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Datenschutz vs. Imagepflege: Studentinnen untersuchen Profilbild-Auswahl von Facebook-Nutzern

15.08.2013
Viele Nutzer zeigen ihr Gesicht / Frauen auf Facebook vorsichtiger als Männer / Humboldt reloaded macht Forschung im Bachelor möglich

Facebook, die Datenkrake – Facebook, der Freundefinder. Die Meinungen über das soziale Netzwerk gehen auseinander, trotzdem zählt es fast eine Milliarde Nutzer weltweit. Bachelor-Studentinnen der Kommunikationswissenschaft an der Universität Hohenheim haben jetzt in Rahmen des Reformprojekts Humboldt reloaded untersucht, welche Kriterien bei der Auswahl des Facebook-Profilbilds im Vordergrund steht.

„Ziel der Untersuchung war herauszufinden welche Rolle die Privatsphäre bei der Auswahl des Profil- und Titelbildes spielt“, erklärt Projektleiterin Hanna Gölz. „Unsere Annahme war, dass die Auswahl des Profilbildes die Facebook-Nutzer vor eine besondere Herausforderung stellt: Einerseits wollen Sie sich bewusst gegenüber anderen Nutzern darstellen und den auf andere Nutzer vermittelten Eindruck lenken, das ist das so genannte Impression Management. Und andererseits sind sie sich möglicherweise auch der Risiken bewusst und wollen nicht zu viel von sich preisgeben.“

Gemeinsam mit ihrer Kollegin Julia Niemann und fünf Studentinnen der Kommunikationswissenschaft im 3. und 5. Semester haben sie einen Fragebogen entwickelt und die Ergebnisse ausgewertet. Die Untersuchung von 383 Nutzern, die an der Untersuchung teilgenommen haben, wirkt angesichts der Menge an Facebook-Nutzern weltweit winzig. “Unsere Studie gibt erste Hinweise darauf wie studentische Facebook-Nutzer bei der Auswahl von Profil- und Titelbildern vorgehen und auf welche Aspekte sie Wert legen“, sagt Niemann.

Nur rund 12 % verwenden Dummy-Bild

Mit 98,2 Prozent hat fast jeder der Befragten selbst ein Profilbild bei Facebook eingestellt. Und die meisten (86 %) sind auf dem Bild auch klar erkennbar. „Manchmal waren Freunde, Partner oder Familienmitglieder mit abgebildet. Aber nur 12 Prozent der Befragten hat einen so genannten Dummy verwendet“, erklärt Daniela Bader, eine Studentin aus dem 3. Semester. „Das heißt, auf dem Bild war keine Person zu erkennen, sondern beispielsweise eine Landschaftsaufnahme oder eine andere, meist fiktive, Figur.“

Für die jungen Forscherinnen eine eindeutige Aussage: „Die meisten Facebook-User wollen von anderen Nutzern erkannt werden. Und sie legen Wert auf gute Bilder“, sagt Luisa Mack, 5. Semester. Bei der Bildauswahl spielten zwei gegenläufige Motive eine große Rolle. „Die Bilder sollen einerseits der eigenen Persönlichkeit entsprechen. Gleichzeitig wollen die Nutzer, dass sie darauf sympathisch wirken.“ Ein Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Befragten sei hierbei noch nicht zu erkennen gewesen.

Bilder sollen Eindruck machen

Wie wichtig die Profilbilder bei der Beurteilung anderer Nutzer auf Facebook sind, zeigen weitere Antworten der Befragten: Auf einer Skala von 1 (sehr selten) bis 5 (sehr häufig) erreichen die Profilbilder einen Wert von durchschnittlich 4,69. Das heißt, sie werden von allen Elementen des Facebook-Profils am häufigsten beachtet, wenn es darum geht das Profil einer fremden, bzw. neu kennengelernten Person zu beurteilen. Die Titelbilder, die oben auf einem Profil sichtbar sind, erreichen einen Wert von 4,23. „Die Nutzer sehen die Bilder als zentralen Punkt bei der Orientierung auf fremden Profilen an“, so Mack. „Profilbilder sind dort sogar mit Abstand die am häufigsten angesehenen Informationen.“

„Wir haben außerdem einen Zusammenhang zwischen dem Stellenwert von Impression Management und dem Grad der Inszenierung herausgefunden“, berichtet Bader. „Das bedeutet, je wichtiger einem Nutzer der Eindruck ist den sein Profil hinterlässt, desto mehr Wert legt er auf die Inszenierung des Bildes.“ Jemand, dem der Eindruck besonders wichtig ist, stelle kaum einen Schnappschuss ins Netz, sondern eher eine wohlüberlegte vielleicht sogar überarbeitete Aufnahme.

