wissensproduktion, der Wissenschaftsjournalismus würde als Bindeglied dagegen an Bedeutung verlieren.

Doch Hans Peter Peters dämpft allzu große Erwartungen. Der Kommunikationswissenschaftler vom Jülicher Institut für Neurowissenschaften und Medizin (INM) stützt sich auf die Ergebnisse verschiedener Wissenschaftlerbefragungen zum Verhältnis von Wissenschaftlern, Journalisten und Öffentlichkeit. Er selbst hat in den vergangen zehn Jahren Antworten von rund 3.500 Wissenschaftlern unterschiedlicher Fachrichtungen, unter anderem aus Deutschland, USA, Großbritannien, Frankreich, Japan und Taiwan, ausgewertet. Berücksichtigt hat er außerdem weitere empirische Studien, etwa Befragungen im Auftrag der Wissenschaftlervereinigung AAAS (American Association for the Advancement of Science) oder der britischen Royal Society.

Die Untersuchungen zeigen beispielsweise, dass sowohl ältere als auch jüngere Wissenschaftler mehrheitlich kein direktes Mitspracherecht von Laien in Forschungsfragen wünschen. Dennoch ist öffentliche Kommunikation unter Wissenschaftlern längst als notwendig und wichtig anerkannt. Der gängige Weg in die Öffentlichkeit führt aber immer noch vor allem über die journalistischen Medien. „Wissenschaftler verbinden Medienpräsenz mit einem hohen Nutzen: etwa Anerkennung und Aufmerksamkeit von Geldgebern, Organisationsleitung und Kooperationspartnern“, betont Hans Peter Peters. Die Ergebnisse seiner Studien belegen, dass viele Wissenschaftler regelmäßig Kontakte zu Journalisten haben und diese überwiegend positiv bewerten – trotz kleinerer Fehler, die viele Forscher in der Berichterstattung bemängeln.

Trotz allem Nutzen ziehen Wissenschaftler aber eine klare Trennlinie: Bei der Wissensproduktion bleiben die Forscher lieber unter sich, denn dort gelten ihre Regeln, beispielsweise Genauigkeit, Nachvollziehbarkeit und unabhängige Prüfung. Fast die Hälfte der Naturwissenschaftler hält es für richtig, ein wissenschaftliches Ergebnis erst öffentlich bekannt zu machen, nachdem es in einer wissenschaftlichen Arbeit publiziert wurde. „Die Unterscheidung der Wissenschaftler in Dialog mit der Öffentlichkeit und Diskussion innerhalb der Wissenschaft ist die eigentliche Kluft in der Wissenschaftskommunikation“, erklärt Peters. Bei Naturwissenschaftlern ist diese Trennung ausgeprägter als bei Geistes- und Sozialwissenschaftlern. Das zeigt sich etwa daran, dass Naturwissenschaftler im Schnitt deutlich seltener Kontakte mit Journalisten haben und sie ihr Wissen stärker als Spezialwissen betrachten. Außerdem greifen Medien öfter Themen auf, bei denen juristische, historische, sozialwissenschaftliche und philosophische Expertise gefragt ist, da solche Themen eher zum Erfahrungsbereich von Laien gehören.

Originalpublikation:
Hans Peter Peters. Gap between science and media revisited: Scientists as public communicators. Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America (PNAS), 2013, doi: 10.1073/pnas.1212745110.

Der Artikel gehört zu einer Serie von Publikationen über öffentliche Wissenschaftskommunikation, die auf das Sackler Colloquium „The Science of Science Communication“ im Mai 2012 in der US National Academy of Sciences, Washington, zurückgehen.

Weitere Informationen:
Institut für Neurowissenschaften und Medizin, Bereich Ethik in den Neurowissenschaften (INM-8)

http://www.fz-juelich.de/inm/inm-8/DE/Home/home_node.html

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Hans Peter Peters
INM-8
Tel.: +49 2461 61-3562
h.p.peters@fz-juelich.de
Pressekontakt:
Tobias Schlößer
Tel. 02461 61-4771
t.schloesser@fz-juelich.de
Abstract: http://www.pnas.org/content/early/2013/08/08/1212745110.abstract

Annette Stettien | Forschungszentrum Jülich
Weitere Informationen:
http://www.fz-juelich.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Kommunikation Medien:

nachricht Auf Videokacheln basierendes DASH Streaming für Virtuelle Realität mit HEVC vom Fraunhofer HHI
03.01.2017 | Fraunhofer-Institut für Nachrichtentechnik Heinrich-Hertz-Institut

nachricht Virtuell und 360°: die Zukunft bewegter Bilder
04.10.2016 | Fachhochschule St. Pölten

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Kommunikation Medien >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Der erste Blick auf ein einzelnes Protein

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Das menschliche Hirn wächst länger und funktionsspezifischer als gedacht

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zur Sicherheit: Rettungsautos unterbrechen Radio

18.01.2017 | Verkehr Logistik