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Öffentliche Medien bevorzugt: RUB-Studie über deutsche Aktionäre

25.01.2005


RUB-Studie über deutsche Aktionäre - Dividenden: Ja, bitte - Stimmrecht: Nein, danke



Die deutschen Privatanleger nutzen die öffentlichen Medien als zentrale Informationsquelle: Zeitungen, Zeitschriften und Wirtschaftssendungen im Fernsehen haben die höchste Bedeutung für private Aktionäre. Das ist das Ergebnis einer Studie der Bochumer Wirtschaftswissenschaftler Professor Dr. Bernhard Pellens und Dr. Joachim Gassen (Lehrstuhl für Internationale Unternehmensrechnung, Fakultät für Wirtschaftswissenschaft der Ruhr-Universität Bochum). Die Ergebnisse hat das Deutsche Aktieninstitut in Frankfurt als DAI-Studie veröffentlicht. Unterstützt wurden die Bochumer Forscher von der Deutschen Post AG, deren Aktionäre sie befragt haben. Die in ihrem Umfang weltweit einmalige Studie liefert erstmals umfassende Erkenntnisse über Ansichten und Interessen deutscher Privatanleger.



Hoher Stellenwert der Medien

Die RUB-Wissenschaftler haben 800.000 Aktionäre der Deutschen Post AG befragt, von denen über 80.000 antworteten: 74 Prozent messen demnach den öffentlichen Medien einen "hohen" oder "sehr hohen" Stellenwert bei, um Informationen über "ihr" Unternehmen zu bekommen. Als weitere Informationsquellen folgen der Geschäftsbericht mit 45 und der Quartalsbericht mit 41 Prozent.

Wichtig: Gewinne, Verluste und Bilanz

Innerhalb des Geschäftsberichts ist vor allem die Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) relevant: 57 Prozent der Befragten gaben an, sie "intensiv" oder gar "sehr intensiv" zu nutzen, gefolgt von der Bilanz (55 %) und dem Lagebericht (47 %). Obwohl international gleichrangig mit GuV und Bilanz, spielt die Kapitalflussrechnung für die deutschen Anleger nur eine untergeordnete Rolle - nur 33 Prozent nutzen dieses Rechenwerk. Interessant erscheint zudem, dass misstrauische Investoren Informationen weniger stark nutzen als die Gesamtheit der Anleger.

Dividenden werden gewünscht, Stimmrechte nicht genutzt

Neben dem Informationsverhalten erhoben die Bochumer Forscher auch die Einstellungen zu Dividenden und dem Stimmrecht. Das Ergebnis: Deutsche Privatanleger fordern ein ausgewogenes Verhältnis von Dividenden und Kurssteigerungen. Eher bedenklich erscheint, dass mit über 30 Prozent ein Großteil der Anleger sein Stimmrecht nicht in Anspruch nimmt.

"Pressecoaching" verstärken

Das Fazit der Bochumer Forscher: "Die Studie belegt, dass ein alleiniges Setzen auf die Kapitalmarktregulierung durch Informationspflichten nicht ausreichen dürfte, um das Vertrauen in den Kapitalmarkt wieder herzustellen", so Prof. Pellens und Dr. Gassen. Die Informationspolitik müsse deutlich stärker auf die Interessen der Privatanleger ausgerichtet werden. Hier erscheine vor allem die gestiegene Bedeutung des Quartalsbericht zentral. Die "Handlungsempfehlungen" der Wissenschaftler lauten daher: "Der Pressekommunikation und dem Pressecoaching - dem schulenden Erläutern insbesondere der Rechnungslegungsdaten - sollte eine zentrale Rolle zukommen. Schließlich können die Unternehmen allein nicht das bestehende Know-how-Defizit deutscher Privatanleger ausgleichen, zum Beispiel hinsichtlich solch bedeutender Größen wie Cashflow."

Weitere Informationen

Prof. Dr. Bernhard Pellens, Dr. Joachim Gassen, Lehrstuhl für Internationale Unternehmensrechnung, Fakultät für Wirtschaftswissenschaft der RUB, Tel. 0234/32-23832, E-Mail: befragung@iur.rub.de

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.iur.ruhr-uni-bochum.de/news/

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