Männer gehen offener mit Daten um als Frauen

Erst bei der Frage nach der Privatsphäre habe man hier einen signifikanten Unterschied herausgefunden. „Frauen ist die Privatsphäre deutlich wichtiger als Männern“, erläutert Bader die Zahlen. „Sie geben Daten nicht so leicht preis und sind auch vorsichtiger bei der Auswahl ihrer Bilder.“ Generell überwiege allerdings bei beiden Geschlechtern die Vorsicht bei der Nutzung von Facebook.

Auch zwischen dem persönlichen Bedürfnis nach Privatsphäre und dem Umgang mit dem sozialen Netzwerk besteht ein signifikanter Zusammenhang. „Je höher die Nutzer das Risiko für die eigene Privatsphäre einschätzen, desto vorsichtiger sind sie bei der Nutzung“, so Mack.

Wer Eindruck machen will, ist vorsichtiger

Doch nicht nur der Schutz der Privatsphäre lässt die Nutzer vorsichtiger agieren. „Auch zwischen dem Impression Management und der Vorsicht beim Umgang mit Facebook gibt es eine positive Korrelation“, weiß Mack. „Auf gut Deutsch: Wer einen guten Eindruck hinterlassen will, der geht wesentlich vorsichtiger mit Bildern und Daten auf Facebook um als andere Nutzer.“ – „Das gilt übrigens erst recht für Nutzer, die gerade auf Jobsuche sind“, ergänzt Bader.

Fazit: „Facebook-User wählen recht unterschiedliche Bilder als Profil- und Titelbild aus, sind sich aber durchaus der Risiken bewusst“, zieht Hanna Gölz Bilanz. „Und selbst in der Untersuchung dieser Stichprobe wird klar“, fügt Julia Niemann hinzu, „wie wichtig den Nutzern sozialer Netzwerkseiten der Eindruck auf andere ist, und dass sich viele sehr genau überlegen welches Bild sie als ihr Profilbild auswählen, um einen positiven Eindruck zu hinterlassen.“

Die beteiligten Studentinnen nehmen noch einiges mehr mit aus dem Projekt: „Es war toll an einem echten Forschungsprojekt mitzuarbeiten und handfeste Ergebnisse herauszubekommen“, sagt Daniela Bader und Luisa Mack ergänzt: „Kommunikationswissenschaft wurde für mich noch greifbarer. Und eine Idee für meine Bachelor-Arbeit habe ich mittlerweile auch.“

Hintergrund: Humboldt reloaded

Das Reformprojekt Humboldt reloaded will Studierende von Beginn an für die Wissenschaft begeistern. Die Studierenden arbeiten in Forschungsgruppen, die optimal betreut werden, weil sie nur wenige Teilnehmer haben. In den Projekten werden neue Arbeits- und Lehrmethoden eingesetzt und fördern so neben der reinen Wissensvermittlung die überfachlichen Handlungs- und Gestaltungskompetenzen. Möglich macht das der „Qualitätspakt Lehre“, der das Reformkonzept „Humboldt reloaded“ mit 8 Millionen Euro für fünf Jahre prämierte.

Hintergrund: Studium 3.0.

Das Studium 3.0 bündelt mehrere Projekte für ein besseres Studium an der Universität Hohenheim. Humboldt reloaded bietet Forschung von Anfang an. Die Individuellen Lernräume schaffen Freiräume für Soft-Skills-Trainings, Auslandsaufenthalte oder Ausflüge in Nachbardisziplinen. Ein Dozentencoach und eine Methodenwerkstatt entwickeln alternative Lernkonzepte. In Vorbereitung: das Sonderprojekt Mobile Lehre.

Kontakt für Medien:
Hanna Gölz, M. Sc., Forschungsstelle für Medienwirtschaft und Kommunikationsforschung
Tel.: 0711 / 459 -23878, E-Mail: hanna.goelz@uni-hohenheim.de
Julia Niemann, M. A., Forschungsstelle für Medienwirtschaft und Kommunikationsforschung

Tel.: 0711 / 459 -23428, E-Mail: julia.niemann@uni-hohenheim.de

Text: Sokoliuk

Florian Klebs | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-hohenheim.de

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