Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Millionenprojekt "sachsMedia": Über die Schwelle vom Analog- zum Digitalfernsehen

22.03.2007
Millionenprojekt "sachsMedia": Medieninformatiker der TU Chemnitz suchen nach praktikablen Wegen, wie TV-Stationen künftig Beiträge innerhalb einer webbasierten Medien-Allianz produzieren, senden und verteilen können

Sachsens Fernsehlandschaft ist europaweit einzigartig. Hier haben sich in den letzten 20 Jahren die meisten privaten regionalen Fernsehsender der Bundesrepublik etabliert. Mit 60 Sendern sind fast ein Drittel der deutschen Sender für Lokalfernsehen in Sachsen ansässig. Diese übernehmen dabei oft Aufgaben der Informationsversorgung, denen die öffentlich-rechtlichen Sender nur unzureichend nachkommen. "So deckt der Mitteldeutsche Rundfunk zwar die drei Bundesländer Sachsen, Sachen-Anhalt und Thüringen ab, stellt aber für Informationen aus Sachsen gerade mal eine halbe Stunde Sendezeit pro Tag zur Verfügung", erklärt Projektleiter Prof. Dr. Maximilian Eibl, Inhaber der Professur Medieninformatik an der TU Chemnitz.

Die Medienlandschaft steht nun aber vor einem Umbruch, bei dem mehrere Faktoren aufeinander treffen. "Zu nennen sind hierbei die in allen Medienbereichen eingebrochenen Werbeeinnahmen, die auch bei den lokalen Sendern Rationalisierungsmaßnahmen erfordern. Dazu werden nicht nur senderübergreifende Kooperationen bei der Produktion, sondern auch gut archiviertes und recherchierbares Sendematerial benötigt. Zudem wird 2010 die analoge Fernsehausstrahlung in Deutschland einheitlich eingestellt und die momentan noch analog sendenden Lokalfernsender müssen bis dahin den Umstieg auf digitale Formate geschafft haben", führt Eibl die Problematiken aus. Sein Mitarbeiter Robert Knauf ergänzt: "Auch die wachsende Bedeutung des Internets und die damit verbundene Möglichkeit, Sendungen auszustrahlen, müssen in die Überlegungen einbezogen werden. Das sendefähige Material muss für das Internet und mobile Anwendungen aufbereitet werden, was entsprechende Distributionsmethoden erfordert".

In Kooperation mit der Arbeitsgemeinschaft Regionalfernsehveranstalter in Sachsen (ARiS) und der KabelJournal GmbH Grünhain-Beierfeld, der envia TEL GmbH Markkleeberg, der HMS oHG aus Halle und der Mugler AG aus Oberlungwitz will sich die Professur Medieninformatik in "sachsMedia - Cooperative Producing, Storage and Broadcasting for Local Television Stations " diesen Problematiken in den nächsten fünf Jahren annehmen. Das mit etwa 2,2 Millionen geförderte "InnoProfile"-Projekt setzt dabei vor allem auf zwei Schwerpunkte: Annotation&Retrieval und Distribution.

Unter ersteren versteht man die semantische Beschreibung von Videosequenzen und das anschließende Suchen nach diesen begrifflich formulierten Informationen. Basis dafür bildet eine Datenbank, in der das Rohmaterial sowie die fertig produzierten Sendungen eingearbeitet und vorgehalten werden. Um einen schnellen Zugriff und eine kooperative Arbeit zu erleichtern, müssen die Daten dabei möglichst umfassend inhaltlich beschrieben und leicht recherchierbar sein. Nach Möglichkeiten des Sendens bzw. Verteilens der Produktionen und dessen Weiterentwicklung wird im zweiten Schwerpunkt Distribution geforscht. "Wir suchen jenseits der klassischen analogen Übertragung nach neuen Verteilungswegen des Sendematerials. Zum einem ist das durch TV-Life-Streaming und Video-on-Demand-Streaming über das Internet denkbar. Zum anderen soll auch die Bereitstellung des Materials und dessen Übertragung via Digitalfernsehen ermöglicht werden", führt Knauf aus. Das Material muss dabei auf den jeweiligen Vertriebsweg optimal angepasst werden, um beispielsweise die Bandbreite von Nutzern nicht zu überlasten. "Um die hier erreichten Fortschritte und standardisierten Verfahren zur Übertragung von digitalen Inhalten auch evaluieren zu können, richten wir auf dem Geländer der Universität eine eigene Digital-Video-Broadcasting-Sendeanlage mit Messpark ein", erklärt Eibl. Um die Projektpartner für die anstehenden Veränderungen im Medienbereich zukunftsfähig zu machen, hebt "sachsMedia" die beteiligten Projektpartner über kritische Forschungshürden hinweg und gibt damit einen wichtigen Innovationsschub, der sie über die Schwelle vom Analog- zum Digitalfernsehen bringt.

Stichwort: "InnoProfile" an der TU Chemnitz

Bis zum Jahr 2012 stellt das Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen der Innovationsinitiative "Unternehmen Region" mit "InnoProfile" rund 150 Millionen Euro für technologie- und branchenspezifisches Zusammenarbeit zwischen Nachwuchsforschergruppen und Unternehmen in Ostdeutschland bereit. In einer ersten Bewerberrunde 2006 konnten sich bereits vier Professuren der TU Chemnitz mit ihren Projektvorschlägen gegen die anderen Bewerber durchsetzen und erhielten einen Förderungszusage bis zum Jahr 2011 in Höhe von insgesamt rund 8,5 Millionen Euro. In der zweiten Runde kann sich die TU Chemnitz mit dem Forschungsprojekt sachsMedia im Umfang von 2,2 Millionen Euro beteiligen.

Weitere Informationen erteilt Prof. Dr. Maximilian Eibl, Inhaber der Professur Medieninformatik an der TU Chemnitz, Telefon (03 71) 5 31 - 31 562, E-Mail eibl@informatik.tu-chemnitz.de

Mario Steinebach | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-chemnitz.de/

Weitere Berichte zu: Digitalfernseh InnoProfile Medieninformatik

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Kommunikation Medien:

nachricht mce mediacomeurope schließt Kooperationsvertrag mit Anixe TV
13.04.2018 | mce mediacomeurope GmbH

nachricht Gebärdensprache neu gedacht
14.03.2018 | Universität Siegen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Kommunikation Medien >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Im Focus: Spider silk key to new bone-fixing composite

University of Connecticut researchers have created a biodegradable composite made of silk fibers that can be used to repair broken load-bearing bones without the complications sometimes presented by other materials.

Repairing major load-bearing bones such as those in the leg can be a long and uncomfortable process.

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Grösster Elektrolaster der Welt nimmt Arbeit auf

20.04.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Bilder magnetischer Strukturen auf der Nano-Skala

20.04.2018 | Physik Astronomie

Kieler Forschende entschlüsseln neuen Baustein in der Entwicklung des globalen Klimas

20.04.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics