Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuartiger Peer-to-Peer-Simulator vorgestellt

20.09.2007
Das Fachgebiet Multimedia Kommunikation (KOM) der TU Darmstadt hat einen neuartigen Simulator entwickelt: Mit PeerfactSim.KOM können erstmals komplette Peer-to-Peer-Systeme modelliert werden. Bislang war eine Modellierung nur für einzelne oder eine Gruppe von Komponenten möglich.

Mit PeerfactSim.KOM simulieren die Darmstädter Forscher beispielsweise P2P-Systeme, um digitale Inhalte wie Videos oder Podcasts effizienter verteilen zu können. Darüber hinaus eignet sich der Simulator, um Anwendungen wie Dateitauschbörsen, aber auch Szenarien aus dem Katastrophenmanagement nachzubilden. Der Open Source-Simulator wurde in diesem Frühjahr auf einem EU-Workshop vorgestellt und wird künftig auch von Forschergruppen verschiedener europäischer Universitäten genutzt.

Darmstadt. Schon heute geht ein Großteil des Datenverkehrs im Internet auf Peer-to-Peer-Systeme (P2P) wie Musiktauschbörsen und Internet-Telefonie zurück. "Dieser Trend wird sich weiter verstärken und das Internet schon in einigen Jahren völlig verändern", ist sich Prof. Ralf Steinmetz vom Fachgebiet Multimedia Kommunikation (KOM) der TU Darmstadt sicher.

Diese Systeme kommen ohne zentrale Kontrollinstanz aus, alle Teilnehmer des Netzwerks sind gleichberechtigte Mitglieder (Peers). Doch noch sind viele potenzielle Anwendungen für P2P-Systeme reine Theorie, weil die Qualität der Systeme noch nicht ausgereift ist. Ein neuartiger Simulator, der am Fachgebiet KOM entwickelt wurde, soll helfen, einen Leistungsvergleich für P2P-Systeme aufzubauen.

"Das Neue an unserem Simulator PeerfactSim.KOM ist, dass er komplette Peer-to-Peer-Systeme simulieren kann", erläutert Nicolas Liebau, Leiter des Forschungsbereichs Peer-to-Peer-Networking am Fachgebiet KOM, der die Software entwickelt hat. "Bislang war es nur möglich, einzelne oder eine Gruppe von Komponenten nachzubilden, wie zum Beispiel das Overlay-Netzwerk oder die Verteilstrategie für Medieninhalte. Nun können wir modular alle Komponenten der P2P-Systeme miteinander verknüpfen und auch eventuelle Wechselwirkungen untersuchen", meint der Darmstädter Wirtschaftsingenieur.

Das erwähnte Overlay-Netzwerk ist ein virtuelles Netzwerk, das über dem eigentlichen Netzwerk, dem Internet, liegt und lediglich virtuelle "Ende-zu-Ende"-Verbindungen darstellt. Weitere Komponenten sind die Nutzerschicht, in der das Nutzerverhalten simuliert wird, sowie die Anwendungsschicht, auf der Anwendungen wie Dateitauschbörsen oder ein Katastrophenszenario modelliert werden können.

"Eine für die Zukunft wichtige P2P-Anwendung ist die Verteilung von Medieninhalten", betont Liebau. Die Downloads nehmen stetig zu, so dass auch für den Anbieter die mit der Verteilung verbundenen Kosten stark steigen, weil die Bandbreite für den steigenden Datenverkehr erhöht werden muss. Mit P2P-Systemen könnte ein Großteil Kosten auf die Nutzer verteilt werden, da diese sich an der Verbreitung der Inhalte beteiligen", so Liebau. "Am Fachgebiet KOM simulieren wir P2P-Systeme, beispielsweise um digitale Inhalte wie Videos oder Podcasts effizienter verteilen zu können.

Wir berücksichtigen dabei auch den Standort der Netzwerk-Teilnehmer (Peers). Damit können wir überprüfen, ob Daten erst einmal rund um die Welt geschickt werden, bevor sie am Ziel ankommen. So etwas sollte natürlich vermieden werden. Auch wollen wir Aussagen darüber treffen, welches Overlay am besten für ein Szenario X funktioniert." Denn eine ungünstige Konstruktion des Overlays kann dazu führen, dass der Verwaltungsaufwand beispielsweise bei hohem Abwanderungs- und Zuwanderungsquoten der Teilnehmer eines Netzwerks exponentiell zunimmt. "Wir vermuten jedoch, dass es DAS beste Overlay-Netzwerk nicht gibt. Wahrscheinlich lässt sich keine allgemeingültige Aussage treffen, weil die Leistungsfähigkeit eines Netzwerks unter anderem auch abhängig ist vom Nutzerverhalten."

Der Open-Source-Simulator steht seit Ende letzten Jahres Interessierten im Internet zur Verfügung. "Ende Juli haben wir die dritte Version von PeerfactSim.KOM online gestellt", erzählt Liebau. Diese Version ist schneller, kann mehr Knoten, also Netzwerk-Teilnehmer, berücksichtigen und ist nach dem von der Resi-Gruppe (Reference for Network Simulations) vorgeschlagenen Konzept mit anderen Simulatoren kombinierbar. "Auf diese Weise werden unterschiedliche Peer-to-Peer-Mechanismen zu einem bestimmten Szenario miteinander vergleichbar", erklärt der Wissenschaftler. Mit der Software lassen sich Szenarien zum Beispiel aus dem Katastrophenmanagement, aus Dateitauschbörsen oder auch aus dem Bereich Video-on-Demand simulieren. Bislang wird PeerfactSim.KOM für Forschungszwecke am Fachgebiet KOM und innerhalb der Forschergruppe der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) "QuaP2P" genutzt. Nach einer Präsentation im Rahmen eines EU-Workshops im Februar dieses Jahres wollen nun auch verschiedene europäische Universitäten den Simulator für ihre Forschungen nutzen.

Gerda Kneifel | idw
Weitere Informationen:
http://www.multimedia-communications.net
http://www.re-si.net/

Weitere Berichte zu: KOM P2P-System PeerfactSim Simulator Szenario

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Kommunikation Medien:

nachricht Wissenschaftler entschlüsseln das „perfekte Selfie“
26.06.2017 | Otto-Friedrich-Universität Bamberg

nachricht Wenn die Bilder lügen - KI-System entlarvt Fake News im Internet
20.04.2017 | Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz GmbH, DFKI

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Kommunikation Medien >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungen

Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien

21.07.2017 | Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblicke unter die Oberfläche des Mars

21.07.2017 | Geowissenschaften

Wegbereiter für Vitamin A in Reis

21.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten