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Umfrage unter Deutschlands Chefredakteuren: "Neues Leserverhalten setzt Zeitungen unter Druck"

12.02.2007
Vom Chronisten des Tages zum Wegweiser im Informationsdschungel: Forscher der Universität Hohenheim ermitteln Wechsel im Selbstverständnis der Medien

Die Tageszeitung bleibt Leitmedium Nr. 1 - von dieser Überzeugung hat sich die Hälfte der Chefredakteure deutscher Tageszeitungen inzwischen verabschiedet. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Studie des Fachgebiets Kommunikationswissenschaft und Journalistik der Universität Hohenheim.

War es vor fünf Jahren noch die Konjunkturflaute, die unter Chefredakteuren als Ursache für die Zeitungskrise galt, erkennt die Mehrheit inzwischen ein verändertes Nutzungsverhalten als größte Herausforderung für die Zukunft. Demnach wird die Zeitung der Zukunft stärker vom Nutzen und der Betroffenheit der Leser gesteuert. Die Berichterstattung über die Ereignisse des Tages verliert dagegen an Bedeutung.

Die Problemwahrnehmung der Chefredakteure innerhalb der vergangenen fünf Jahre hat sich geändert: Im Vergleich zur Chefredakteurs-Umfage im Jahr 2002, bei der noch in erster Linie die Konjunktur (94,1 Prozent) als Ursache für die Probleme der Zeitungen gesehen wurde, sind es nun das veränderte Nutzungsverhalten der Menschen (74,7 %) und das Internet als Konkurrenzmedium (48,8 %). Während sich die konjunkturelle Lage aktuell etwas entspannt hat, treten nun also langfristige, strukturelle Veränderungen auf dem Lesermarkt in den Vordergrund.

Trotz der erweiterten Angebote der Verlage bilden die Tageszeitungen nach Ansicht von 85,9 Prozent der Befragten den Kern der Marke. Allerdings glaubt nur noch jeder zweite Redaktionsleiter (52,9 %), dass die Tageszeitung das aktuelle Leitmedium schlechthin bleibt. Die Berichterstattung über die Ereignisse des Tages wird - so zwei Drittel der befragten Chefredakteure (61,9 %) - an Bedeutung verlieren, dafür wird die Auswahl der Themen stärker vom Nutzen und der Betroffenheit der Leser gesteuert.

"Tageszeitungen werden vom Berichterstatter zum Kompass im Informationsdschungel, vom Kartographen, der die Erde vermisst, zum Polarstern, der dem Einzelnen im Alltag die Richtung für die Orientierung weist", erklärt Prof. Dr. Claudia Mast vom Fachgebiet Kommunikationswissenschaft der Universität Hohenheim.

Dass die Papierform für die Tageszeitung der Zukunft keine Rolle mehr spielen wird, glauben die Chefredakteure indes nicht. Neun von zehn Befragten (87,4 %) sind der Ansicht, dass elektronische und mobile Verbreitungswege die gedruckten Zeitungsausgaben nicht verdrängen.

Hintergrund

An der Umfrage im Dezember 2006 beteiligten sich 87 der 138 Chefredakteure deutscher Tageszeitungen mit Vollredaktion. Dieser außergewöhnlich hohe Rücklauf von 63 Prozent betont die Aussagekraft der repräsentativen Ergebnisse.

Florian Klebs | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-hohenheim.de/

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