Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Europäische Union ist in den Medien: Elf-Länder-Studie zur Rolle der EU in den europäischen Medien

22.06.2007
Die Europäische Union erscheint "in den Medien vor allem Wirtschaftsgemeinschaft und nicht Wertegemeinschaft." Dies stelle eines der Hauptergebnisse einer Elf-Länderstudie zur Europaberichterstattung dar, sagt der wissenschaftliche Leiter Prof. Dr. Gerd G. Kopper vom Erich-Brost-Institut für internationalen Journalismus in Europa an der Universität Dortmund.

Das dreijährige Forschungsprojekt "Adequate Information Management in Europe", kurz AIM, legte jetzt seine Endergebnisse vor: 46 Prozent der untersuchten Berichte über die EU in den europäischen Medien beschäftigten sich mit Wirtschaftsthemen, in Deutschland sogar knapp über 50 Prozent.

Wertethemen wie Soziales (4 Prozent), Kultur und Wissenschaft (5 Prozent) oder humanitäre Fragen (4 Prozent) machten hingegen nur einen Bruchteil der Gesamtberichterstattung aus. Selbst politische Themen reichten mit knapp 40 Prozent nicht an den Schwerpunkt Wirtschaft heran. "Die EU präsentiert sich gegenüber den Bürgern gerne als Wertegemeinschaft. Die Menschen nehmen sie aber in der Berichterstattung so nicht wahr. In den Medien ist die EU vor allem eine Institution mit ökonomischen Auswirkungen. Das Kommunikationschaos zwischen EU und Bürgern ist gewaltig", sagt Professor Kopper.

Die Elf-Länderstudie umfasst eine dreiwöchigen Analyse der EU-Berichterstattung in europäischen Zeitungen und Fernsehnachrichten sowie Interviews mit mehr als 160 europäischen Journalisten in den Heimatredaktion sowie über 140 Korrespondenten in Brüssel.

"Auch die Mehrzahl der befragten Journalisten gab an, sie wähle vor allem Themen für die EU-Berichterstattung aus, die Auswirkungen auf die finanzielle Situation der Menschen haben", erklärt Kopper. "Viele wichtige andere gesellschaftliche Themen sind auf EU-Ebene schwer greifbar und schwer vermittelbar. Alle Wertthemen benötigen mehr Platz und Programmraum; diese Art EU-Themen unterliegen dann in den redaktionellen Entscheidungen aktuellen nationalen Themen. Dies hat sich in allen untersuchten elf Mitgliedsländern bestätigt."

Die dreiwöchigen Analysen des AIM-Projekts ergaben außerdem, dass Deutschland (15 Prozent)und Irland (15,2 Prozent) den vergleichsweise größten Anteil an EU-Berichterstattung aufweisen. An dritter Stelle liegt Litauen mit 13,7 Prozent der untersuchten Berichte. "In Großbritannien (2,9 Prozent) ist die gesamte EU-Berichterstattung hingegen eher marginal", erklärt Kopper.

Obwohl der Nachrichtenplatz Brüssel mit die höchste Korrespondentendichte der Welt aufweist, entsteht die Mehrzahl aller EU-Berichte in den Heimatredaktionen. Knapp die Hälfte aller untersuchten Zeitungsartikel wurde in den jeweiligen EU-Mitgliedsstaaten vorbereitet und verfasst, nur jeder siebte stammt von einem EU-Korrespondenten. "Unsere Interviews haben ergeben, dass es in vielen Heimatredaktionen an ausreichend Personal und Wissen für eine nachhaltige EU-Berichterstattung fehlt. Auch dies ist Teil der Kommunikationslücke zwischen der EU und ihren Bürgern, " meint Kopper.

Er rät Regionalzeitungen, die in Deutschland zusammengenommen die meisten Leser erreichen, EU-Sachverstand in den Heimatredaktionen systematisch aufzubauen. Denn die meisten regionalen und lokalen Medien können in Brüssel nur auf einen freien Mitarbeiter oder Pool-Korrespondenten zurückgreifen. Damit ergebe sich eine Situation wie häufig in der Berichterstattung aus fernen Ländern. So bedient beispielsweise einer der deutschen EU-Korrespondenten in Brüssel mehr als ein Dutzend regionale Zeitungen. "Das ist im heutigen Europa, das die Innenpolitik der Mitgliedsländer mitbestimmt, kaum mehr angemessen", sagt Kopper. Vor allem sei damit ein Eingehen auf die individuellen Leserschaften oder gar eine Regionalisierung von EU-Nachrichten ausgeschlossen.

Das AIM-Projekt wurde im sechsten wissenschaftlichen Forschungsrahmenprogramm der EU als unabhängiges Vorhaben finanziert und vom Erich-Brost-Institut in Dortmund im Rahmen eines Netzwerks von weiteren zehn europäischen Universitätsinstituten koordiniert. Die Ergebnisse wurden in der Serie "Adequate Information Management in Europe (AIM) - Working Papers" beim projekt verlag (www.projektverlag.de) veröffentlicht. Universitätsprofessor Dr. Gerd G. Kopper ist der wissenschaftliche Leiter des Gesamtprojekts.
Weitere Informationen und Fotos zum Projekt finden Sie auch unter www.aim-project.net. Unsere Experten stellen sich gern für ein Interview zur Verfügung oder verfassen einen Gastbeitrag in ihrem Medium.

Kontakt:

Julia Lönnendonker
Erich-Brost-Haus Wissenschaftszentrum für Journalismus in Europa
Centre for Advanced Study
Tel. +49-(0)231-755 6975 Sekretariat +49-(0)231-755 6971
Fax +49-(0)231-755 6955
julia.loennendonker@udo.edu

Ole Lünnemann | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-dortmund.de/

Weitere Berichte zu: AIM-Projekt Berichterstattung EU-Berichterstattung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Kommunikation Medien:

nachricht Wenn die Bilder lügen - KI-System entlarvt Fake News im Internet
20.04.2017 | Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz GmbH, DFKI

nachricht Warum wechseln Menschen ihre Sprache?
14.03.2017 | Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Kommunikation Medien >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie