Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Debatte der Maßlosigkeit - Rechtschreibreform und kein Ende

27.07.2000


Debatte der Maßlosigkeit

Rechtschreibreform und kein Ende. Mit ihrer Entscheidung, vom 1. August

an zur alten Orthographie zurückzukehren, hat die FAZ eine neue Runde im Streit um das brisante Regelwerk eröffnet. Die Gegner der Reform wittern Morgenluft: Kommt nach einer trügerischen Ruhe nun der Sturm? Werden andere Zeitungen dem Beispiel folgen? Wie lange werden die Verfechter der Reform dem Druck standhalten können? Die Risse im Mauerwerk sind unübersehbar, mancher ist bereits von der Fahne gegangen. Die Zukunft der Reform scheint wieder offen. Was ist von alledem zu halten?

Das Argument der Frankfurter Redaktion scheint auf den ersten Blick nachvollziehbar: Warum sich noch länger einem unzulänglichen Regelsystem unterwerfen, wenn der einzige Grund für diese Entscheidung, die Einheitlichkeit der Rechtschreibung, offensichtlich hinfällig geworden ist? Wie stichhaltig ist diese Begründung?

Die Schwächen der Neuregelung sind vielfach beschrieben worden. Vor allem in den Bereichen der Groß- und Klein- sowie der Getrennt- und Zusammenschreibung legt sie Schreibungen fest, die dem Sprachgefühl widersprechen (Eis laufen statt eislaufen, schwer fallen statt schwerfallen) und die unterschiedliche Wörter in der Schriftsprache einebnen (im Gymnasium / auf dem Stuhl sitzen bleiben). An anderer Stelle scheint sie Wissen vorauszusetzen, über das oft nicht einmal Germanisten verfügen (Stängel statt Stengel wegen der Verwandtschaft mit Stange). Das Sprachgefühl der Kritiker lässt sich wissenschaftlich begründen. Schon vor der Verabschiedung hatten namhafte Sprachwissenschaftler gewarnt, das Reformwerk entspreche nicht dem Stand der Kunst, weise schwerwiegende (heute: schwer wiegende) Mängel auf. Überhaupt sei es ein Risiko, in ein gewachsenes, vielgestaltiges Buschwerk so beherzt mit der Heckenschere einzugreifen.

Andererseits hatte auch die DUDEN-Redaktion in den Jahrzehnten vor der Reform einer naturwüchsigen Entfaltung der Orthographie an mancher Stelle Einhalt geboten, in kleinen Schritten und daher von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt. Auch dabei war nicht immer eine glückliche Hand am Werk gewesen, was zu den bekannten Fehlerquellen geführt hatte, die schließlich den Ausschlag gaben für die umstrittene Reform (z.B. radfahren im Unterschied zu Auto fahren). So nahe es lag, das alte DUDEN-Regelwerk einmal einer gründlichen Prüfung und Überarbeitung im Detail zu unterziehen, so unglücklich war möglicherweise - neben mancher Entscheidung in der Sache - die Etikettierung der Überarbeitung als "Reform". Sie polarisierte die Öffentlichkeit in Befürworter und Gegner und verlieh der Angelegenheit ein Gewicht, das es nun schwermacht (schwer macht), ohne Gesichtsverlust für beide Seiten das Gute der Reform vom Unsinnigen zu trennen. Bis heute schießen viele - Befürworter wie Kritiker - in der öffentlichen Debatte weit über das Ziel hinaus, legen sich auf Pro- und Contrapositionen fest und verlieren dabei das Augenmaß, das es erlaubt, die Spreu vom Weizen zu trennen.

Genau darauf aber käme es nun an: Die Rechtschreibung auf der Grundlage der wissenschaftlichen Erkenntnisse und unter Beobachtung der tatsächlichen Schreibpraxis von Wörterbuch zu Wörterbuch behutsam weiterzuentwickeln und dabei die Schwächen der alten ebenso wie die der neuen Regelung zu vermeiden. Die Mannheimer Kommission hat diesen Weg eingeschlagen. Man sollte sie dabei unterstützen.

Autor: Dr. Stephan Habscheid, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Professur Germanistische Sprachwissenschaft der Technischen Universität Chemnitz, Telefon (03 71) 51 35 24 (privat)

Dipl.-Ing. Mario Steinebach |

Weitere Berichte zu: Orthographie Sprachwissenschaft Wörterbuch Überarbeitung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Kommunikation Medien:

nachricht mce mediacomeurope schließt Kooperationsvertrag mit Anixe TV
13.04.2018 | mce mediacomeurope GmbH

nachricht Gebärdensprache neu gedacht
14.03.2018 | Universität Siegen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Kommunikation Medien >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: BAM@Hannover Messe: Innovatives 3D-Druckverfahren für die Raumfahrt

Auf der Hannover Messe 2018 präsentiert die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), wie Astronauten in Zukunft Werkzeug oder Ersatzteile per 3D-Druck in der Schwerelosigkeit selbst herstellen können. So können Gewicht und damit auch Transportkosten für Weltraummissionen deutlich reduziert werden. Besucherinnen und Besucher können das innovative additive Fertigungsverfahren auf der Messe live erleben.

Pulverbasierte additive Fertigung unter Schwerelosigkeit heißt das Projekt, bei dem ein Bauteil durch Aufbringen von Pulverschichten und selektivem...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: innovative 3D printing method for space flight

At the Hannover Messe 2018, the Bundesanstalt für Materialforschung und-prüfung (BAM) will show how, in the future, astronauts could produce their own tools or spare parts in zero gravity using 3D printing. This will reduce, weight and transport costs for space missions. Visitors can experience the innovative additive manufacturing process live at the fair.

Powder-based additive manufacturing in zero gravity is the name of the project in which a component is produced by applying metallic powder layers and then...

Im Focus: IWS-Ingenieure formen moderne Alu-Bauteile für zukünftige Flugzeuge

Mit Unterdruck zum Leichtbau-Flugzeug

Ingenieure des Fraunhofer-Instituts für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) in Dresden haben in Kooperation mit Industriepartnern ein innovatives Verfahren...

Im Focus: Moleküle brillant beleuchtet

Physiker des Labors für Attosekundenphysik, der Ludwig-Maximilians-Universität und des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik haben eine leistungsstarke Lichtquelle entwickelt, die ultrakurze Pulse über einen Großteil des mittleren Infrarot-Wellenlängenbereichs generiert. Die Wissenschaftler versprechen sich von dieser Technologie eine Vielzahl von Anwendungen, unter anderem im Bereich der Krebsfrüherkennung.

Moleküle sind die Grundelemente des Lebens. Auch wir Menschen bestehen aus ihnen. Sie steuern unseren Biorhythmus, zeigen aber auch an, wenn dieser erkrankt...

Im Focus: Molecules Brilliantly Illuminated

Physicists at the Laboratory for Attosecond Physics, which is jointly run by Ludwig-Maximilians-Universität and the Max Planck Institute of Quantum Optics, have developed a high-power laser system that generates ultrashort pulses of light covering a large share of the mid-infrared spectrum. The researchers envisage a wide range of applications for the technology – in the early diagnosis of cancer, for instance.

Molecules are the building blocks of life. Like all other organisms, we are made of them. They control our biorhythm, and they can also reflect our state of...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

infernum-Tag 2018: Digitalisierung und Nachhaltigkeit

24.04.2018 | Veranstaltungen

Fraunhofer eröffnet Community zur Entwicklung von Anwendungen und Technologien für die Industrie 4.0

23.04.2018 | Veranstaltungen

Mars Sample Return – Wann kommen die ersten Gesteinsproben vom Roten Planeten?

23.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Von der Genexpression zur Mikrostruktur des Gehirns

24.04.2018 | Biowissenschaften Chemie

Bestrahlungserfolg bei Hirntumoren lässt sich mit kombinierter PET/MRT vorhersagen

24.04.2018 | Medizintechnik

RWI/ISL-Containerumschlag-Index auf hohem Niveau deutlich rückläufig

24.04.2018 | Wirtschaft Finanzen

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics